Rettungsarbeiten

2000 Menschen bei Erdrutsch in Papua-Neuguinea verschüttet

Imago / Ninga Role
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Die Rettungsarbeiten in der schwer zugänglichen Gegend gestalten sich schwierig. Einheimische graben mit Schaufeln und bloßen Händen nach Verschütteten.

Sydney/Port Moresby. Die Folgen eines Erdrutsches in Papua-Neuguinea, einem Pazifikstaat nördlich von Australien, sind verheerend. Zunächst hatten lokale Medien noch von rund 100 Toten berichtet. Doch nun wurden die Zahlen drastisch nach oben korrigiert. Mehr als 2000 Menschen sind verschüttet worden, wie der nationale Katastrophenschutz in einem Brief an die UNO schreibt. Örtliche Medien meldeten, dass sich die Tragödie wohl gegen drei Uhr am Freitagmorgen ereignete. Die meisten Menschen waren zu Hause und schliefen.

Die Erdmassen sollen mindestens Dutzende Häuser in einem Dorf, rund 60 Kilometer von der Provinzhauptstadt Wabag entfernt, verschüttet haben. Manche Berichte sprechen sogar von 150 Gebäuden. Helfer gehen davon aus, dass in jedem der Häuser zehn bis 18 Menschen wohnten. Riesige Felsbrocken, Bäume und Erdmassen sollen sich bis zu acht Meter hoch auftürmen.

Die Situation war auch am Sonntag – zwei Tage nach dem Unglück – nach wie vor brandgefährlich. Serhan Aktoprak, IOM-Ansprechpartner in Papua-Neuguinea, berichtete dem australischen Sender ABC: Er habe mit Kollegen vor Ort gesprochen, als sich diese in genau dem Moment selber in Sicherheit bringen mussten, weil „ununterbrochen Steine ​​herabfallen und das Land weiter abrutscht“.

Sämtliche umliegenden Häuser mussten aufgrund der Gefahr evakuiert werden. Das heißt, mehr als tausend weitere Menschen haben ihr Zuhause verloren. Zudem wurden Gesundheitszentren, eine Tankstelle, eine Schule und ein Gästehaus unter den Erd- und Geröllmassen begraben.

Zone rivalisierender Clans

Die Bergungs- und Rettungsarbeiten gestalten sich zudem schwierig, da die Region schwer erreichbar ist. Es gibt nur eine größere Straße in die Provinz Enga, und anscheinend ist auch diese in Teilen verschüttet. Zudem ist Papua-Neuguineas Hochland eine gefährliche Region. Bei Stammeskämpfen kommt es regelmäßig zu Toten. Erst zuletzt kamen acht Einheimische bei Kämpfen zwischen zwei rivalisierenden Clans ums Leben, rund 30 Häuser und mehrere Geschäfte wurden niedergebrannt. Anfang des Jahres kam es in der Region zu einem regelrechten Massaker mit Dutzenden Toten. Die Helfer hoffen jedoch, dass die verfeindeten Stämme Hilfskonvois in die betroffene Region nicht angreifen werden.

Bei den Menschen im Unglücksgebiet ist die Verzweiflung groß: Sie sollen mit Schaufeln, Stöcken und bloßen Händen gegraben haben, um Überlebende zu finden. Bisher jedoch ohne viel Erfolg: Bis zum Sonntagabend wurden nur fünf Tote und das Bein eines sechsten Toten geborgen. Inzwischen ist jedoch auch Hilfe von außen angekommen. Neben der UN-Organisation IOM sind auch Polizei, Militär und Regierungsbehörden vor Ort.

Ob auch Hilfe aus dem Ausland angefragt wird, war zunächst noch unklar. Australiens Premierminister, Anthony Albanese, schrieb auf der Plattform X, dass alle Australier nach dem schrecklichen Erdrutsch um ihre „Brüder und Schwestern in Papua-Neuguinea trauern“ würden.

„Australien ist bereit zu helfen“

Er sprach den Betroffenen sein tiefstes Beileid aus und betonte: „Australien ist bereit zu helfen.“ Australien ist eng mit Papua-Neuguinea verbunden und unterstützt das Nachbarland mit großzügigen Hilfsgeldern.

Erst im Dezember festigte die australische Regierung in Canberra die Beziehungen zur Regierung Port Moresby mit einem neuen Sicherheitsabkommen. Auch die USA hatten zuvor ein ähnliches Abkommen mit dem Inselstaat Papua-Neuguinea geschlossen, der eine strategisch wichtige Lage im Indopazifik einnimmt.

Obwohl Papua-Neuguinea reich an Rohstoffen ist, ist der Großteil der zehn Millionen Einwohnerinnen und Einwohner nach wie vor bitterarm. Laut Statista hat das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf im vergangenen Jahr etwas über 2500 US-Dollar, rund 2300 Euro, betragen.

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