Wohngeschichte

„Die Umgebung soll nicht vom Wesentlichen ablenken“

Veilchen, Löwenzahn und Lindenblätter: Obwohl Rath über Wildkräuter schreibt, ist der eigene Garten noch „clean“ gehalten.
Veilchen, Löwenzahn und Lindenblätter: Obwohl Rath über Wildkräuter schreibt, ist der eigene Garten noch „clean“ gehalten.Doris Barbier
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Kochbuchautorin Alexandra Rath und Baumeister Gregor Hartleben erstanden vor 15 Jahren einen Kleingarten am Wilhelminenberg und erbauten dort einen modernen Würfel in kühlen Farben.

Ein Stück Natur mitten in der Stadt – das suchte Alexandra Rath und wurde am Wilhelminenberg fündig. Dort bekam sie nämlich den Zuschlag für einen Kleingarten. „Mein Mann und ich haben lange überlegt, ob wir diesen verbauen sollen. Denn ein solcher Bau heißt natürlich: versiegelte Flächen, weniger Natur.“ Das Paar entschloss sich trotzdem, die Hütte abzureißen und auf dem Grund ein Kleingarten-Wohnhaus zu planen – in ökologischer Bauweise.

Doch gerade im Kleingarten sei es sehr schwierig zu bauen. „Anfangs hatten wir nur wenig Wissen über die Richtlinien zum Bau von Kleingartenhäusern. Wir haben uns eingelesen, verschiedene Firmen angefragt, jedoch gab es damals keine Lösung, die unseren Vorstellungen entsprach“, erzählt sie. Kurzerhand gründeten sie selbst ein Unternehmen, planten und bauten ihr Haus einfach selbst. Entstanden ist ein moderner Würfel in kühlen Farben. „Wir wollten – soweit wie möglich – weg von Baustoffen auf Erdölbasis. So toll Polystyrol-Dämmungen auch klingen, sie werden synthetisch hergestellt und enthalten FCKW, das langsam freigesetzt wird. Auch die Entsorgung ist ein Problem.“

Ökologischer Kompromiss und 180 qm Wohnfläche

Ein klassisches Holzhaus kam für die beiden jedoch ebenfalls nicht in Frage, ein modernes Stadthaus sollte es sein. Der ökologische Kompromiss: ein Holzriegelhaus, das wie ein Ziegelbau verputzt wird, mit Natur­faserdämmung. Heute steht der Neubau mit 180  Quadratmetern Wohnfläche, verteilt auf drei Geschoße, auf dem 300 Quadratmeter großen Grundstück. Im großen Keller ist Platz für Heiztechnik, Waschküche, einen Schrankraum sowie ein Gästezimmer. Die offene Küche mit Küchenblock und Esstisch befindet sich im 50 Quadratmeter großen Erdgeschoß. Eine Hubschiebetür führt auf die Terrasse und in den Garten, der durch große Fenstern ganz bewusst zur Erweiterung des Wohnraums wird. Im ersten Stock wurden auf ebenfalls rund 50 Quadratmetern Bad, Arbeits- und Schlafzimmer untergebracht.

Bei der Einrichtung haben sich Rath und ihr Mann an skandinavischer Schlichtheit orientiert. Viele Gegenstände sind Originale aus den 1960er-Jahren. „Meine Tante besaß eine Wohnung in Wien und hat diese vollkommen mit Designermöbeln ausgestattet.“ Einige dieser Dinge durfte Rath glücklicherweise übernehmen: von der original Verner-Panton-Shell-Lampe über den Maurice-Burke-Sessel bis hin zum eleganten Couchtisch. Solch eine ruhige, stylische Innenausstattung war für die Autorin essenziell, die über Wildpflanzen schreibt und diese vor Ort zubereitet und verkosten lässt: „Hier schreibe ich meine Bücher, und die Umgebung soll dabei nicht vom Wesentlichen ablenken. Der Blick in Garten und Natur tut sein Übriges.“ Außerdem veranstaltet sie regelmäßig Kochworkshops, eine offene Küche mit großem Essplatz war deshalb Voraussetzung. Für Rath auch der beste Platz im Haus: „Sie ist und bleibt einfach der Mittelpunkt.“

Rath an ihrem Lieblingsplatz, an dem sie auch selbst Kochworkshops veranstaltet.
Rath an ihrem Lieblingsplatz, an dem sie auch selbst Kochworkshops veranstaltet.D. Barbier

„Das Urbane fehlte mir“

Eine Umstellung war das Wohnen am Wilhelminenberg: „Das Urbane fehlte mir. Hier ist es zwar sehr ruhig, und man ist gleich im Grünen. Allerdings kann man sich nicht schnell auf einen Kaffee mit Freunden treffen oder mal eben die vergessene Butter holen. Man muss alles planen und ist von Öffis oder Auto abhängig.“ Bislang ist der Garten auch noch recht jung und dadurch – für ihren Geschmack – zu steril. „Ich hoffe, das ändert sich bald, meine zwei letzten Kochbücher beschäftigen sich ja mit essbaren Wildkräutern – also mit Unkräutern in der Stadt. Da sollte der eigene Garten auch etwas von diesem Charme aufweisen. Das wird noch!“

Zum Ort, zur Person

Der Gallitzinberg in Wien Ottakring ist nach dem russischen Botschafter Gallitzin benannt, der 1709 Teile gekauft und ein Schloss errichtet hat. Fürst Montléart schenkte es später seiner Frau, Wilhelmine, daher der Name Wilhelminenberg.

Alexandra Maria Rath ist Autorin, Ernährungstrainerin und Wildkräuter-Coach. In ihren aktuellen Büchern „Wildes Wien – Gegessen wird, was in der Stadt wächst“ und „Süßes Wildes Wien – Genascht wird, was in der Stadt wächst verbindet sie essbare Wildpflanzen mit Wiener Sehenswürdigkeiten.

Gregor Hartleben ist Baumeister mit Spezialisierung auf nachhaltige, ökologische Bauweisen und Gründer von kleingartenhauswien.at.

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