Krieg in der Ukraine

Ukrainische Armee hat russischen Vorstoß im Nordosten gebremst

Ukrainische Soldaten der 92. Sturmbrigade feuern am 15. Mai 2024 in der Region Charkiw mit dem Mehrfachraketenwerfer BM-21 „Grad“ auf russische Stellungen.
Ukrainische Soldaten der 92. Sturmbrigade feuern am 15. Mai 2024 in der Region Charkiw mit dem Mehrfachraketenwerfer BM-21 „Grad“ auf russische Stellungen.APA / AFP / Roman Pilipey
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Der ukrainische Präsident Selenskij erklärt, die Lage im Nordosten des Landes sei unter Kontrolle. Der Nato-Oberbefehlshaber in Europa erklärt, Russland verfüge nicht über genug Soldaten für einen strategischen Durchbruch in der Region Charkiw.

Die ukrainische Armee hat nach eigenen Angaben den Vorstoß der russischen Invasionstruppen im Nordosten des Landes gebremst. In Wowtschansk gebe es Kämpfe in den nördlichen Stadtvierteln, aber ein weiteres Vordringen russischer Soldaten in dem Ort habe vereitelt werden können, teilt der ukrainische Generalstab mit. Die Lage sei unter Kontrolle. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskij bezeichnete bei einem Besuch in der Region Charkiw die Lage dort als stabil.

„Stand heute ist die Situation im Gebiet Charkiw insgesamt kontrollierbar, unsere Kämpfer fügen den Okkupanten spürbare Verluste hinzu“, teilte er am Donnerstag auf seinem Telegram-Kanal mit. Er habe bei einer Besprechung des Generalstabs die Lageberichte von Oberbefehlshaber Olexander Syrskij und der für den Frontabschnitt zuständigen Armeekommandeure gehört. Zugleich räumte er bestehende Schwierigkeiten in dem Raum ein.

Russland verfügt nach Einschätzung des Oberbefehlshabers der Nato-Streitkräfte in Europa, Christopher Cavoli, nicht über genug Soldaten für einen strategischen Durchbruch in der Region Charkiw. Cavoli zeigte sich nach einem Nato-Treffen am Donnerstag in Brüssel zuversichtlich, dass die Ukraine ihre Stellungen in der Region halten wird. Zudem werde sich wegen der anstehenden Lieferungen die Munitionsversorgung der ukrainischen Truppen bald deutlich verbessern.

Wowtschansk und Lypzi unter Druck

Eine Einnahme der rund fünf Kilometer von der russischen Grenze entfernten Kleinstadt wäre der bedeutendste Geländegewinn der russischen Truppen seit Beginn der Offensive in die Region Charkiw am Freitag vor einer Woche. Die russische Nachrichtenagentur RIA berichtet unterdessen unter Berufung auf von Russland eingesetzte Behördenvertreter in besetzten Gebieten, russische Truppen näherten sich dem Dorf Lypzi und bereitet dessen Einnahme vor. Lypzi liegt weiter westlich als Wowtschansk und näher an Charkiw. Russland hat bereits die Einnahme mehrerer Dörfer in der Region Charkiw gemeldet.

Großbritanniens Verteidigungsminister Grant Shapps hat angesichts der russischen Offensive auf die Region Charkiw davor gewarnt, die Ukraine nicht dauerhaft zu unterstützen. „Ich hoffe wirklich, dass das der Weckruf ist, den wir versucht haben zu senden und der nun gehört wird“, sagte Shapps dem Fernsehsender Sky News. Nämlich, dass es kein Krieg sei, bei dem man es sich leisten könne, unaufmerksam zu sein oder sich von einem anderen Konflikt ablenken zu lassen und dann zu erwarten, dass sich vor Ort nichts verändere.

Mahnung aus Großbritannien: Ukraine „nicht nur zeitweise“ unterstützen

Man müsse die Ukraine die ganze Zeit unterstützen, nicht nur zeitweise, mahnte Shapps am Mittwochabend in dem Interview. „Und ich glaube, das ist die große Lektion aus dem, was in Charkiw passiert.“ Auf Nachfrage, welche Staaten er meine, sagte er, dass das Hilfspaket aus den USA zu lange gebraucht habe, um durch den Kongress zu kommen.

Russland hat in seinem seit mehr als zwei Jahren andauernden Angriffskrieg zuletzt verstärkt wieder die Region Charkiw im Osten der Ukraine angegriffen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskij sagte wegen der schwierigen Situation alle Auslandsreisen ab - seinen Worten zufolge hat sich die Lage zuletzt aber teils stabilisiert. Shapps zeigte sich zuversichtlich, dass Russland nicht die Stadt Charkiw einnehmen werde. Zum Glück komme nun die US-Hilfe an und die Ukraine könne sich besser verteidigen. (APA/Reuters)

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