Porträt

Das kleine Comeback der Demi Moore

Demi Moore spielt in „The Substance“ mit, der Film wurde in Cannes mit dem Drehbuchpreis ausgezeichnet.
Demi Moore spielt in „The Substance“ mit, der Film wurde in Cannes mit dem Drehbuchpreis ausgezeichnet.Imago / Reynaud Julien/aps-medias/abaca
  • Drucken

Zum ersten Mal seit über 25 Jahren war Hollywoodstar Demi Moore in Cannes zu Gast: Sie spielt eine vom Schönheitswahn besessene Frau. Auch in einer Serie ist sie zu sehen. Für Moore das Ende einer längeren Durststrecke.

Radikale Diäten und brutale Workouts – dafür war Demi Moore früher bekannt. „Alles, woran ich denken konnte, war mein Körper, mein Körper, mein Körper“, schilderte sie vor gut zwei Jahren in ihrer Biografie. Ausgerechnet – oder eigentlich deshalb – feiert sie nun mit einem Körperhorror-Film ein Comeback: In „The Substance“ spielt Moore eine TV-Vorturnerin, die gekündigt wird, weil sie aus Sicht eines männlichen Produzenten das Verfallsdatum für Frauen im Fernsehen überschritten hat – und greift zu radikalen Mitteln, um ein jüngeres Ich auferstehen zu lassen.

Der Film wurde in Cannes, wo er Premiere hatte, bejubelt, Regisseurin Coralie Fargeat für das beste Drehbuch ausgezeichnet, die 61-jährige Moore viel gelobt. Die Unterhaltungswebsite „Variety“ nannte ihre Darstellung „geradezu furchtlos“ und der „Hollywood Reporter“ schrieb anerkennend, dass Moore „ihrer Figur eine instinktive Verzweiflung verleiht“.

Ungeschminkt: Demi Moore in „The Substance“.
Ungeschminkt: Demi Moore in „The Substance“.Filmfestival Cannes

Moore spielt auch in „Feud: Capote vs. The Swans“ mit

Heuer war das erste Mal seit mehr als einem Vierteljahrhundert, dass Moore an den Festspielen in Cannes teilnahm. Und auch auf dem kleinen Bildschirm ist sie präsent: in der zweiten Staffel der Anthologieserie „Feud“ mit dem Untertitel „Capote vs. The Swans“ (auf Disney+). Darin verkörpert sie die reiche Witwe Ann Woodward, über die Truman Capote das Gerücht verbreitete, sie habe ihren Ehemann absichtlich erschossen. Woodward, eine historische Figur, beging Suizid, was mitunter zum Bruch zwischen Capote und seinen reichen und mächtigen Freundinnen aus der New Yorker High Society beitrug.

Neben der 61-Jährigen ist eine ganz Riege an prominenten Hollywood-Schauspielerinnen in „Feud“ zu sehen, darunter Naomi Watts, Diane Lane, Chloé Sevigny und – die zuletzt ebenfalls wenig präsente – Calista Flockhart. (Es gibt sie inzwischen doch, die Rollen für Schauspielerinnen jenseits der 40.)

Einst war sie bestbezahlte Hollywood-Schauspielerin

Für Moore scheinen Film und Serie das Ende einer längeren Durststrecke zu sein. Einst war sie aus dem Kino kaum wegzudenken. Ihren Durchbruch hatte sie 1990 an der Seite von Patrick Swayze in „Ghost – Nachricht von Sam“ gefeiert. Die Geister-Romanze brachte ihr auch eine Golden-Globe-Nominierung ein. Als Marine-Anwältin stand sie zwei Jahre später an der Seite von Tom Cruise in dem Justizdrama „Eine Frage der Ehre“. Und Robert Redford machte ihr 1993 „Ein unmoralisches Angebot“.

Eine Szene für die Filmgeschichte: Patrick Swayze und Demi Moore in „Ghost“.
Eine Szene für die Filmgeschichte: Patrick Swayze und Demi Moore in „Ghost“.imago stock&people

Eine heftige Debatte über sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz löste der Thriller „Enthüllung“ von Barry Levinson aus. Darin beschuldigt sie in der Rolle einer skrupellosen Karrierefrau Michael Douglas fälschlicherweise, sie belästigt zu haben. Moore war nach diesen Hits so gefragt, dass sie für ihre nächste Rolle – als Stripperin in „Striptease“ – über zwölf Millionen Dollar kassierte, es war damals die höchste Gage für einen weiblichen Hollywood-Star. Der Film war ein legendärer Flop, und mit Moores Karriere ging es bergab. Auch „Die Akte Jane“ von 1997 war nicht gerade eine Sternstunde des Kinos.

„Toy-Boy“ dank ihr im Sprachgebrauch

Mehr Schlagzeilen machte sie bald mit ihrem Privatleben. Kurz nach dem Ehe-Aus mit dem Musiker Freddie Moore hatte sie 1987 dem Action-Star Bruce Willis das Ja-Wort gegeben. Sie bekamen drei Töchter, Rumer, Scout und Tallulah. Hochschwanger mit ihrem zweiten Kind posierte Moore nackt für das Cover der „Vanity Fair“ – ein Tabubruch.

Doch 1998 trennten sich Moore und Willis. Als sie den 15 Jahre jüngeren Schauspieler und „Two and a Half Men“-Star Ashton Kutcher kennenlernte, gab es viel Häme für das Paar – und das Wort „Toy-Boy“ zog in den Sprachgebrauch ein. Die beiden heirateten zwei Jahre später, doch 2011 zog Moore einen Schlussstrich unter ihre dritte Ehe.

Nach zwei Jahren ging die Ehe von Ashton Kutcher und Demi Moore in die Brüche.
Nach zwei Jahren ging die Ehe von Ashton Kutcher und Demi Moore in die Brüche. via www.imago-images.de

Nach der Trennung von Kutcher war Moore weiterhin Gast in den Klatschspalten, erst mit Fotos, auf denen sie erschreckend mager wirkte, dann mit einem Notruf und einem Klinikaufenthalt. Wieder stürzte sich die Boulevardpresse auf sie.

Moore selbst gab sich in ihren 2019 veröffentlichten Memoiren „Inside Out“ erstaunlich offen, schrieb sich über Alkohol- und Drogenmissbrauch, Essstörungen und ihre schwierige Jugend aus. Die Schauspielerin, geboren als Demetria Guynes in Roswell (New Mexico), wuchs in zerrütteten Verhältnissen auf, mit 16 verließ sie das Elternhaus. Als 15-Jährige sei sie vergewaltigt worden, schrieb sie. Nach Model-Jobs und kleinen TV-Rollen fasste sie 1985 mit dem Teenagerfilm „St. Elmo’s Fire – Die Leidenschaft brennt tief“ in Hollywood Fuß.

Ihr Gesicht machte Schlagzeilen

Für Fendi auf dem Laufsteg: Demi Moore im Jänner 2021.
Für Fendi auf dem Laufsteg: Demi Moore im Jänner 2021.IMAGO/x / Avalon

Präsenter als auf der Leinwand oder auf dem Bildschirm war sie in den vergangenen Jahren auf Social Media. Auf Instagram postet sie gerne Fotos und Videos von sich, über fünf Millionen User folgen ihr. Der Häme ist sie aber nicht entkommen. Vor drei Jahren eröffnete sie die Modeschau von Fendi bei der Pariser Fashion Week. Kommentiert wurde weniger die Mode als ihr Gesicht: Glatte Haut, hohe Wangenknochen, von (zu vielen) Schönheits-OPs war schnell die Rede. Moore selbst äußerte sich nicht dazu. Ihre Antwort auf dieses Skandälchen mag man in „The Substance“ finden (der im Herbst ins Kino kommen dürfte). Darin zeigt sie sich nicht nur „ungeschönt“, sondern bereit zur drastischen Selbstparodie; geht es im Film doch auch um die (blutigen) Folgen von pathologischem Jugendwahn – aber auch um die misogyne Medienkultur, die ihn bei Frauen befördert. Für die Rolle hat sie jedenfalls, wie sie selbst sagt, wirklich „die Komfortzone verlassen“.

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.