Sprache

Geht unser Deutsch vor die Hunde, Herr Professor?

Der Linguist Simon Meier-Vieracker begeistert auf TikTok junge Menschen für die Sprachforschung. Warum der „Jänner“ dem „Januar“ standhalten wird, die Wendung „es macht Sinn“ durchaus Sinn macht und man in sozialen Medien so schreiben darf, wie es einem passt.

Die Presse: Sie sind ein TikTok-Star. Warum treibt sich ein Linguistik-Professor auf einer solchen Plattform herum? Dort ist die gute, wahre und schöne Sprache nicht gerade zuhause …

Simon Meier-Vieracker: Auf TikTok findet man alles. Aber meine Aufgabe als Wissenschaftler ist es ja auch nicht, die „richtige“ Sprache zu bewahren, sondern Sprache in ihrer ganzen Vielfalt zu erforschen. Und aktiv bin ich dort, weil die Öffentlichkeit ein Anrecht hat, von aktueller Forschung zu erfahren. Sie bezahlt mich ja: Meine Professur in Dresden ist steuerfinanziert.

Schon zu Beginn Ihres Buchs bin ich zusammengezuckt. Da mokieren sich in einer fiktiven Szene Studenten über eine süddeutsche Professorin, weil sie „China“ mit „k“ am Anfang ausspricht. Das sei „provinziell“ – in Österreich sagt es kein Mensch anders. Wir reagieren umgekehrt gereizt auf Deutsche, die das „ch“ in „China“ so wie in „ach“ aussprechen oder sogar „Schina“ sagen. Warum regen uns sprachliche Varietäten so auf?

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