Österreichs beste Familienunternehmen

Der Schatz im Dorf Zipf ist fest in Frauenhand

Die Chefinnen von Schatzdorfer Gerätebau: Marlene Schatzdorfer (l.) und ihre Mutter Gertrude Schatzdorfer-Wölfel in ihrem Betrieb in Zipf.
Die Chefinnen von Schatzdorfer Gerätebau: Marlene Schatzdorfer (l.) und ihre Mutter Gertrude Schatzdorfer-Wölfel in ihrem Betrieb in Zipf. Bernhard Wieland
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Oberösterreich-Siegerin: Gertrude Schatzdorfer-Wölfel hat aus Schatzdorfer Gerätebau ein Schmuckstück der Metallindustrie gemacht. Den erfolgreichen Familienbetrieb übergibt sie jetzt ihrer Tochter.

Die Schatzdorfer Gerätebau aus Zipf im Hausruckviertel ist ein Hidden Champion. Das Unternehmen ist Zulieferant der österreichischen Metallindustrie und spezialisiert auf die Bearbeitung von Blechen und Rohren. Kernkompetenz ist die Herstellung von Schweißbaugruppen aus Stahl, Edelstahl und Aluminium. Beliefert werden kleine Betriebe genauso wie Konzerne. „Wir machen rund 15 Millionen Euro Umsatz im Jahr“, sagt die Chefin, die geschäftsführende Gesellschafterin Gertrude Schatzdorfer-Wölfel.

Der Mensch im Mittelpunkt

An Zahlen kann man den Erfolg eines Unternehmens ablesen. Aber sie stehen für die erfolgreiche Unternehmerin nicht im Mittelpunkt. „Mein persönlicher Leitsatz ist: ‚Kümmere Dich nicht um die Zahlen, sondern kümmere Dich um die Menschen – dann kommen die Zahlen automatisch.‘“ Die Firmenchefin glaubt fest daran. „Immer wenn man den Menschen in den Mittelpunkt stellt, dann wird es uns gut gehen.“ Dafür investiert Schatzdorfer-Wölfel viel, vor allem Zeit und geht oft unkonventionelle Wege. „Unser Anspruch ist, zu den Besten zu gehören.“

»Mein persönlicher Leitsatz ist: „Kümmere Dich nicht um die Zahlen, sondern kümmere Dich um die Menschen – dann kommen die Zahlen automatisch.“«

Gertrude Schatzdorfer-Wölfel

Geschäftsführende Gesellschafterin Schatzdorfer Gerätebau

Die Oberösterreicherin ist eine Querdenkerin und das ist auch ihrer Profession geschuldet. Schatzdorfer-Wölfel ist ausgebildete Kindergartenpädagogin und hat diesen Beruf mehr als zehn Jahre ausgeübt, bevor sie, ungeplant, aber bestimmt, Mitte der 1990er-Jahre als Quereinsteigerin den 1958 von den Eltern gegründeten Familienbetrieb übernommen hat. Schnell und nachhaltig hat sich Schatzdorfer-Wölfel in der männerdominierten Metallbaubranche einen Namen erarbeitet und hat ihren kleinen Betrieb zu einem Aushängeschild in Oberösterreichs großer Industrielandschaft gemacht.

Sichtbarkeit der Frauen

„Schatzdorfer ist ein frauengeführtes Unternehmen und das ist vielleicht in der Branche nicht ganz üblich“, sagt die Chefin. Generell ist die Sichtbarkeit von Frauen im Betrieb, der 90 Beschäftigte hat, hoch: „Aktuell beträgt der Frauenanteil 24 Prozent – in allen Bereichen der Produktion und des Betriebs sind Frauen beschäftigt“, betont Schatzdorfer-Wölfel. „Auf das sind wir natürlich auch sehr stolz, und wir wissen, dass das ein Teil des Erfolges ist.“ – Und sie betont noch: „Wir möchten auch nicht auf das Potenzial der Frauen verzichten.“

So viel der hohe Frauenanteil die Unternehmerin freut, weiß sie: „Es ist wie in anderen Unternehmen, ohne Männer geht auch bei Schatzdorfer nichts.“ Doch sie lässt nicht davon ab, den Frauenanteil weiter auszubauen. Das beginnt schon bei den Lehrlingen, wo die Firmenchefin gerade wieder ein Projekt gestartet hat, „dass wir auch Mädchen in die Technik bekommen“.

Familienintern geht ihre Frauengleichung auf. Schatzdorfer-Wölfel hat zwei Töchter – die Übergabe an die dritte Generation läuft schon einige Zeit erfolgreich: Die ältere Tochter, Marlene Schatzdorfer, ist bereits geschäftsführende Gesellschafterin und hat es bei ihrem Start der Mutter gleichgetan: „Ich bin auch Quereinsteigerin bei uns in der Branche. Ich war vorher Musikerin und im März 2020 waren die Bühnen der Welt durch Corona geschlossen“, erzählt sie. „Die Mama hat jedoch dringend wen in der internen Logistik und im Versand gebraucht. Und wenn bei uns in der Familie der Hut brennt, das weiß die Mama, dann bin ich da.“

Marlene Schatzdorfer hat das Mitarbeiten im Familienbetrieb so gefallen, dass die Mutter dann mit der Idee gekommen ist, ob die Tochter nicht ganz bleiben möchte. „Und ich habe kurz überlegt, und ja gesagt – und ich bereue keinen einzigen Tag diese Entscheidung. Es ist richtig cool bei uns.“

Zwei Schwestern, ein Ziel

Marlenes jüngere Schwester, Elisa Schatzdorfer, nimmt auch eine wichtige Rolle im Familienunternehmen ein: „Wir haben einen Strategiebeirat, der mit der Mama, meiner Schwester und mir besetzt ist, und wir entscheiden da als Familie: ,Wo geht es denn hin mit unserer Schatzdorfer-Family?‘“

Schatzdorfer Gerätebau

Firmensitz: Zipf

Gründungsjahr: 1958

Eigentümerfamilie: Schatzdorfer, dritte Generation

Umsatz 2023: 15 Millionen Euro

Beschäftigte: 90

Branche/Tätigkeit: Metallindustrie. Herstellung von Schweißbaugruppen aus Stahl, Edelstahl und Aluminium.

Information

„Österreichs beste Familienunternehmen“ werden von der „Presse“- Redaktion in voller Unabhängigkeit gestaltet. Die Beilage erscheint in Kooperation und mit finanzieller Unterstützung von Bankhaus Spängler, BDO und Österreichischer Notariatskammer.


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