Jazz

Im Konzerthaus: Jazz, genussvoll zelebriert

Wiener Konzerthaus / Carlos Suarez
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Smooth-Jazz-Trompeter Chris Botti gastierte erstmals mit eigener Band in Wien: Ein sehr gehaltvoller Abend.

Kann jemand, der als Smooth-Jazz-Kommerzler gilt, bei ehrwürdigen Traditionsjazzlabel wie Blue Note landen? Wenn man ein Könner ist wie Chris Botti, ja. „Vol 1“, sein erstes Studioalbum seit 13 Jahren, überzeugt mit Komplexität und Lyrizität. Er wird wohl nicht so viele Tonträger wie in den Neunzigerjahren verkaufen, damals waren es Millionen, aber Eindruck im straighten Jazzsegment wird er sicher machen. Dem sehr jugendlich wirkenden 61-Jährigen wurde, als er jung war, viel von älteren Kollegen gegeben. Er studierte bei Trompeter Woody Shaw, ging mit Frank Sinatra, Barbra Streisand, Paul Simon und Sting auf Achse. Jetzt schenkt er das Wichtigste zurück, was man jungen Musikern geben kann: Vertrauen. Am Album präsentiert er etwa den 20-jährigen Pianisten Esteban Castro. Auf seiner aktuellen Tour stellt er junge Talente wie Singer-Songwriter John Splithoff und die Violinistin Anastasiia Mazurok ins Rampenlicht. Auch schon länger dienende Hochkaräter wie die superbe Sängerin Sy Smith nimmt Botti unter seine Fittiche. Und so wurde der zweistündige Abend zu einer Art Revue, die unterschiedlichste Spielarten des Genres genussvoll zelebrierte.

Ein Instrument wie Miles Davis

Der Beginn war bewusst verhalten. Eine intime Adaption des irischen Folksongs „Danny Boy“, dessen Beliebtheit in der angl­o­amerikanischen Welt für Mitteleuropäer immer etwas rätselhaft bleibt. Nur von einem Pianisten begleitet, spielte Botti mit dem simplen Grundthema wie ein Kätzchen, das ein Wollknäuel killen will. Eine kleine Aufwärmübung. Zum ersten wirklichen Moment musikalischer Intimität wurde „When I Fall In Love (Sleepless in Seattle)“, wo Botti zeigte, zu welchen Subtilitäten er auf seiner Martin-Committee-Trompete fähig ist. Das gleiche Instrument, auf dem Miles Davis einst sein epochales „Kind Of Blue“ eingespielt hat. Nach diesem stillen Juwel wechselte der Modus des Ensembles. Beginnend mit einer vitalen Lesart von „My Funny Valentine“, bei der Botti seinen Kollegen viel Raum ließ, wurde lustvoll gejammt. Bottis Saxofonist glänzte mit Soli nahe am Free Jazz, Schlagzeuger und Bassist charmierten mit funky Rhythmusmustern. Swing und Funk, Folk und Soul wechselten in rascher Folge. Zu den Highlights zählen Nina Simones „Feelin´ Good“, Led Zeppelins „Kashmir” und Stings „Moon Over Bourbon Street”. Und natürlich die wunderbare Ode an „Paris“ von John Splithoff, die er mit butterweicher, ideal zur hauchigen Trompete passender Stimme darbot. Subtil und doch irgendwie kantig erklang Coldplays „Fix You“. Standing Ovations.

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