Wien

Geschäft terrorisiert und Schutzgeld erpresst: Jugendbande vor Gericht

Die Jugendlichen müssen sich am Wiener Landesgericht verantworten. Acht Verhandlungstage sind geplant.
Die Jugendlichen müssen sich am Wiener Landesgericht verantworten. Acht Verhandlungstage sind geplant.(c) Leopold Nekula/VIENNAERPORT via www.imago-images.de
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Die Haupttäter sind laut Staatsanwaltschaft „fortgeschritten religiös radikalisiert“. Ihnen wird unter anderem Brandstiftung, schwere Erpressung und schwerer Raub vorgeworfen.

Am Freitag hat am Wiener Landesgericht der Prozess gegen eine jugendliche Schutzgeld-Erpresser-Bande begonnen. Sie soll im September 2023 drei Brandanschläge auf ein Handy-Geschäft in Meidling und zahlreiche weitere Straftaten verübt haben. Die Hauptangeklagten - 17 und 19 Jahre alt - sind einem Bericht der Jugendgerichtshilfe zufolge „fortgeschritten religiös radikalisiert“, wie Staatsanwalt Wolfram Bauer zu Beginn der Verhandlung sagte.

Der Staatsanwalt präsentierte dem Schöffensenat Bilder, auf denen die beiden Hauptangeklagten maskiert und mit einer schusssicheren Weste vor einer Flagge der radikal-islamistischen Terror-Miliz „Islamischer Staat“ (IS) posieren. Der 17-Jährige soll außerdem im August des Vorjahrs in einem Park in Meidling mit anderen zwei Afghanen als „Ungläubige“ bezeichnet, „Allahu Akbar“ (“Gott ist groß“) gerufen und mit dem Tod bedroht haben, weil sie Alkohol konsumierten.

Urteile im Juni

Am darauf folgenden Tag wurden dieselben Männer im selben Park von der mit Messern bewaffneten jugendlichen Gruppierung attackiert: während der eine flüchten konnte, wurde der zweite verprügelt. Er erlitt eine Schädelprellung und eine Kopfverletzung. Unweit des Parks befindet sich jene Moschee, die seinerzeit der Wien-Attentäter vom 2. November 2020 frequentiert hatte. Auch ein 17-Jähriger, der im September 2023 einen Terror-Anschlag auf den Wiener Hauptbahnhof geplant hatte, suchte sie auf

Es sind vorerst acht Verhandlungstage anberaumt, die Urteile wird es im Juni geben. Angeklagt sind zehn Burschen im Alter zwischen 14 und 21 Jahren. Sechs von ihnen befinden sich in U-Haft. Einer der Angeklagten - 14 Jahre alt - blieb der Verhandlung unentschuldigt fern. Zur Vermeidung von Verfahrensverzögerungen wurde sein Verfahren ausgeschieden.

Macheten und Messer

Vorgeworfen wird der Bande versuchte Brandstiftung, schwere Erpressung, versuchte absichtlich schwere Körperverletzung, kriminelle Vereinigung und verbrecherisches Komplott. Auch schwerer Raub ist inkriminiert, wobei Macheten und Messer als Tatwaffen verwendet wurden. Der 17-Jährige hatte in Tschechien verbotene Kugelbomben gekauft und mit diesen zusammen mit einem Komplizen im Kinderzimmer und später in den Räumlichkeiten der Moschee, in der sein Vater tätig ist, hantiert haben. In der Moschee wurde auch ein Drohbrief gegen den Handy Shop-Betreiber verfasst, wobei dem Schreiben eine Patrone beigelegt wurde, die zu einem AK-47-Sturmgewehr passte.

Seit 8. September 2023 hatten die Angeklagten den Handyshop-Besitzer in der Steinbauergasse terrorisiert, indem sie zunächst die Fassade des Geschäfts mit drei Böllern sprengten. „Das hatte eine verheerende Wirkung“, sagte der Staatsanwalt. Ein Schaden von weit mehr als 5000 Euro sei die Folge gewesen, die Fenster in angrenzenden Gebäuden gingen kaputt. Weil der Geschäftsinhaber, der der Bande 25.000 Euro bezahlen sollte, auf die Forderung nicht einging, wurde am 19. September 2023 ein Molotow-Cocktail in das Geschäft geschmissen. Den von der Überwachungskamera im Laden gefilmten Angriff spielte der Staatsanwalt bei seinem Eröffnungsplädoyer ab.

Von krimineller Karriere geträumt

Die Bande war laut Anklage eine in sich inhomogene Gruppe. Die beiden Anführer hätten schon mit 13 und 14 von einer kriminellen Karriere geträumt und schon als Kinder „eine gewisse Affinität zu Waffen und Gewalt“ an den Tag gelegt. Einige andere Mitglieder hätten von den 17 und 19 Jahre alten Hauptangeklagten „panische Angst“ gehabt. (APA)

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