Prozess

Kronzeuge unter Druck: Trumps Schweigegeld-Prozess nähert sich dem Ende

Donald Trump war auch am Donnerstag wieder selbst beim Prozess in New York zugegen.
Donald Trump war auch am Donnerstag wieder selbst beim Prozess in New York zugegen.Imago / Victor J. Blue
  • Drucken

Der Trump-Ex-Anwalt als Kronzeuge zeige in dem Prozess „einen opportunistischen Charakter und habe kein Problem mit der Unwahrheit“ habe, sagen Trumps derzeitige Anwälte. Die Schlussplädoyers werden frühestens kommende Woche erwartet.

Im Schweigegeld-Prozess gegen Donald Trump hat die Verteidigung des ehemaligen US-Präsidenten den Kronzeugen wegen vergangener Falschaussagen unter Druck gesetzt und seine Glaubwürdigkeit infrage gestellt. Verteidiger Todd Blanche befragte Trumps ehemaligen persönlichen Anwalt Michael Cohen am Donnerstag in New York scharf zu dessen wiederholten Lügen unter anderem in einer Anhörung des US-Kongresses, bei der Cohen wie vor Gericht unter Eid stand.

Im Beisein Trumps bestätigte der Zeuge die unwahren Aussagen, wie im Gerichtssaal anwesende Medien übereinstimmend berichteten. Zudem spielte Blanche Mitschnitte aus Cohens Podcast ab, in denen der ehemalige Trump-Vertraute seinem Ex-Boss Rache schwor und die Hoffnung äußerte, dass Trump im Gefängnis „verrotte“.

Es geht um die Glaubwürdigkeit von Kronzeuge Michael Cohen

Die Verteidigung versuchte den Geschworenen damit vorzuführen, dass der Kronzeuge in dem Prozess einen opportunistischen Charakter und kein Problem mit der Unwahrheit habe, solange er damit seine Ziele erreiche. US-Medien beschrieben, dass der 57-Jährige sich etwas defensiver verhielt als noch am Dienstag, als er sich teils streitlustig gegeben hatte.

In dem Prozess geht es um die Anschuldigung, Trump habe seine Aussichten auf einen Erfolg bei der Präsidentschaftswahl 2016 durch die Zahlung von 130.000 Dollar an Pornostar Stormy Daniels verbessern wollen, damit diese nicht wegen eines angeblichen One-Night-Stands mit Trump an die Öffentlichkeit geht.

Zahlung an sich war nicht illegal

Zwar war die von keiner Seite bestrittene Transaktion selbst nicht illegal. Der heute 77 Jahre alte Trump soll aber bei der Erstattung des von Cohen ausgelegten Betrags Unterlagen manipuliert haben, um den wahren Grund der Zahlung zu verbergen. Aus Sicht der Anklage handelte es sich deshalb um illegale Wahlkampffinanzierung. Trump hat in diesem ersten Strafprozess gegen einen Ex-Präsidenten in der US-Geschichte auf nicht schuldig plädiert.

Trump war am Donnerstag mit einer roten Krawatte und einem blauen Anzug bekleidet. Während der Verhandlung verhielt er sich den Berichten zufolge lebhafter als noch am Dienstag und verfolgte die Befragung teils aufmerksam. Auch am wahrscheinlich letzten Tag mit Cohen im Zeugenstand hatte Trump eine Entourage an Unterstützerinnen und Unterstützern mit in den Gerichtssaal gebracht. Neben seinem Sohn Eric waren auch die republikanischen Rechtsaußen-Abgeordneten Lauren Boebert und Matt Gaetz anwesend.

Cohen: Wegen Falschaussage schon einmal im Gefängnis

Cohen gilt wegen vieler öffentlicher Lügen in der Vergangenheit als problematischer Kronzeuge. Die Schweigegeldzahlungen an Daniels beschäftigen die US-Justiz schon seit Jahren. Cohen wurde in diesem Zusammenhang bereits 2018 schuldig gesprochen und saß unter anderem wegen Falschaussage eine Haftstrafe ab. Damals war Trump noch Präsident und wurde von der Staatsanwaltschaft nicht strafrechtlich verfolgt. Der aktuelle Prozess wurde im April eröffnet mit Cohen als Hauptbelastungszeugen. Er hatte sich gegen Trump gewandt, als dieser ihn fallen gelassen hatte.

Derweil ist ein Ende des Prozesses in Sicht: Cohen ist der letzte Zeuge der Anklage. Danach ist es an der Verteidigung, entlastende Zeugen aufzurufen, bevor es zu den Schlussplädoyers kommt. So weit könnte es frühestens kommende Woche sein. Am Freitag pausiert der Prozess, weil Trump die Schulabschlussfeier seines Sohnes Barron besuchen möchte. Am Ende des Verfahrens müssen die zwölf Geschworenen eine einstimmige Entscheidung treffen. Richter Juan Merchan würde im Falle einer Verurteilung das Strafmaß festlegen. Trump droht eine mehrjährige Haftstrafe, die zur Bewährung ausgesetzt werden könnte. (APA/dpa)

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.