Studie

Weniger Futter fürs Gehirn

Actionspiele regen besonders die limbischen Regionen im Gehirn an.
Actionspiele regen besonders die limbischen Regionen im Gehirn an. Imago/Josep Rovirosa, Via www.imago-images.de
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Videospiele sind gut für junge Menschen. Mit dem Effekt, dass sie besser lernen und in Tests besser abschneiden. Doch nun zeigt sich: Strategiespiele verlieren massiv an Beliebtheit.

Computerspiele sind heute ein wichtiger Wirtschaftszweig, ein großes Forschungsfeld und noch viel öfter ein Streitthema. Vielfach geht es um die Frage, ob ­Actionspiele, sogenannte Shooter, für Amokläufe in Schulen verantwortlich sind? Eine grundlegende Antwort ­darauf ist nicht möglich.

Fest steht: Computerspiele, bei denen besonders Strategie gefragt ist, haben positive Auswirkungen. Das belegen zahlreiche Studien. Doch nun zeigt eine Umfrage mit mehr als einer Million Teilnehmern, dass eben diese Art weniger gefragt ist.

Strategie und Action. „Wir glauben, dass Videospiele bestimmte Gehirn­regionen wie den Hippocampus trainieren“, so Erstautorin Sabrina Schenk von der Ruhr-Universität in Bochum. Die Neuropsychologen untersuchten bereits 2019 dabei die Aktivität der Hirnregionen und kamen zu dem Ergebnis, dass Spiele mit einem strategischen Ansatz den Hippocampus trainieren, während Actionspiele vornehmlich auf limbische Bereiche stimulierend wirken.

Letztere haben also eine stärkere emotionale Reaktion hervorgerufen. Die Forscher kamen zu dem Schluss, dass besonders Strategiespiele auch zu Therapiezwecken bei Erwachsenen eingesetzt werden sollten, die durch einen Unfall an einem Schädel-Hirn-Trauma leiden. Der positive Einfluss von Computerspielen wurde 2022 im deutschen Ärzteblatt ausgiebig thematisiert.

Während in der Therapie der Einsatz von Computerspielen und dezidiert für die Therapie entwickelter Spiele zunimmt, gibt es einen Wandel bei den Spielern zu bemerken. Innerhalb der vergangenen Jahre hat sich das Spielverhalten massiv geändert. Wurden die Veröffentlichungen von Blockbustern wie Master of Orion oder Heroes of Might & Magic noch wochenlang herbeigesehnt, ist die Nachfrage deutlich gesunken. Das Marktforschungsinstitut Quantic Foundry war auf Spurensuche.

Quantic Foundry kartografiert seit Jahren die Spielerlandschaft und nimmt dabei auch regelmäßig eine Art Gamer-Typisierung vor. So gibt es demnach zwölf Motivationen für Spieler. Alle seien davon mehr oder weniger über die vergangenen neun Jahre stabil gewesen. Mit einer einzigen Ausnahme: Strategie. „Das Ausmaß dieser Veränderung war mehr als doppelt so groß wie die nächstgrößere Veränderung“, beschreiben die Forscher ihre Ergebnisse, bei der sie 1,7 Millionen Gamer aus der ganzen Welt befragten. Lediglich China wurde ausgelassen, da dies ein gänzlich anderer Markt sei, merken die Forscher an. Zudem betreffe dieser Trend Männer und Frauen gleichermaßen.

Nicht nur Social Media schuld. Wie drastisch die Veränderungen seien, machten sie anhand von bildhaften Beispielen klar. So sei der Wandel in etwa damit vergleichbar, wenn durchschnittliche männliche Amerikaner ab 20 Jahren innerhalb einer Dekade um acht Kilogramm weniger wiegen oder wenn sich der IQ weltweit um 6,75 Prozent verringert hätte.

Der Einfluss von Social Media sei zwar vorhanden, der Wandel aber nicht allein darauf zurückzuführen, sagen die Forscher. Generell sei festzuhalten, dass die Aufmerksamkeitsspanne generell nachlasse, das zeige sich auch durch immer mehr Schnitte in Filmen. Spieledesigner sollten beachten, dass Gamer heutzutage „kürzere Zeithorizonte, in denen sie planen müssen“, und „weniger komplexe Entscheidungen mit weniger Parametern“ bevorzugten.

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