Ausstellung

Hermann Nitsch: Aktionen in Mistelbach und Prinzendorf

Rita Nitsch, die Witwe des Aktionisten, ist im Stress: Zum Pfingstfest lädt sie erstmals junge Künstler ein.

Typisch Künstler: Andere Künstler in das eigene Museum einladen? Gern! Aber nicht jetzt, bisschen später. Das war auch bei Hermann Nitsch nicht viel anders. Er hatte zwar viele Assistenten und Freunde aus der Kunstszene. Aber das eigene Werk war ihm doch heilig. Genau wie die Orte, die er sich dafür geschaffen hat, Schloss Prinzendorf, das Nitsch-Museum in Mistelbach, zuletzt die Nitsch Foundation in Wiens Innenstadt.

Doch seit der Aktionist im April 2022 gestorben ist, öffnet Witwe Rita sukzessive diese Orte auch für andere. Allerdings immer für solche Künstlerinnen und Künstler, die sich auf Nitschs Werk beziehen oder Weggefährten waren. Walter Pichler etwa. Oder jetzt Andrea Cusumano, 30 Jahre lang der musikalische Leiter des „Orgien Mysterien Theater“, also dessen Dirigent. Cusumano ist auch selbst künstlerisch tätig, schafft theatrale Rauminstallationen, in ständiger Auseinandersetzung, wie er sagt, mit Nitschs Werk und Denken. „Nitsch war mein Mentor und meine Inspiration.“

Bis Montag ist Cusamanos große Ausstellung im Nitsch-Museum Mistelbach jetzt noch zu sehen, heute, Samstag, wird ab 15.30 Uhr eine sechsstündige Dauerperformance die zwölf Räume aktivieren. Cusumano tritt dafür mit Pianist Marino Formenti in Dialog, beide haben Partituren geschrieben, eine performative, eine musikalische, die sich überlagern werden.

Fest auf Schloss Prinzendorf

Am Sonntag dann das traditionelle Pfingstfest, das Rita Nitsch beibehalten möchte. Diesmal wird nicht ein Teil des Sechs-Tage-Spiels aufgeführt, das behält sie sich für 2025 vor. Den Umzug durch die Felder mit Blasmusik wird es dennoch geben, er beschließt den Tag. Davor werden ab 13 Uhr (Eintritt 20 Euro inkl. Speisen und Getränke) zwei junge Künstler im Schloss Performances zeigen: Johannes Rass wird einen ganzen Stier präsentieren, eine Hälfte bleibt auf einem Gerüst ausgestellt, die andere Hälfte wird zerkleinert und verkocht, der Anonymisierung des Fleischs als Konsumgut soll so entgegengetreten werden. Die zweite Künstlerin ist Josef Kaa, die in Helsinki auch den Off-Space Sauna Gallery betreibt. Sie wird in „Himmelfahrt“ mit 50 Säcken voll Weizen hantieren, während ihre Gehirnströme in den Raum übertragen werden.

Wer körperlich in Wien bleiben muss, geistig aber dennoch mitschwingen möchte, dem sei Sonntag um 10 Uhr eine spezielle Nitsch-Führung im neuen Wiener Aktionismus Museum in der Weihburggasse 26 empfohlen. Es führt die Direktorin Julia Moebus-Puck. (alm)

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