Urlaubsmeldung

Nur bloß nicht nach Tourist aussehen

Was soll man auf einem Europa-Trip anziehen? Und was geht gar nicht? Schau nach in Social Media.
Was soll man auf einem Europa-Trip anziehen? Und was geht gar nicht? Schau nach in Social Media.Clemens Fabry
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Destinationen im Check. Diesmal: Wie man sich auf Reisen als Local tarnt. Und enttarnt wird.

Das größte Kompliment für manche Reisende ist es, auf den ersten Blick für Locals gehalten zu werden. Das gilt naturgemäß für Erste-Welt-Länder mit entsprechendem BIP, für Orte mit hoher kultureller Strahlkraft und für Plätze mit besonderer ästhetischer Ausstattung. Schließlich dient dieses Aufgehen im ­Setting der Destination zweierlei: der Erhöhung der eigenen Person und zugleich der exklusiven Abgrenzung von den anderen, der touristischen Plebs. Wird man also in Milano für eine Italienerin gehalten, scheint man modetechnisch vieles richtig gemacht zu haben. Ergibt sich in London ein distinguiertes längeres Gespräch, war die Arbeit am poshen Englisch gut investiert.

Aber Achtung – die Einheimischen haben sehr feine Antennen für jeglichen Assimilationsversuch – ein Baguette in der Korbtasche macht aus einer Emily noch keine Pariserin. Den Unterschied zwischen Bella Figura und „fully Karda­shian“ können manche trotzdem nicht lesen, obwohl sie sich unzählige Tutorials reingezogen haben, wie man sich auf Europa-Reisen europäisch kleidet. Und zu Einheimischen in Kitzbühel oder im Ausseerland werden Münchner und ­Wienerinnen auch nach jahrzehnte­langer Teilnahme beim Jahrmarkt und Kirtag nicht, da hilft kein teures Trachtenoutfit, auch kein Freizeitwohnsitz.

Zurück zum Offensichtlichsten, auf die Straße. Die zeigt ein anderes Bild. Vielen dürfte die kulturelle Aneignung ihrer Umgebung garderobetechnisch egal sein. Es macht ihnen nichts aus, schon auf große Distanz enttarnt zu werden. Für eine explizite Touristenfallengastronomie, für Souvenirshops und Trashveranstalter ist der klassische Rucksack- und weiße Sockenträger, salopp gesagt, ein gutes Geschäftsmodell. Für Kleinkriminelle im Übrigen auch. In Social Media wimmelt es schließlich nur so vor Beiträgen über Pickpockets und Scamming in Good Old Europe. Versehen mit extratollen Tipps (solche Plätze einfach meiden) und urpraktischen Hacks (Tasche schräg tragen). Wobei wir wieder beim Textilen sind. Vielen Empfehlungen können wir uns nur anschließen: kein Fitnessoutfit, keine Leggins, keine Logomanie, keine Outdoorjacken in der Stadt, kein Make-up am Berg. Nur in einem Punkt wird’s schwierig: keine Flip-Flops beim Sight­seeing – aber Birkenstocks. Echt jetzt? 

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