Lohnverhandlungen

Chemische Industrie: Wie es bis zum nächsten Verhandlungstermin weiter geht

Am 22. Mai versammeln sich Betriebsräte aus ganz Österreich vor den Werkstoren der Borealis in Schwechat für eine Aktion.
Am 22. Mai versammeln sich Betriebsräte aus ganz Österreich vor den Werkstoren der Borealis in Schwechat für eine Aktion.IMAGO/Weingartner-Foto
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Die Kollektivvertragsverhandlungen in der chemischen Industrie sind heuer zäher als sonst. Aufträge gehen zurück und die wirtschaftliche Lage ist trüb. Was bis zum nächsten Verhandlungstermin passiert.

Wien. Auch nach der fünften Verhandlungsrunde finden Arbeitgeber und Arbeitnehmer keinen Konsens bei den Kollektivvertragsverhandlungen in der chemischen Industrie. Für den Verhandlungsleiter der Arbeitgeber Berthold Stöger sind die Forderungen zu hoch. Ein Angebot unter der durchschnittlichen Inflationsrate der letzten zwölf Monate ist für den Arbeitnehmer-Verhandler Alfred Artmäuer (PRO-GE) und Günther Gallistl (GPA) nicht tragbar, heißt es in einer Aussendung.

Betriebsversammlungen, aber noch kein Streik

Bis zum nächsten Verhandlungstermin (6. Juni) finden Betriebsversammlungen statt. Konkrete Maßnahmen finde man derzeit noch, heißt es von der Gewerkschaft GPA zur „Presse“. Fest steht aber schon ein Termin: Am 22. Mai versammeln sich ab 11 Uhr Betriebsräte aus ganz Österreich an den Werkstoren bei Borealis in Schwechat für eine Aktion. Zu Streiks soll es bis zum nächsten Verhandlungstermin aber nicht kommen.

Rückläufige Aufträge

Die Arbeitgeber dürften bei den heurigen Verhandlungen besonders auf die Bremse treten. „Angesichts der schlechten Wirtschaftsdaten der Branche sowie der gesunkenen und voraussichtlich weiter sinkenden Inflation“ sei ein „Paradigmenwechsel“ nötig, sagte Stöger bereits nach der vierten Verhandlungsrunde. Im Vorjahr sei die Produktion in der Branche um 10,4 Prozent zurückgegangen und die Aufträge seien weiter rückläufig. Die Abschlüsse in der Branche hätten den Beschäftigten in den letzten zwei Jahren eine Erhöhung von insgesamt 15,3 Prozent gebracht, sagt er.

In solch schwachen Zeiten sind hohe Personalkosten für die Betriebe besonders belastend. „Teilweise gibt es Unternehmen mit einem Personalkostenanteil von 40 Prozent“, hieß es unlängst von der Wirtschaftskammer gegenüber der „Presse“.

„Man denke nur daran, wie ein hoher Abschluss die Firma Lenzing treffen würde, bei der es gerade nicht rund läuft.“ Von einer „nachhaltigen Erholung der Märkte“ für sein Geschäft könne der Lenzing-Chef Stephan Sielaff noch nicht sprechen, sagte er vor einer Woche bei der Präsentation der Quartalszahlen. „Die Geschäftsentwicklung der Lenzing Gruppe im ersten Quartal geht in die richtige Richtung. Wir können aber von keiner nachhaltigen Erholung der Märkte sprechen, solange der Preisdruck im Fasergeschäft hoch bleibt“, kommentierte Lenzing-Chef Stephan Sielaff die Zahlen.

Das Angebot

Heuer boten die Arbeitgeber zuletzt für Einkommen bis 4000 Euro eine Erhöhung um 5,8 Prozent an, für Gehälter darüber „eine etwas niedrigere prozentuelle Erhöhung“, so der Fachverband der chemischen Industrie mit. „Das letzte Angebot der Arbeitgeber von durchschnittlich 4,61 Prozent Lohn- und Gehaltserhöhung liegt immer noch deutlich unter der durchschnittlichen Inflationsrate der letzten zwölf Monate“, heißt es von den Arbeitnehmern. Sie kritisieren auch, dass die Arbeitgebervertreter über drei Wochen keine weiteren Verhandlungstermine anbieten.

Im Vorjahr gab es bereits nach der zweiten Runde eine Einigung bei den Verhandlungen. Die KV-Mindestlöhne stiegen per 1. Mai 2023 um 9,9 Prozent, die Ist-Löhne erhöhten sich um neun Prozent, Lehrlingseinkommen sowie die Schicht- und Nachtarbeitszulagen wurden um 9,9 Prozent angehoben.

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