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Wandrer.Earth: Tracking-App mit Suchtpotenzial

Screenshot Wandrer.Earth/rotte
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Immer die gleichen Wege zu laufen, zu wandern oder zu radeln wird irgendwann fad. „wandrer.earth“ motiviert dazu, auch noch den letzten Pfad und die hinterste Gasse abgehakt haben zu wollen. Das macht Spaß - und eventuell süchtig.

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Nicht nur, aber eben auch, wenn es um Bewegungsmuster und alltägliche Wege geht. Das hat, keine Frage, Vorteile: Routinen jedweder Art helfen Zeit, Ressourcen und Energie für weniger Alltägliches aufzusparen. Außerdem geben sie Sicherheit.

Andererseits: Dinge immer gleich zu tun, wird oft irgendwann ein bisserl fad. Erst recht in der Freizeit, beim Sport: Klar kann man jahrein-jahraus die Prater Hauptallee rauf und runter rennen. Oder mit dem Rad immer den Donauradweg nach Tulln und dann wieder zurück. Viele tun das ja auch. Und denken bei diesen „Nobrainern“ dann irgendwann auch gar nicht mehr darüber nach, ob es nicht auch eine Version B, C oder gar D geben könnte. Bis sie über „Wandrer.Earth“ stolpern.

Wo war ich – und wo noch nicht?

Diese seit ihrer „Erfindung“ 2016 nur als Webseite und nicht als App verfügbare Trackingplattform zeigt nämlich, wo man noch nicht war: Verknüpft man den eigenen Strava-Account mit dem vom Wandrer-Erfinder, dem Online-Designer Craig Durkin (Atlanta) als Spiel entwickelten Tool, werden alle am Rad oder zu Fuß zurückgelegten Strecken dorthin importiert und blau angezeigt. Straßen, Wege, Pfade, Rad-, Lauf-, Wander-, Gravel- und/oder sonstigen Routen, die man (weltweit!) nicht erfasst und abgehakt hat, sind rot markiert.

Ergänzend verrät die Seite nicht nur, wie viele „neue“ Kilometer das soeben waren, sondern auch, was das in Relation zu allen verfügbaren Wegen bedeutet. Ob man sich die ganze Welt oder nur den eigenen Bezirk als Referenzkarte vorlegen lässt, bleibt jedem und jeder selbst überlassen.

Off the beaten tracks

Was dann passiert, ist rasch erklärt: Man wird neugierig. Will „umfärben“ – und beginnt zu suchen, zu spielen und zu experimentieren. Nimmt Seiten- und Nebenwege. Probiert es also „off the beaten tracks“. Das macht Spaß - und hat, Vorsicht!, echten Suchtcharakter. Erst recht, seit sich Wandrer.Earth auch mit vielen (leider noch nicht allen) Routenplanungstools koppeln lässt, man also auch schon daheim tüfteln kann. Ganz abgesehen davon, dass es – es ist ja ein Spiel – Rankings, Leaderboards, Trophäen und Erfolgslevels gibt: Hat da jemand tatsächlich auch noch den letzten Feldweg im Bezirk am Gravelbike abgehakt, während man selbst erst auf 23 Prozent aller hier möglichen Strecken ist? Geht natürlich gar nicht …   

Der Haken an der Sache: In der Gratisversion übernimmt der „Wanderer“ nur die letzten 50 Strava-Tracks. In der Bezahlversion (30 Dollar) dann aber dauerhaft alles, was man je hochgeladen hat. Und, einmal reingekippt, reichen – no na – die letzten 50 Strecken nie und nimmer. Nicht einmal, wenn man „nur“ in der eigenen „Hood“ wirklich überall gewesen sein will.

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