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Die Seifen­operetten­republik

Seifenoper oder haarige Angelegenheit? Man weiß es nicht so recht.
Seifenoper oder haarige Angelegenheit? Man weiß es nicht so recht.Clemens Fabry
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Wie die Soap Opera zu ihrem Namen kam und was das mit Österreichs Innenpolitik zu tun hat.

Operettenrepublik wurde Österreich oft genannt. Weil Dorfkaiser, Landesfürsten und Wünsche an das Christkind den politischen Diskurs mitunter beherrschten. Und ja, ein bisschen davon ist schon noch übrig, nicht nur auf dem alljährlichen Opernball. Doch mittlerweile scheint die Republik das Genre gewechselt zu haben – es wirkt wie eine einzige Seifenoper. Haben Sie sich eigentlich jemals gefragt, wie diese in die Länge gezogenen Abfolgen von Intrigen, Beziehungsstress und immer wiederkehrenden Cliffhangern zu ihrem Namen gekommen sind? Nun, weil diese Daytime Serials erst im Radio, später im TV, von Werbeblöcken unterbrochen wurden. Und dort warben eben vor allem Waschmittel- und Seifenhersteller.

Rund um diese Werbeblocks wurden unterhaltsame, wenn auch nicht allzu gehaltvolle, Geschichten erzählt. Liebe, Hass, Intrigen, Gefühls- und Beziehungsverwicklungen et cetera pp. Also im Grunde genau das, worum sich die innenpolitische Debatte gerade zu drehen scheint. Wer war mit wem im Bett? „Oh, Mortimer!“ Wer hat wem darüber etwas erzählt? „Ich bin nicht böse auf dich, nur enttäuscht!“ Wie wird die Situation aufgelöst? „Es geht mir nicht um das Geld, es geht ums Prinzip!“ Heillose Enttäuschung. „Oh, Jack, ich dachte immer, du wärst anders …“ Ein bisschen Comedy. „Hat hier jemand gefurzt?“ Und viel Herz. „Ich habe dich trotz allem ins Herz geschlossen!“ Wie es weitergeht, erfahren Sie in der nächsten Folge. So, und jetzt wieder ein bisschen Werbung …

E-Mails an: erich.kocina@diepresse.com

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