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Liebe Italiener, wir müssen reden!

Reuters / Carlo Allegri
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Kein Milchschaum nach 12 Uhr? Über die ungünstige Cappuccino-Politik in Italien.

Eine erfreuliche Laune des Schicksals hat mich neulich nach Italien geschickt, wo ich leider feststellen musste, dass man nach wie vor nach 12 Uhr keinen Cappuccino bestellen darf, will man sich nicht als peinlicher Tourist outen (als trüge man diesen Status nicht ohnehin in Großbuchstaben vor sich her).

Pizza, Pizza, Profiteroles

Cari Italiani, können wir kurz darüber reden? Ihr begründet das damit, dass Milch im Kaffee nicht gesund und nach dem Mittagessen ein simpler Espresso die bessere Wahl ist. Davvero? Da füllt ihr die Turisti mit Pasta, Pizza und Profiteroles ab, teilt also hochgebirgsartige Kalorienmengen aus, und findet dann, dass der Milchschaum auf dem Kaffee das gesundheitliche Problem ist?

Zu Beginn der Reise kam nach einem hervorragenden Mittagessen unter Zitronenbäumen, nach Zitronensorbet und Limoncello (ja genau, Neapelgegend) der Wunsch nach Kaffee auf. Mit so viel Charme wie man als Mitteleuropäer im Vergleich zu den Italienern überhaupt aufbringen kann, baten wir um Kaffee mit Milch und Schaum.

Nur noch Espresso

Der Kellner, bis dahin von ungemeiner Nettigkeit, reagierte auf drei Cappuccini (der Rest der Gruppe hat sich, Schlimmes ahnend, eh nicht getraut) derart zerknirscht, als hätten wir ihn im pittoresken Zitronengarten mit einer unerfüllbaren Aufgabe (Weltklima retten oder so) betraut. Entkräftet zog er ab, brachte (viel) später großartigen Cappuccino, aber klar war: Den Rest der Woche würden wir brav Espresso bestellen.

Ganz verstehen kann ich es nicht. Das wäre so, als würden wir in Österreich nach, sagen wir, 16 Uhr nur noch Naturschnitzel braten, weil die Panier abends schwer im Magen liegt. Oder im Kaffeehaus nach 14 Uhr die Sachertorte nur noch ohne Schlag servieren, weil sie eh so schon viele Kalorien hat (auch wenn uns das vormittags ganz egal ist). Nein, liebe Italiener, logisch ist eure strenge Cappuccino-Politik veramente nicht.

Aber va bene: Eure Landschaft, euer Essen (wenn auch eher nicht euer Fahrstil) versöhnen. In diesem Sinne: Bella ciao!

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