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Salzburger Festspiele

Fliegendes Stroh und getanzte Freude

Die Natur feiern. In Ekmans Choreografie darf das Ballett Dortmund Übermut zeigen.
Die Natur feiern. In Ekmans Choreografie darf das Ballett Dortmund Übermut zeigen. Leszek Januszewski
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Das Ballett Dortmund gastiert mit „Ein Mittsommernachtstraum“ von Alexander Ekman, einem energiegeladenen Tanzabend über die nordische Sommersonnenwendfeier.

Ein „Mittsommernachtstraum“, kein „Sommernachtstraum“: Auch wenn so mancher bei dem Titel der Ballettpremiere der Salzburger Festspielen im ersten Moment an William Shakespeare gedacht haben mag, ist das Werk von Alexander Ekman keine vertanzte Version des Klassikers rund um Puck, Oberon und Titania. Vielmehr dreht sich der Tanzabend, der Ende August als Gastspiel des Ballett Dortmund gezeigt wird, um das traditionelle Fest zur Sommersonnenwende in Schweden.

Das Ballett, das von Bräuchen der nordischen Heimat Ekmans inspiriert ist, wurde 2015 am Royal Swedish Ballet in Stockholm uraufgeführt und wird seit 2019 am Ballett Dortmund gezeigt, wo Ekman es für die dortige Premiere mit den Tänzerinnen und Tänzern neu erarbeitet hat. Ekman gilt nicht nur als einer der interessantesten Choreografen unserer Zeit, der beispielsweise auch für das Boston Ballet, das Nederlands Dans Theatre, Les Ballets de Monte-Carlo und andere Kreationen schuf. Vielmehr ist er außerdem dafür bekannt, dass er mithilfe seiner besonderen Imaginationsgabe surreale Gesamtkunstwerke auf die Bühne bringt, wodurch sein „Mittsommernachtstraum“ auch eine fantastische Reise durch den Kosmos unserer Träume wird.

Nun wurde das Ballett Dortmund eingeladen, „Ein Mittsommernachtstraum“ auch bei den Salzburger Festspielen zu zeigen. Mit dabei sind auch das NRW Juniorballett, eine Gesangssolistin und die Dortmunder Philharmoniker, wobei auch auf der Bühne Klavier, ein Streichquartett und Schlagzeug zum Einsatz kommen.

Die Musik dazu hat Mikael Karlsson geschaffen, der darin rezitativische Mittel, viel Rhythmik und immer wieder auch Klänge, die an skandinavische Folklore angelehnt sind, verwendet hat. Mythische Energie und betörende Sinnlichkeit werden in seinem Auftragswerk hörbar. Und diese Rasanz wird naturgemäß von Alexander Ekman genutzt, der seinen eigenen Zugang zu dem mythenumwobenen Stoff gefunden hat: Er tut dies mal mit ekstatischen, überbordenden Choreografien, mal mit humoristischen Verarbeitungen von alltäglichen Gesten. Jedenfalls energiegeladen und zum Teil rauschhaft.
Wird am Anfang noch brav Weizen geerntet, gehen die Tänzerinnen und Tänzer bald in ein übermütiges Werfen der Halme und auch des eigenen Körpers über (wobei aus Allergiegründen Raffia-Bast, ein antiallergenes Gewebe, verwendet wird, damit niemand unter den Zuschauern und Tänzern Probleme bekommt). Die Pas de deux setzen sich auf Strohballen fort, und ein ausgelassenes Spiel entspinnt sich, das auch mal in Aggression umschlagen kann. Auf Stühlen sitzend wird ebenso getanzt wie in Zeitlupe oder auf Spitze.

Wenn die Nacht hereinbricht, bringt die tänzerische Auseinandersetzung mit nordischen Mythen die Konfrontation mit Fabelwesen und mit einer magischen Zwischenwelt. Da schweben Menschen förmlich durch die Luft, erheben sich Möbel, verschwimmen Fantasie und Wirklichkeit. Auch wird eine ganze Reihe von Tänzerinnen und Tänzern eng aneinander agierend zu einer Art Tausendfüßler.

Ekstatisches Fest

Schwedische Symbole wie ein Maibaum, der mit Zweigen und Blumen umwickelt ist, und ins Haar geflochtene Blumenkränze als Zeichen für Wiedergeburt und Fruchtbarkeit fehlen ebenso wenig wie Essen und Trinken an einer großen Tafel. Traum und Wirklichkeit verschwimmen, Natürliches und Übersinnliches, Menschen und Fabelwesen treffen aufeinander.
Ekman fasst das Brauchtum des Mittsommernachtsfestes, das in Schweden zwischen dem 19. und 25. Juni gefeiert wird und das zuletzt beispielsweise auch für den Film „Midsommar“ von Ari Aster Inspiration war, der zum Netflix-Hit wurde, in eine teils von Magie bestimmte, teils humorvolle Choreografie. „Ich liebe es, wenn man Dinge versteht, ohne, dass man sie erklären muss“, fasst der Choreograf seine Intention zusammen. Bildmächtig ist sein Tanzabend jedenfalls, dazu ausgelassen, energiegeladen und mystisch zugleich. Und es wird spürbar, dass Alexander Ekman nicht nur die Natur zelebriert, sondern auch Freiheit und Leichtsinn sowie Übermut und das Menschsein an sich in seiner Tanzsprache feiert.

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