Rassismus

„Ausländer raus“: Bar auf Sylt leitet rechtliche Schritte ein

Ein Video mit rassistischem Gegröle wie „Deutschland den Deutschen“ oder „Ausländer raus“ auf der Insel Sylt ging auf Social Media viral und sorgte für Empörung.
Ein Video mit rassistischem Gegröle wie „Deutschland den Deutschen“ oder „Ausländer raus“ auf der Insel Sylt ging auf Social Media viral und sorgte für Empörung.Imago / Chris Emil Janssen
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Die Partygäste, die mit rassistischem Gegröle aufgefallen sind, wurden identifiziert und gemeldet: „Dieses zutiefst asoziale Verhalten dulden wir nicht.“

Nach dem rassistischen Gegröle mehrerer Partygäste haben die Betreiber der betroffenen Bar auf der deutschen Nordseeinsel Sylt rechtliche Schritte eingeleitet. Die besagten Personen seien identifiziert und gemeldet worden, schrieben die Betreiber des Lokals Pony im Nobelurlaubsort Kampen in der Nacht zu Samstag auf Instagram. „Dieses zutiefst asoziale Verhalten dulden wir nicht. Haben wir nie und werden wir nie. Deshalb gehen wir jetzt mit allen Mitteln dagegen vor.“

Man sei immer noch geschockt und zutiefst bestürzt. „Rassismus und Faschismus haben keinen Platz in unserer Gesellschaft.“ Das eigene Verhalten zum Zeitpunkt des Eklats beurteilten die Barbetreiber folgendermaßen: „Hätte unser Personal zu irgendeinem Zeitpunkt ein solches Verhalten mitbekommen, hätten wir sofort reagiert. Wir hätten umgehend die Polizei verständigt und Strafanzeige gestellt. Das haben wir mittlerweile tun können.“

Scholz nennt Parolen „ekelig“

Auf einem nur wenige Sekunden langen Video, das am Donnerstag viral gegangen war und zu Pfingsten entstanden sein soll, ist zu sehen und zu hören, wie junge Menschen zur Melodie des mehr als 20 Jahre alten Party-Hits „L“amour Toujours„ von Gigi D“Agostino rassistische Parolen grölen. Scheinbar völlig ungeniert und ausgelassen singen sie „Deutschland den Deutschen - Ausländer raus!“. Ein Mann macht eine Geste, die an den Hitlergruß denken lässt. Von den Umstehenden scheint sich niemand daran zu stören. Der Staatsschutz ermittelt wegen Volksverhetzung und des Verwendens verfassungswidriger Kennzeichen. Politikerinnen und Politiker äußerten sich schockiert.

Deutschlands Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hatte die Parolen am Freitag als „ekelig“ und „nicht akzeptabel“ bezeichnet. Innenministerin Nancy Faeser (SPD) sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe: „Wer Nazi-Parolen wie “Deutschland den Deutschen – Ausländer raus„ grölt, ist eine Schande für Deutschland“. Sylt ist kein Einzelfall. Am Freitag wurde bekannt, dass es ebenfalls an Pfingsten in Niedersachsen zu einem ähnlichen Fall kam. Auch auf dem Schützenfest in Löningen wurden rassistische Parolen gegrölt, auch zu „L“amour Toujours„, auch dort ermittelt der Staatsschutz.

Expertin ortet Normalisierung rechtsextremer Inhalte

Das Sylt-Video mit rassistischen Parolen zeigt aus Sicht der deutschen Expertin Pia Lamberty eine Normalisierung rechtsextremer Inhalte in der Gesellschaft. „Ohne dass es irgendeine Form von Widerspruch gibt, werden die sozialen Normen einfach gebrochen“, sagt die Co-Geschäftsführerin des Centers für Monitoring, Analyse und Strategie (Cemas), das Radikalisierungstendenzen und Verschwörungserzählungen im Netz untersucht.

„Menschen können ohne Scheu in der Öffentlichkeit extreme Parolen äußern.“ Der rassistische Vorfall an Pfingsten in einem Nobel-Lokal auf der Nordseeinsel Sylt hat in Deutschland bundesweit Empörung ausgelöst. In dem kurzen Video, das in sozialen Medien verbreitet wurde, grölen junge Menschen zum Party-Hit „L“amour toujours„ von Gigi D“Agostino „Ausländer raus“ und „Deutschland den Deutschen“. Der Staatsschutz ermittelt. Schon in den vergangenen Monaten gab es immer wieder Vorfälle, bei denen zu dem Lied Nazi-Parolen gerufen wurden - etwa in Bayern und Mecklenburg-Vorpommern.

Der Song „L“amour toujours„ sei mittlerweile immer mehr mit den rassistischen Parolen verknüpft, sagt Lamberty. „Das macht ja auch was im Gehirn.“ So schafften Rechtsextreme eine Akzeptanz solcher Parolen in der breiten Gesellschaft. Außerdem zeige das Video: „Rassismus geht auch von Menschen aus, die an Universitäten studiert haben oder in Managementpositionen stehen.“ Rechtsextremismus und rassistische Einstellungen seien etwas, was man in der gesamten Gesellschaft finde. (APA/dpa/Red.)

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