Verletzt

Slowakischer Regierungschef Fico nach Schussattacke in Lebensgefahr

Der slowakische Ministerpräsident Robert Fico ist bei einer Schießerei nach einer Regierungssitzung verletzt worden
Der slowakische Ministerpräsident Robert Fico ist bei einer Schießerei nach einer Regierungssitzung verletzt wordenReuters / Radovan Stoklasa
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Vier Schüsse sollen abgefeuert worden sein. Robert Fico wird aktuell noch operiert. Sein Zustand sei lebensbedrohlich, teilt die Regierung mit. Ein älterer Mann wurde festgenommen.

Der slowakische Regierungschef Róbert Fico ist am Mittwoch nach einer Regierungssitzung in der Stadt Handlová angeschossen worden. Der Politiker sei in einem lebensbedrohlichen Zustand und werde seit Stunden operiert, so Verteidigungsminister Robert Kalinak am Mittwochabend. Der mutmaßliche Schütze wurde festgenommen.

Augenzeugen berichteten, vor dem Kulturhaus in Handlová seien mindestens vier Schüsse zu hören gewesen, als Fico nach der Kabinettssitzung ins Freie ging, um sich unter die Bevölkerung zu mischen. Schüsse hätten ihn in den Bauch, am Arm und Bein getroffen, so Innenminister Matus Sutaj Estok. Der Ministerpräsident sei daraufhin zu Boden gestürzt. Ein Video zeigte, wie Begleiter den Verletzten eilig in ein Auto setzen, um ihn vorläufig in Sicherheit zu bringen. Es handle sich um eine politisch motivierte Attacke, sagte Estok, der gemeinsam mit Kalinak vor die Presse trat.

Sanitäter transportieren den verletzten Fico vom Helikopter ins Krankenhaus.
Sanitäter transportieren den verletzten Fico vom Helikopter ins Krankenhaus.AFP

Auf der offiziellen Facebookseite von Fico wurde eine Stellungnahme veröffentlicht. Derzufolge wurde er mit dem Hubschrauber in das Krankenhaus in Banská Bystrica geflogen, da ein akuter Eingriff notwendig und Bratislava zu weit weg war. „Die nächsten Stunden werden entscheidend sein“, heißt es in dem Statement. Medienberichten zufolge erlitt der Politiker mehrere Verletzungen.

Schütze „hat nur noch gewartet“

Auf dem Video soll auch die Festnahme des mutmaßlichen Angreifers zu sehen sein. Nach Medienberichten soll es sich bei dem Angreifer um einen 71-jährigen Mann handeln. Wie die „ZiB 1“ berichtet, handelt es sich bei dem Mann um einen Schriftsteller, der 2016 selbst Opfer eines Attentats geworden sei und in Folge die Berechtigung bekommen habe, legal seine Waffe zu besitzen. Es gebe ein Video, in dem Mann einen Anschlag angekündigt habe, weil er mit der Politik Ficos nicht einverstanden sei, berichtete der ORF. Der Attentäter soll aus der Stadt Levice stammen, die rund 60 km südlich von Handlová liegt. Die Angaben wurden zunächst offiziell nicht bestätigt.

Augenzeugen berichteten von den dramatischen Szenen. Eine Frau sagte dem öffentlich-rechtlichen Sender RTVS bezüglich des Schützen: „Der Mann stand dort von Anfang an. (...) Er hat nur noch gewartet.“ Ein Mann erklärte: „Kurz bevor ich ihm die Hand geben wollte, habe ich vier Schüsse gehört. Robert fiel auf den Boden.“ Er stehe unter Schock. „Das ist etwas Schreckliches, das waren Schüsse von hinten“, fügte der Mann hinzu.

Innenminister ruft zu Mäßigung auf

Fico hatte erst vor wenigen Tagen der liberalen Opposition vorgeworfen, ein „Klima der Feindschaft“ gegen die Regierung zu schaffen. Es sei nicht auszuschließen, dass es in einem solchen Klima irgendwann zu einer Gewalttat komme.

Der slowakische Innenminister Estok rief zur Mäßigung auf. „Es ist völlig natürlich, dass die Emotionen aufgepeitscht sind, aber es wäre sehr schlimm, diesen gefährlichen Zustand noch weiter zu verschärfen“, warnte der Politiker. Die Schüsse auf Fico bezeichnete er als ein „Attentat auf die Demokratie“. Unter dem Eindruck des Angriffs hatten einzelne Politiker der Regierungsparteien der Opposition eine Mitverantwortung für die Gewalttat angelastet, was auf Proteste stieß.

Robert Fico ist seit 2023 Ministerpräsident in dem Nachbarland Österreichs. Er hatte das Amt aber bereits von 2006 bis 2010 und von 2012 bis 2018 inne. Fico ist Vorsitzender der linkspopulistischen Smer-Partei. Er ist als Politiker nicht unumstritten. Als er vergangenes Jahr erneut Ministerpräsident wurde, stoppte er die Militärhilfe der Slowakei für Kiew und stellte die Souveränität der Ukraine infrage. Relativ bald nach seinem Regierungsantritt kam es in dem Land zudem zu Demonstrationen gegen seine Eingriffe in die Justiz und die öffentlich-rechtlichen Medien. (Reuters/APA/red.)

Ein Video, das auf dem Kurznachrichtendienst X kursiert, soll die Festnahme zeigen:

Der Artikel wird laufend aktualisiert.

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