Die Zeitung hatte Berichte über Massenvernichtungswaffen im Irak nicht genug hinterfragt.
Nicht nur George W. Bush hat Probleme, weil im Irak keine Massenvernichtungswaffen gefunden wurden. Auch die "New York Times"(NYT) kam deswegen in die Zwickmühle. Denn bei der Berichterstattung hat man sich zu sehr auf Informanten verlassen, die alles andere als verlässlich waren. Das Ergebnis waren Artikel über die Existenz irakischer Massenvernichtungswaffen, für die sich die Zeitung jetzt entschuldigen musste.
Es geht um fünf Berichte, erschienen zwischen 2001 und 2003, in denen auf biologische, chemische und nukleare Waffen des Irak hingewiesen wird. Zudem zog die NYT darin Verbindungen zwischen dem Irak und Terroristen. Die Reporter hätten diese Geschichten nie mit unabhängigen Stellen gegengecheckt, schrieb die Zeitung jetzt in einer Entschuldigung. Man habe sich bei den Artikeln auf Quellen verlassen, die Interesse an einem Regimewechsel im Irak gehabt hätten. Unter anderem habe Ahmad Chalabi - einst ein enger Vertrauter der USA, jetzt ermittelt man gegen ihn - Hinweise zum ABC-Waffenprogramm geliefert und Kontakte zu anderen Informanten für Reporter der "New York Times" hergestellt.
Die Angaben aus dem Irak seien dann bereitwillig von US-Behörden bestätigt worden, die davon überzeugt gewesen seien, dass man gegen das Land einschreiten müsse, heißt es in der fast halbseitigen Erklärung. Nun würden diese US-Stellen zugeben, dass man Falschinformationen aufgesessen ist.
"Rückblickend hätten wir die Behauptungen hartnäckiger hinterfragen müssen, als neue Beweise (über die angebliche Existenz von Massenvernichtungswaffen, Anm.) auftauchten - oder eben nicht auftauchten", schreibt die Zeitung weiter. Die Ressortleiter, die Chefredaktion hätten die Reporter dazu drängen müssen, die Berichte und Angaben kritisch zu hinterfragen. Der Wunsch nach Exklusiv-Geschichten habe aber überwogen. Zudem habe man Berichte, die die ursprüngliche Darstellung widerlegten, nicht in der Zeitung veröffentlicht.
Der Ombudsmann der "NYT" meinte in einem weiteren Artikel, dass die Zeitung in den Monaten vor der Invasion im Irak auf eine clevere Kampagne hereingefallen sei, mit der die Welt von der Existenz irakischer Massenvernichtungswaffen überzeugt werden sollte.