Replik

Bei dem Alm, da gibt‘s koa Gott

Fronleichnamsprozessionen mag man für albern halten, aber sie mit der öffentlichen Unterstützung islamistischer Terrororganisationen gleichzusetzen, kann wohl nur Niko Alm einfallen. Eine Replik auf seinen jüngsten Text zur radikalen Trennung von Kirche und Staat.

Veganer und Atheisten haben gemein, dass ihre Ideologie ein reines Verlustgeschäft ist. Sie verzichten auf etwas, ohne dafür eine Gegenleistung zu erhalten. Das ist der Grund dafür, dass die jeweiligen Anhänger dazu neigen, ihre Ideologie anderen ungefragt unter die Nase zu reiben, nach dem Motto: Wenn schon nichts anderes dabei herauskommt, dann will ich wenigstens meine eigene Überlegenheit demonstrieren.

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Niko Alm ist vielen wohl vor allem noch dadurch bekannt, dass er als Ausdruck seiner religiösen Überzeugung auf seinem Führerscheinfoto unbedingt ein Nudelsieb auf dem Kopf tragen wollte. Freilich entsprang dieser Wunsch keiner echten religiösen Überzeugung, Alm wollte lediglich demonstrieren, dass auch er als Atheist das Recht habe, auf Fotos eine Kopfbedeckung zu tragen. Es war die Aktion eines trotzigen kleinen Jungen, der die Puppe seiner Schwester haben will, nicht etwa, weil er selbst damit spielen möchte, sondern einfach nur, weil er es nicht ertragen kann, dass sie eine hat, und er nicht.

Religionshasser haben weder Gespür noch Verständnis dafür, was Religion anderen Menschen bedeutet. Zugleich sind sie auch nicht in der Lage, Unterschiede zwischen Religionen wahrzunehmen. So, wie für Rassisten die Menschen einer bestimmten Gruppe alle gleich sind, so geht es Religionshassern mit den Religionen der Welt. Es ist eben nicht nur die Liebe, die blind macht, beim Hass ist es leider ebenso.

Natürlich hat Alm Recht, wenn er sagt, dass ein weltanschaulich neutraler Staat nicht über theologische Inhalte zu urteilen habe. Schon Kaiser Konstantin erachtete den christlichen Diskurs darüber, ob der Sohn mit dem Vater wesenseins sei, für eher irrelevant. Ebenso wenig entscheidet die Republik Österreich darüber, ob Mohammed der wahre Prophet Gottes war. Gerät die religiöse Überzeugung allerdings in Konflikt mit der staatlichen Ordnung, dann ist sehr wohl die Unterscheidung der Geister geboten. Ein Kreuz im Klassenzimmer mag man für überflüssig halten, aber es behindert den Unterricht nicht. Bleiben Schüler hingegen aus religiösen Gründen dem Unterricht fern, entsteht ein Konflikt mit der Schulpflicht. Fronleichnamsprozessionen mag man für albern halten, aber sie mit der öffentlichen Unterstützung islamistischer Terrororganisationen gleichzusetzen, kann wohl nur Herrn Alm einfallen. Die albernste Gleichsetzung findet sich allerdings in seinem Schlusssatz: „Wer kein Kalifat in Europa haben will, muss konsequenterweise auch das Konkordat lösen wollen.“

Niko Alm träumt von der Abschaffung jeglicher Religion

Das Konkordat zwischen der römisch-katholischen Kirche und der Republik Österreich zielt – wie die lateinische Wortwurzel erahnen lässt – auf Eintracht. Die Forderung nach einem Kalifat hingegen zielt auf den politischen Umsturz unserer Staatsform und deren Ersetzung durch einen islamischen Gottesstaat. Wer diesen Unterschied nicht begreifen will, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen. Es wäre schön, wenn sich mit „dem Islam“ eine dem Konkordat vergleichbare Vereinbarung treffen ließe. In Deutschland hat man dies – wenngleich wenig erfolgreich – mithilfe der Islamkonferenz versucht.

Wie alle Religionshasser träumt Alm von der Abschaffung jeglicher Form von Religion. Doch dazu wird es nicht kommen. Der Mensch ist, wie der russische Philosoph Nikolai Berdjajew erkannte, „unheilbar religiös“. Daher wird der Staat sich wohl oder übel mit den entsprechenden Religionsgemeinschaften arrangieren müssen. Wer meint, dass dies in laizistischen Staaten besser gelinge, der möge einen Blick nach Frankreich werfen.

Sebastian Moll (*1980) ist katholischer Theologe und Leiter des Kulturressorts der deutschen Wochenzeitung „Die Tagespost“. https://www.die-tagespost.de/autoren/sebastian-moll/

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