Wasserkreislauf

In Asien wachsen Gletscher, in Chile herrscht Dürre

Der Kyzylsu-Gletscher in Tadschikistan wächst über seine Moräne, das heißt über den Schuttwall, hinaus.
Der Kyzylsu-Gletscher in Tadschikistan wächst über seine Moräne, das heißt über den Schuttwall, hinaus.Jason Klimatsas
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Francesca Pellicciotti erforscht mit Partnern aus aller Welt das Auf und Ab des Wassers auf unserem Planeten. Sie untersucht Gletscher, die trotz Klimaerwärmung an Masse zulegen, und berechnet, ob Europa auf Megadürren zusteuert.

Berge sind wie Wassertürme, beschreibt Francesca Pellicciotti ihre Forschungsleidenschaft. Sie ist Italienerin und Schweizerin und hat seit ihrer Dissertation an der ETH Zürich die Gebirge unserer Welt bereist und beforscht. Nach Stationen in Newcastle, UK, und in der Schweiz kam sie voriges Jahr ans Institute of Science and Technology Austria (Ista) in Klosterneuburg.

Im Gespräch packt sie gleich Präsentationen aus, um anschaulich zu erklären, was an Bergen und ihren Wasserreservoirs so spannend ist. „Wir schauen uns den Kreislauf des Wassers an. Gletscher, Schnee, Permafrost und Berge insgesamt sind Schlüsselelemente. Berge sind Wassergeneratoren. Denn von dort kommt das Wasser hinunter zu den Menschen“, sprudelt es aus Pellicciotti heraus.

Höchste Eismassen der Erde

Seit sie einen kleinen Sohn hat, fährt sie nicht mehr so regelmäßig in die höchsten Gegenden der Erde wie früher. Doch sie lebt mit, wenn ihre Postdocs und Doktoranden Feldforschung an den Gletschern in Asien, Südamerika oder Europa machen und mit großen Datenmengen zurückkehren. Ein besonderer Fokus liegt auf Hochgebirgsasien (High Mountain Asia), der größten und höchsten Eismasse der Erde außerhalb der Pole. Die Gebirgsketten in Ländern wie China, Nepal, Pakistan, Afghanistan, Bangladesch und Indien umfassen den Pamir, Karakorum, Hindukusch, das tibetische Plateau und die Himalaya-Kette. „Für viele Jahre haben wir dort die Ansammlung von Wasser und das Abschmelzen der Wasserreservoirs untersucht. Es ist so anders als die restlichen Gebiete der Welt“, erklärt Pellicciotti.

Wo die großen Flüsse und die großen Gebirge sind, dort haben sich die weltgrößten Populationen angesiedelt. Auf der Landkarte zeigt sie, wie dicht besiedelt China, Indien, Pakistan und Umgebung sind und wie diese Flecken mit dem Verlauf der großen Gletschergebiete zusammenpassen. Wachsende Wirtschaftszentren stoßen auf politische Instabilität, es kommt zu Konflikten über die Wasserverteilung und zu Massenmigration.

Die Forschungsstellen der Ista-Gruppe liegen in Amerika, Europa und Asien. Genau dort, wo die großen Eismassen wie Wassertürme für die Bevölkerung wirken.
Die Forschungsstellen der Ista-Gruppe liegen in Amerika, Europa und Asien. Genau dort, wo die großen Eismassen wie Wassertürme für die Bevölkerung wirken.

„Neben dem Nord- und Südpol ist Hochasien die dritte große Eismasse unseres Planeten. So wie in den Alpen geben die Gletscher im Pamir-Karakorum viel Wasser ab, nämlich dann, wenn es gebraucht wird: im Sommer, wenn kaum Regen da ist.“ Aber wie kommt das Wasser im Kreislauf wieder auf den Berg hinauf? „Durch Verdunstung und die Transpiration der Pflanzen“, so die Forscherin. Im englischen Gespräch ist der Unterschied leichter zu verstehen: Evaporation heißt die Verdunstung an unbewachsenen Oberflächen, Transpiration beschreibt die Verdunstung aus Blättern.

Bewässerung als Quelle für neues Eis?

„Dieses Schlüsselelement, wie Wasser in die Atmosphäre gelangt, wurde in Gletschermodellen früher vernachlässigt. Doch darin sehen wir jetzt eine Erklärung, warum in der Pamir-Region Gletscher wachsen statt schrumpfen.“ Ja, es klingt erstaunlich: Pellicciottis Team kann auf Satellitenbildern zeigen, dass es auf der Welt Gletscher gibt, die an Größe zulegen.

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