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Der ORF erklärt fragend seinen Wert

Die Presse / Clemens Fabry
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Mit einem mehr als 100 Seiten starken Bericht, verpackt in 50 Fragen und Antworten, erklärt der ORF seinen Public Value. Manche Fragen wären mutig, die Antworten sind es nicht.

Seit 1. Jänner wird der ORF von allen Haushalten dieses Landes unabhängig von den Empfangsgeräten finanziert. Weshalb der Public-Value-Bericht, mit dem der ORF alljährlich die Werbetrommel für sich selbst rührt, heuer brisanter ist als sonst. Auf über 100 Seiten versucht man also zu erklären, warum man die rund 50 Cent, die das Medienhaus pro Tag und Haushalt bekommt, auch verdient. Der Bericht ist ab heute auf Zukunft.orf.at abrufbar. Zahlreiche Personen geben darin Auskunft über die Leistungen des ORF.

Mutige und weniger mutige Fragen

Und die Fragen? Die meisten sind erwartbar. „Wie fördert der ORF österreichische Talente?“ „Wie viele Sprachen spricht der ORF?“ „Wer prüft die Qualität im ORF?“ etwa. Manche sind aber auch mutig: „Was ist an Ö3 öffentlich-rechtlich?“ Eine Frage, die nicht nur von privaten Mitbewerbern gestellt wird. Die diskussionswürdige Antwort von Ö3-Chef Michael Pauser: „Alles“. „Ö3 steht mit seiner umfassenden Alltagsbegleitung und Grundversorgung mit Information, Service, Kultur, Emotion und Unterhaltung markant für den öffentlich-rechtlichen Auftrag“, so Pauser. Horoskopdame Gerda Rogers, die montags im „Ö3-Wecker“ Tipps zu Arbeit und Liebe gibt, bleibt unerwähnt.

Interessant ist die letzte Frage. Die da lautet: „Was fehlt?“. Klaus Unterberger, Leiter des Public-Value-Kompetenzzentrums des ORF (er moderiert fallweise auch den „Bürgeranwalt“), schreibt dort, was er vermisst: Sendungen wie „Teleobjektiv“, „Club 2“, die „Alpen- und die Arbeitersaga“, „Ohne Maulkorb“, „Prisma“, „Argumente“. Auch der erratische „Kottan“, der pöbelnde „Mundl“, das versenkte Auto bei „Wünsch Dir was“. Streitbare Menschen, Provokantes, Irritierendes, Kontroversielles.

Er dürfte nicht der Einzige sein. Doch warum gibt es das nicht mehr? Weil „cost cutting“ das Entwicklungstempo vorgibt, schreibt er. Geld würde fehlen. Ob das tatsächlich die einzige Antwort ist?

Auch die Fragen „Warum überlasst der ORF die Unterhaltung nicht dem kommerziellen TV?“ und „Laufen im ORF zu viele Krimis?“ werden erörtert. Hier werden die „sehr guten Quoten“ der diversen Krimi-Formate ins Treffen geführt. Auch lassen sich „bei kaum einem anderen Genre anspruchsvolle und gesellschaftsrelevante Themen so gut verpacken“. Insgesamt fließen jährlich 100 Millionen Euro des ORF-Budgets in die Filmwirtschaft. Ob es das wert ist? „Der ORF ist durch seine Investitionen ein sehr wesentlicher Wirtschaftsfaktor, jedenfalls aber der größte Identitätsstifter des Landes“, meint ORF-TV-Chefproducer Michael Krön.

„Auf Augenhöhe informieren“

Die Präsentation des Public-Value-Berichts erfolgte im Rahmen eines ORF-„DialogForums“. Dabei merkte ORF-Chefredakteurin Gabriele Waldner an, dass man das Publikum auf Augenhöhe informieren wolle. In der Vergangenheit sei man manchmal zu sehr von oben herab vorgegangen. „Wir sind mittlerweile auf einem guten Weg, können aber noch besser werden“, so Waldner. Auch in puncto Unterhaltung sei Augenhöhe essenziell, sagte „ZiB Zack Mini“- und „Die große Chance“-Moderatorin Fanny Stapf: „Unterhaltung funktioniert nur, ohne sich über jemanden lustig zu machen.“ (rovi)

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