Einflussnahme

Die mächtigen Brüsseler Lobbyisten

Der Pharmakonzern Bayer entsendet besonders viele Lobbyisten nach Brüssel.
Der Pharmakonzern Bayer entsendet besonders viele Lobbyisten nach Brüssel. Reuters / Wolfgang Rattay
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Zu den größten Lobbyakteuren in der EU zählen US-Unternehmen wie Meta, Microsoft und Apple, aber auch der deutsche Agrarchemie- und Pharmakonzern Bayer.

Der Schutz vor Einflussnahme durch Konzerne und Drittstaaten ist in der EU unzureichend: Das zeigt ein Bericht der Organisation Lobbycontrol. „Konzerne und ihre Verbände betreiben mit viel Geld, Personal und privilegierten Zugängen Lobbyarbeit in Brüssel und finden dafür vorteilhafte Bedingungen vor“, teilte die politische Geschäftsführerin von Lobbycontrol, Imke Dierßen, zum EU-Lobbyreport 2024.

Mitautorin Nina Katzemich betonte, dass die 50 Konzerne mit den größten Lobbyausgaben in Brüssel diese Ausgaben in den vergangenen zehn Jahren um zwei Drittel erhöht hätten. Zu den größten Lobbyakteuren in Brüssel – gemessen an ihren jährlichen Lobbyausgaben laut EU-Lobbyregister – zählen dem Bericht zufolge etwa US-Unternehmen wie Meta, Microsoft und Apple, aber auch der deutsche Agrarchemie- und Pharmakonzern Bayer.

Keine Sanktionen

Die EU-Lobbyregeln seien eigentlich sehr gut, erklärte Mitautor Aurel Eschmann, der in diesem Bereich Fortschritte festmacht. Das Problem in Brüssel sei aber die Durchsetzung, ohne die auch die besten Regeln nichts bewirkten. Bisher sei kein einziger Abgeordneter im EU-Parlament für einen Verstoß gegen Lobbyregeln sanktioniert worden, kritisierte Eschmann in einer Mitteilung. „So gehen weiterhin Akteure im Parlament ein und aus, die den Eintrag ins EU-Lobbyregister verweigern, obwohl dies bereits bei der Aufarbeitung des ,Katargate-Skandals‘ als ein wichtiges Schlupfloch erkannt worden war.“

Bei dem unter diesem Namen bekannt gewordenen Skandal geht es um mutmaßliche Einflussnahme auf politische Entscheidungen durch die Regierungen von Katar und Marokko. Ende 2022 wurden Ermittlungen gegen die inzwischen abgesetzte Vizepräsidentin des EU-Parlaments Eva Kaili und weitere Verdächtige wegen Beteiligung an einer kriminellen Vereinigung, Geldwäsche und Korruption eingeleitet.

Ethikgremium für Kontrolle

Ende vergangenen Monats stimmte das Europaparlament für die Einrichtung eines Ethikgremiums, dass die Einhaltung von Lobby- und Antikorruptionsregeln kontrollieren soll. An der Vereinbarung beteiligen sich laut der damaligen Mitteilung acht EU-Institutionen, darunter das Parlament und die Kommission.

Dierßen hält die derzeitigen Mechanismen in der EU für nicht ausreichend, „um illegitime Einflussnahme frühzeitig zu erkennen oder zu verhindern“. Als Beleg dafür verweist sie neben dem Katar-Korruptionsskandal auch auf „mögliche russische Geldzahlungen an Maximilian Krah“. Der Europa-Spitzenkandidat der AfD steht wegen möglicher Russland- und China-Verbindungen sowie der Festnahme eines Mitarbeiters unter Spionageverdacht in der Kritik.

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