Gedenken

Ukraine erinnert an Deportation der Krimtataren vor 80 Jahren

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SymbolbildReuters / Baz Ratner
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Zum Ende des Zweiten Weltkriegs ließ Josef Stalin etwa 200.000 Krimtataren verschleppe. Heute seien sie Opfer einer „hybriden Deportation“, sagt die ukrainische Krim-Beauftragte, Tamila Taschewa.

Die Ukraine gedenkt am Samstag der Deportation der Krimtataren aus ihrer Heimat vor 80 Jahren. Dabei verbindet sich die historische Erinnerung mit der Sorge um die aktuelle Lage der Tataren auf der seit zehn Jahren von Russland annektierten Halbinsel, wie die Krim-Beauftragte des ukrainischen Präsidenten, Tamila Taschewa, vor dem Gedenktag in Kiew sagte. Die Krimtataren seien nun Opfer einer „hybriden Deportation“, sagte Taschewa. Sie würden nicht wie 1944 in Güterwaggons nach Zentralasien geschickt. Doch Russland tue alles, um den Krimtataren die Möglichkeit zu nehmen, in ihrer Heimat zu leben. „Die Leute sind gezwungen, die Krim um jeden Preis zu verlassen“, sagte auch Refat Tschubarow, der Vorsitzende der krimtatarischen Selbstverwaltung Medschlis.

Bevor die Schwarzmeerhalbinsel Krim 1783 an das Russische Reich fiel, gab es dort das muslimische Khanat der Krimtataren, die eng mit den Türken verwandt sind. Zum Ende des Zweiten Weltkriegs ließ Sowjetdiktator Josef Stalin von der Halbinsel am 18. Mai 1944 alle Krimtataren verschleppen - etwa 200.000 Menschen. Stalin warf der Volksgruppe Verrat und Kollaboration mit der deutschen Besatzung vor. Erst in der Auflösung der Sowjetunion Anfang der 1990er-Jahre kehrten die Krimtataren auf die mittlerweile ukrainische Halbinsel zurück; ihre Zahl wuchs auf gut eine Viertelmillion Menschen an.

132 von 218 Gefangenen sind Krimtataren

Seit der Annexion der Krim durch Russland 2014 würden die Krimtataren wieder besonders verfolgt, sagte Taschewa. Von 218 bekannten politischen Gefangenen von der Halbinsel seien 132 Krimtataren. Es gebe Hausdurchsuchungen und willkürliche Verhaftungen. Seit 2014 habe es mehrere Fluchtwellen der Krimtataren aus ihrer Heimat gegeben, zuletzt angesichts der russischen Mobilisierung zum Krieg gegen die Ukraine 2022. Eine Befreiung der Krim sei die einzige Möglichkeit, auch die Rechte der Krimtataren wiederherzustellen, sagte Taschewa.

Die russische Regierung bestreitet eine Verfolgung der Krimtataren. Moskau verweist auf einen großen Moscheebau in der Krim-Hauptstadt Simferopol für die muslimische Bevölkerung. Allerdings sind die schlechte Menschenrechtslage auf der Krim und der Druck auf die Krimtataren durch Berichte der Vereinten Nationen und des Europarates gut belegt. Bekannte Vertreter der Krimtataren sind die Sängerin Jamala, Siegerin beim Eurovision Song Contest 2016, und der ukrainische Verteidigungsminister Rustem Umjerow. (APA/dpa)

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