E-Autos

Gibt es nun doch kein Einstiegselektroauto von VW?

Noch im März stellte Volkswagen ein Einstiegs-Elektroauto bis 2027 in Aussicht.
Noch im März stellte Volkswagen ein Einstiegs-Elektroauto bis 2027 in Aussicht.Reuters / Annegret Hilse
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Laut Insidern sollen Gespräche zwischen VW und Renault gescheitert sein. Volkswagen baut den Konzern um, um Kosten zu sparen. Vorstand Imelda Labbé wird den Konzern wohl verlassen.

Die Gespräche zwischen Renault und Volkswagen über ein gemeinsames Einstiegselektroauto sind wohl gescheitert. Das zumindest erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters von Insidern am Freitag. Am Ende sei es nicht gelungen, eine gemeinsame Lösung zu finden, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person. Die Verhandlungen seien weit fortgeschritten gewesen, sagte ein anderer Insider.

VW habe sich letztlich aber zurückgezogen und wolle das Fahrzeug allein entwickeln. Allerdings wird damit gerechnet, dass sich Volkswagen in den kommenden Wochen festlegt: Denn noch im März stellte Volkswagen ein Einstiegselektroauto bis 2027 in Aussicht. Bei einer Präsentation des deutschen Konzerns war ein entsprechendes Fahrzeug zu sehen, allerdings, ohne dass Details sichtbar waren. Der Arbeitstitel des Fahrzeugs lautete ID.1, ob es unter diesem Namen komme, werde man sehen, sagte damals VW-Markenchef Thomas Schäfer.

Insgesamt wollen die Wolfsburger elf elektrische Autos der Marke Volkswagen in den kommenden drei Jahren neu auf den Markt bringen, darunter auch den für 2026 angekündigten ID.2, und zwar zum Preis von ungefähr 25.000 Euro, sowie die gemeinsam mit dem chinesischen Hersteller Xpeng entwickelten Modelle für den chinesischen Markt. Laut VW-Konzernchef Oliver Blume soll noch 2024 in Bezug auf ein Einstiegsmodell für rund 20.000 Euro eine Entscheidung fallen.

Sparprogramm bei VW

Renault hat seinen elektrischen Kleinwagen Twingo für 2026 angekündigt. Das Unternehmen betonte immer wieder, dass es den Twingo auch allein bauen kann und nicht zwingend einen Partner benötigt. Ein Insider sagte, Renault bleibe auch nach dem Aus der Gespräche mit VW für andere Partner offen, etwa aus der Allianz mit Nissan und Mitsubishi.

Nicht weniger als der größte Umbau seit Jahrzehnten ist bei Volkswagen geplant. Ziel des Umbaus ist, dass die Umsatzrendite erhöht wird. Dafür sollen im gesamten Konzern zehn Milliarden Euro bis 2026 eingespart werden.

Ganz neu ist die Erkenntnis nicht, dass bei VW abgespeckt werden muss: Jeder Vorstandsvorsitzende hat bisher Effizienzprogramme gewälzt. Herbert Diess ließ in seiner Zeit mehrere Szenarien durchrechnen, inklusive Abbau von 30.000 Mitarbeitern in Deutschland – was seine Ablöse angeblich wesentlich beschleunigt hat.

Umstellung ist vom Tisch

Das größte Sparpotenzial sieht die Führungsriege rund um Markenchef Thomas Schäfer im Vertrieb – dem Ressort von Imelda Labbé. Und sie soll nun selbst den Rückzug antreten: Wie das „Handelsblatt“ berichtet hat, soll nach Informationen aus Konzernkreisen Vorständin Imelda Labbé den Rückzug von ihrem Amt als Vertriebschefin planen. Labbé kam von Opel zum Volkswagen-Konzern. Per 1.  Juli 2022 übernahm sie den Posten als Vertriebschefin der Marke in Wolfsburg.

Erst kürzlich wurde bekannt, dass der Plan von Volkswagen, alles auf Elektroautos zu setzen, vom Tisch ist. Die Kernmarke des gleichnamigen Wolfsburger Konzerns, die ihre Elektroautofamilie ID als Schlüssel für ihre Zukunft angepriesen hatte, räumte vergangene Woche ein, dass sie mehr Plug-in-Hybride brauchen würde, um den nachlassenden Verkauf von reinen Elektroautos auszugleichen.

Das war nur die jüngste Anpassung, die VW an seiner Elektrifizierungsstrategie vornimmt. Zuvor hat der Autobauer schon mehrere Modellneuheiten verpatzt und ist in China, wo mittlerweile heimische Marken dominieren, ins Hintertreffen geraten. VW hat auch die Suche nach externen Investoren für seine Batteriesparte eingestellt und Pläne für eine zwei Mrd. Euro teure Elektroautofabrik in Deutschland aufgegeben. Tatsächlich verkauft der Autohersteller noch so viele Verbrenner, dass er auf dem besten Weg ist, seine Emissionsgrenzwerte im nächsten Jahr zu überschreiten. Das hat den Vorstandsvorsitzenden Blume dazu veranlasst, die europäischen Regulierungsbehörden um Nachsicht zu bitten. Sein Vorgehen ist eine drastische Kehrtwende im Vergleich zu vor nur drei Jahren, als VWs aggressives Lobbying für Elektroautos in der EU eine Kluft zwischen dem Unternehmen und einigen seiner Konkurrenten aufgerissen hat. (ag./red.)

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