Quergeschrieben

Lena Schillings Widersacher sind moralisch auch keine Vorbilder

Fast alle Vorwürfe gegen die grüne EU-Kandidatin wurden anonym vorgebracht. Unter Klima-Aktivisten herrschen offenbar raue Sitten.

Wissen wir jetzt alles Wichtige über Lena Schilling? Oder kommt noch mehr? Wahrscheinlich werden in einschlägigen Kreisen dieser Tage emsig die Mobiltelefone gecheckt. Könnte ja sein, dass noch jemand originelle Chatnachrichten der grünen EU-Spitzenkandidatin findet – mit weiteren Gemeinheiten über ihre Partei oder sonstigen Pointen. Allerdings sind die Ansprüche des Publikums schon recht hoch; ein kindisches „Muhaha“ reicht nicht mehr. Man muss in jeder Runde ein Schäuferl drauflegen, das gilt in der Enthüllungsbranche als ehernes Gesetz.

Gastkommentare und Beiträge von externen Autoren müssen nicht der Meinung der Redaktion entsprechen.
>>> Mehr aus der Rubrik „Quergeschrieben“

Lena-Gate ist unterhaltsam, das lässt sich nicht leugnen. Es enthebt uns überdies der Frage, worüber wir inhaltlich in diesem langweiligen Wahlkampf reden sollten. Dass Österreichs insgesamt 19 EU-Parlamentarier den Lauf der Welt (oder auch nur des Kontinents) entscheidend beeinflussen können, wird ja nicht einmal mehr auf den Wahlplakaten behauptet. Die Aufregung um Lena Schillings angebliche Verfehlungen hat immerhin dafür gesorgt, dass nun auch politisch vollkommen desinteressierte Bürger wissen, wann dieser Urnengang stattfindet und dass sie sich dazu eine Meinung bilden sollten. Man kann der Demokratie mitunter auch auf verschlungenen Wegen dienen.

Allerdings frage ich mich schön langsam, warum fast keiner von Schillings zahlreichen Widersachern den Mumm aufbringt, mit dem eigenen Namen zu den erhobenen Vorwürfen zu stehen. Nur das Ehepaar Bohrn Mena und der ehemalige Grünen-Abgeordnete Clemens Stammler haben sozusagen offiziell ausgesagt. Alle anderen Kritiker blieben bisher anonym.

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.