Analyse

Kickl, Schilling & Co.: Warum miese Vertrauenswerte noch kein schlechtes Wahlergebnis bedeuten

Stürzte im OGM-Vertrauensindex ab: Grünen-Spitzenkandidatin Lena Schilling
Stürzte im OGM-Vertrauensindex ab: Grünen-Spitzenkandidatin Lena Schilling APA / APA / Tobias Steinmaurer
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Lena Schilling rasselte am Freitag im OGM-Vertrauensindex aufgrund der Gerüchte-Affäre beispiellos in den Keller. Aussagen über die Beliebtheit im eigenen Lager lassen sich aber erst auf den zweiten Blick treffen.

Was für ein Absturz: Die Vorwürfe gegen Lena Schilling ließen die Werte der Grünen-Spitzenkandidatin der EU-Wahl im APA-OGM-Vertrauensindex in den Keller rasseln. Die Befragung des OGM-Instituts ergab ein Vertrauens-Minus von 50 Punkten, schlechter schneidet im Ranking nur noch Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka (ÖVP) ab. Die innenpolitische Meldungslage am Freitag wurde von Schilling Absturz dominiert. Ist die Europawahl für die Grünen mit einem solchen Wert also bereits gelaufen, der Totalabsturz besiegelt?

Kickl bei Vertrauen im Keller, sonst vorne

Nicht zwingend, und das liegt an der Methodik des renommierten Vertrauensindex. Der Vertrauenswert eines Politikers ist nämlich die Differenz jener Personenzahl, die Vertrauen in einen Spitzenpolitiker hat und jener, die eben keines hat. Jene Befragten, die den Politiker noch nicht (gut genug) kennen und sich daher kein Urteil bilden können, werden im Saldo herausgerechnet. Herbert Kickl beispielsweise rangiert im Vertrauensranking traditionell im Keller – während er in der Kanzlerfrage vorne liegt und seine FPÖ in der Sonntagfrage unangefochten führt. Der Grund dafür: Der negative Vertrauenssaldo hat vor allem damit zu tun, dass Wähler anderer Parteien ihm offenbar massiv misstrauen.

Bei Schilling dürfte es nun ähnlich sein. Das bedeutet in den aktuellen Rohdaten der Umfrage, dass 14 Prozent der Befragten angaben, dass sie der 23-Jährigen vertrauen – dieser Wert liegt übrigens über jenem der Grünen in der klassischen Sonntagsfrage. 64 Prozent hingegen haben laut OGM kein Vertrauen in sie. Weil ihre Bekanntheit durch die Affäre in die Höhe schoss, gaben nur 22 Prozent der Befragten kein Urteil ab. In puncto Vertrauen ist das, wie die von OGM auf Nachfrage vorgelegten Zahlen zeigen, noch kein Totalabsturz: Bei der letzten Befragung gaben 17 Prozent an, Vertrauen in Schilling zu haben, ein Rückgang von drei Prozentpunkten. Dafür war die Zahl derer, die Schilling nicht kennen, größer – aus diesem Lager wechselten nun offenbar viele in das Lager derer, die der Grünen-Frontfrau misstrauen. (kk)

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