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Klopps Abschied: Können Politiker nicht mehr wie Jürgen sein?

Ikone in Liverpool: Jürgen Klopp.
Ikone in Liverpool: Jürgen Klopp. Reuters
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Wie der Liverpool-Coach den Trainerjob auf eine neue Stufe stellte.

Der Gegner, Wolverhampton Wanderers, ist dieses Anlasses eigentlich nicht würdig, doch das Spiel selbst interessiert ohnehin kaum: Am Sonntag verabschiedet sich Jürgen Klopp von Liverpool in eine Auszeit, ein letztes „You‘ll never walk alone“ in Anfield, allein darum geht es.

Als „normal one“ hatte er sich in Abgrenzung zum anmaßenden José Mourinho („special one“) vorgestellt, und diese einzigartige Normalität war sein Erfolgsrezept. Die Huldigungen dieser Tage staunen darüber, wie ein Deutscher (!) den englischen Traditionsklub aus der Vergangenheit an die Spitze führte und eine ganze Stadt mit einem positiven Gefühl überzog. „Warum kann Politik nicht mehr wie Jürgen sein?“, fragte Labour-Vordenker Alastair Campbell.

Den Trainerjob stellte Klopp damit auf eine neue Stufe, und eben nicht nur, weil Liverpool unter ihm ein Fußball-Spektakel bot. Wegen Klopp ist ein Fußballtrainer nun mehr denn je das Gesicht seines Klubs – er versinnbildlichte Anfield, verteidigte Liverpool so vehement wie er Schiedsrichter, Ligafunktionäre und Brexit kritisierte und wurde bei den Eigentümern in den USA und bei den Fans in den Pubs gleichermaßen verehrt.

All das, obwohl in neun Jahren nur eine Meisterschaft gelang, just inmitten der Pandemie. Bei Klopp zählten weniger die Titel, sein Charisma wirkte über den Sport hinaus. Bitter für die Trainer, dass sie inzwischen an diesen Ansprüchen gemessen werden – und reihenweise daran scheitern.

E-Mails: josef.ebner@diepresse.com

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