Letzte Meile

Satire aus dem Skigebiet

Ballone, die Gäste schweben lassen, sollen künftig über fehlende Schneemengen im Skigebiet hinweghelfen.
Ballone, die Gäste schweben lassen, sollen künftig über fehlende Schneemengen im Skigebiet hinweghelfen. beigestellt
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Gedanken übers nachhaltige Reisen. Diesmal: Wie sich der Wintersport für den Klimawandel rüstet.

Haben Sie sich schon einmal gefragt, was im Skigebiet eigentlich nach Saisonende passiert? Die Matratzen in den Unterkünften werden ausgelüftet, die Liftanlagen gewartet, die Angestellten in den wohlverdienten Urlaub geschickt, so etwa habe ich mir diese Situation, zugegeben etwas fantasielos, immer vorgestellt.

Bis mir kürzlich eine Presseaussendung vor Augen geführt hat, dass derartige Unkreativität wohl für eine Karriere im Journalismus reicht, keinesfalls für eine im Wintertourismus. In Ischgl, wo sonst, nutzt man die Pause zwischen Winter- und Sommerbetrieb auch dafür, das Hotelleriehirn auszulüften und visionäre Ideen für das Skigebiet der Zukunft zu wälzen – Sie wissen, der Klimawandel. Denn freilich soll auch dann, wenn Skifahren klimabedingt längst Schnee von gestern ist, noch alle Welt nach Tirol pilgern, um dort Bergluft zu schnuppern. Eine Art Tourismus-Thinktank, ins Leben gerufen vom Ischgler Hotelier Günther Aloys, ersinnt zu diesem ­Zwecke seit einigen Jahren alternative Konzepte für den Skitourismus, die bei näherer Begutachtung genauso gut ein Satireprojekt von Kunststudierenden sein könnten. Neben überdachten Skipisten gehört zu den Ideen auch ein 150 Meter hohes gläsernes Gipfelkreuz „mit Turbolift“ als Aussichtsplattform und „Wahrzeichen der Alpen“ oder eine in Ischgl spielende TV-Serie mit Arbeitstitel „Der Edelweiß Clan“.

Im Sommer wie im Winter.
Im Sommer wie im Winter.beigestellt

Die Synthese aus Luft- und Wintersport

Aus ähnlich enthobenen Sphären stammt wohl auch der neue Vorschlag des „Slope Gliding“, eine „Synthese aus Luft- und Wintersport“, bei der man anstelle von Skiern mit einem Ballon ­talwärts gleitet. Die Machbarkeitsstudie allerdings, wie sich solch ein Ballon bei starkem Wind verhalte, stehe noch aus, so die Pressemitteilung.

Wen die relevante Sorge vor den Folgen des Klimawandels für den Tourismus in weniger visionären, aber seriöseren Quellen nachlesen lässt, der weiß, dass der Klimawandel dem Tourismus viele Aufgaben, aber auch Chancen bringt. So wird etwa die kühle Alpenregion durch den europaweiten Temperatur­anstieg als sommerliche Reisedestination an Relevanz gewinnen. Das visionäre ­Slopegliding wurde trotzdem nicht umsonst ersonnen, es soll auch über ­grünen Wiesen möglich sein. 

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