Geschichte

Energiepreisschock, Inflation, schwache Wirtschaft: Lernen aus den 1970ern

Paul Volcker brach als US-Notenbankchef mit der bisherigen Politik seiner Institution.
Paul Volcker brach als US-Notenbankchef mit der bisherigen Politik seiner Institution.Getty Images
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Viele fühlen sich in den 2020ern an die Stagflation der 1970er erinnert. Die Parallelen sind offensichtlich. Aber es gibt auch bedeutende Unterschiede.

Die 1970er gingen turbulent zu Ende. Es war die Zeit der Stagflation, also steigender Preise bei stagnierender Wirtschaft. Nach der ersten Ölkrise 1973 machte Ende der Dekade ein zweiter Ölpreisschock jene Länder, deren Wirtschaft von fossilen Importen abhängig war, schlagartig ärmer. Die gestiegenen Energiepreise fachten die Inflation an. Und wegen der steigenden Arbeitslosigkeit und der schwächelnden Wirtschaft – aber auch auf Druck des damaligen US-Präsidenten Jimmy Carter – brach Paul Volcker Ende 1979 mit der bisherigen Geldpolitik seiner Institution. Volcker stand der US-Notenbank seit August des Jahres vor und begann, die Zinsen massiv anzuheben. Lag der US-Leitzins 1979 noch im Schnitt bei rund zehn Prozent, erreichte er im März 1980 bereits die Marke von 20 Prozent. Erst ab Mitte 1981 fuhr die Notenbank die Zinsen langsam, aber stetig wieder zurück. Die US-Inflationsrate erreichte mit mehr als 14 Prozent im Jahr 1980 ihren Höchstwert und flaute anschließend sukzessive wieder ab. 1983 unterschritt sie den Wert von drei Prozent.

Ähnlichkeiten und Unterschiede

Per Zeitraffer in die Gegenwart: Die Parallelen zu der Energiekrise ab dem russischen Überfall auf die Ukraine sind offenkundig. Russlands Feldzug hat schwere Verwerfungen auf den internationalen Energiemärkten gebracht, wichtige Infrastruktur wie die Ostseepipeline Nord Stream wurde zerstört, Energieexporte vonseiten der Rohstoffgroßmacht Russland auch als Waffe eingesetzt. Die Preise für Energieträger wie Erdgas stiegen massiv und setzten einen breiten Preisauftrieb in Gang. Weil die Ukraine und Russland auch wichtige Exporteure von Nahrungsmitteln sind, sorgte der Krieg auch für massiv gestiegene Lebensmittelpreise. In den USA kletterte die Inflation 2022 auf mehr als acht Prozent, in der Eurozone auf mehr als zehn Prozent. Dies- wie jenseits des Atlantiks hoben die Zentralbanken die Zinsen massiv an, inzwischen lässt der Preisauftrieb nach, der Leitzins in den USA verharrt aber weiterhin bei mehr als fünf Prozent. Wobei eine Eskalation in Nahost – konkret: ein Krieg zwischen Israel und dem Iran – das Potenzial hätte, für erneute Verwerfungen auf den Energiemärkten zu sorgen. Übrigens herrschte auch in den 1970ern Krieg im Nahen Osten, am 6. Oktober 1973 und damit am höchsten jüdischen Feiertag, Jom Kippur, starteten Ägypten und Syrien einen Überraschungsangriff auf Israel.

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