Österreichs beste Familienunternehmen

„Der Großvater hatte eine kleine Säge und eine große Vision“

Michael Egger junior: „Es gibt fast keinen Haushalt, wo Egger-Produkte nicht drinnen sind.“
Michael Egger junior: „Es gibt fast keinen Haushalt, wo Egger-Produkte nicht drinnen sind.“ Bernhard Wieland, Egger
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Österreich-Sieger: Egger Holz aus St. Johann/Tirol hat sich vom kleinen Sägewerk zu einem international führenden Holzwerkstoffhersteller entwickelt.

Die Egger Group aus Tirol ist Spezialist für Holzwerkstoffe – und heute in diesem Bereich ein international führendes Unternehmen mit mittlerweile weltweit 22 Standorten in elf Ländern und rund 11.000 Beschäftigten. Das Stammwerk ist in St. Johann in Tirol – wo alles auf der grünen Wiese angefangen hat. „1961 hat mein Großvater begonnen mit einem kleinen Sägewerk und hat dann eine sehr große Vision gehabt“, sagt Michael Egger junior, der als dritte Egger-Generation seit 2022 Mitglied der Gruppenleitung ist und den Bereich Vertrieb und Marketing verantwortet.

Großvater Fritz Egger, der einen Landwirtschaftsbetrieb geführt hat, hat mit seiner kleinen Säge schnell das Potenzial von Holz und seinen Nebenprodukten erkannt und sich entschieden, in die weitere Veredelung einzusteigen. Er gründete das damals zehnte Spanplatten Werk in Österreich und hat es in St. Johann auf die Wiese gestellt. „Mein Großvater wurde dafür belächelt“, sagt Michael Egger, „viele unserer Wettbewerber haben gesagt, was will der Bauer auch noch in die Industrie einsteigen.“

Mutig und unbeirrt

Es war ein mutiger Schritt. Doch der Gründer ging unbeirrt seinen Weg. Der Tages-Output des jungen Holzwerks waren 30 Kubikmeter Spanplatten, das entsprach einer Lkw-Ladung. Zum Vergleich: Heute wird diese Menge an Holzwerkstoffen in weniger als zwei Minuten erzeugt. „Wir stehen heute bei 25.000 Kubikmetern, das sind ungefähr 800 Ladungen am Tag“, sagt der junge Egger. Richtig groß wurde das Familienunternehmen mit der zweiten Generation, mit den Brüdern Fritz junior und Michael senior, die 1982, durch den frühen Tod des Vaters, in die Verantwortung kamen und gemeinsam das Familienunternehmen erfolgreich internationalisierten. „Wenn wir Potenziale erkennen, dann greifen wir die auch schnell auf und setzen sie um“, sagt Michael Egger, „sonst wäre es meinem Vater und meinem Onkel nicht gelungen, heute mit 22 Standorten weltweit tätig zu sein.“

Produktion in Österreich

Drei Werke hat die Egger-Gruppe in Österreich: in St. Johann/Tirol, Wörgl und Unterradlberg bei St. Pölten. Sieben Standorte sind es in Deutschland, je zwei in Großbritannien, Frankreich und Russland. Je eines steht in Italien, Polen, Rumänien, Argentinien und den USA. „Unsere Werke stehen immer dort, wo man die Ressource Holz vorfindet. Und wir siedeln uns auch immer dort an, wo unsere Kundschaft ist“, sagt Egger. Daher unterhält Egger Holz auch noch weltweit 25 Vertriebsbüros.

Abnehmer der Egger-Produkte sind die Möbelindustrie, der Holzfachhandel sowie Baumärkte und Do-it-yourself-Geschäfte. „Es gibt fast keinen Haushalt, wo Egger-Produkte nicht drinnen sind“, betont Michael Egger. Die Produkte sind in der Küche verbaut als Arbeitsplatte oder als Front eines Kastens – aber auch beispielsweise im Fußboden. Egger ist auch im Bauwesen und der Industrie stark vertreten mit seinen OSB-Spanplatten.

Rekordumsatz

Beim Umsatz eilt das Familienunternehmen von Jahr zu Jahr zu einem neuen Rekord. Aktuell steht die Egger Group auf einem konsolidierten Jahresumsatz von rund 4,45 Milliarden Euro und hat 9,6 Millionen Kubikmeter Holzwerkstoffe und Schnittholz produziert. Trotz ihrer Größe denkt die Unternehmerfamilie nicht daran, aus dem Betrieb eine Aktiengesellschaft zu machen. „Wir sind frei“, sagt Michael Egger, „wir dürfen alles, was wir verdienen, wieder in unser Unternehmen reinvestieren. Und das macht auch unser schnelles Wachstum aus.“

»Du musst nicht alles wissen, aber du musst die besten Mitarbeiter um dich haben, mit denen du das Unternehmen nach vorn bringst.«

Michael Egger junior,

Gruppenleitung Vertrieb/Marketing Egger Group

Ein weiterer Grund, warum die Egger-Gruppe erfolgreich ist, ist die flache Hierarchie. Die Gruppenleitung besteht aus vier Personen, Michael Egger ist der Einzige aus der Familie. Seit 2009 Sprecher der Gruppenleitung ist Finanzchef Thomas Leissing, der diesem Gremium seit 2005 angehört. Hannes Mitterweissacher als Technik- und Produktionsleiter und Frank Bölling als Logistikleiter komplettieren die Vierergeschäftsführung.

Wertvolle Mitarbeiter

„Ein Leitspruch, den mir mein Vater mitgegeben hat, war: Du musst nicht alles wissen, aber du musst die besten Mitarbeiter um dich haben, mit denen du das Unternehmen nach vorn bringst“, sagt Michael Egger. „Und da sind wir stolz. Wir haben sehr flache Hierarchien. Und es ist nicht die Gruppenleitung allein, die das Unternehmen entwickelt, sondern alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die das Unternehmen nach vorn bringen.“ Bei Egger herrscht auch Multikulti. Die 11.000 Beschäftigten kommen aus rund 90 verschiedenen Ländern. Das Familienunternehmen ist auch ein großer Ausbildner: Mehr als 350 Lehrlinge werden in 24 verschiedenen Lehrberufen zu Fachkräften ausgebildet.

Neue Wege im Recycling

Ein weiterer Leitsatz, der seit Beginn das Familienunternehmen prägt, ist: Holz ist viel zu wertvoll, um es einfach wegzuwerfen. „Dass wir ein in seiner Grundsubstanz nachhaltiges Produkt haben, ist in unserer DNA“, betont Egger. Der Anspruch sei, ressourcenschonend zu arbeiten. Das zeige man am Standort St. Johann: „Wir sind mittlerweile in der Lage, auch Recyclingholz einzusetzen; das heißt Altpaletten, Altmöbel zu sammeln, diese wieder aufzubereiten und ein tolles Produkt daraus zu machen.“

Egger Group

Firmensitz: St. Johann in Tirol

Gründungsjahr: 1961

Eigentümerfamilie: Egger,dritte Generation

Umsatz 2022/23: 4,45 Milliarden Euro

Beschäftigte: 11.000

Branche/Tätigkeit: Holzindustrie. Komplettanbieter für den Möbel- und Innenausbau sowie holzwerkstoffbasierende Fußböden.

Information

„Österreichs beste Familienunternehmen“ werden von der „Presse“- Redaktion in voller Unabhängigkeit gestaltet. Die Beilage erscheint in Kooperation und mit finanzieller Unterstützung von Bankhaus Spängler, BDO und Österreichischer Notariatskammer.


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