Wenn sich jemand in den USA besonders freut, dann hört man im Fernsehen einen Piepston.
Jeder in den USA hat es schon gesagt. Als Fluch, wenn man sich geärgert hat, oder als Adjektiv verwendet, um dem Gesagten Nachdruck zu verleihen. Die Rede ist von "Fuck" bzw. "fucking". Das F-Wort ist mittlerweile zwar gänzlich seiner sexuellen Bedeutung verlustig gegangen. Dennoch gehört es in die Kategorie der schlimmen "Four-Letter-Words" (wie etwa "Shit") und ist deshalb im öffentlichen Gebrauch tabu. Im Fernsehen bedeutet das, dass man dann, wenn sich jemand besonders freut oder ärgert, entweder nichts hört oder einen Piepston.
Nur bei U-2-Sänger Bono haben die Aufpasser geschlafen, die mit dem Finger am Piep-Knopf dafür verantwortlich sind, dass auch (zeitverzögert ausgestrahlte) Live-Sendungen jugendfrei sind. Bono durfte sich mit folgenden Worten über den Golden Globe freuen: "This is really, really fucking brilliant." Ein Sturm der Entrüstung brandete auf, der TV-Sender NBC entschuldigte sich ergebenst, die Aufsichtsbehörde FCC beriet fast ein Jahr lang. Denn der Zwischenfall hat sich im Jänner 2003 ereignet, aber erst Ende des Jahres befand eine FCC-Kommission, dass der Sender kein Strafgeld bezahlen muss.
Folglich hielt die Umgangssprache auch im TV Einzug. Bei den "Billboard Music Awards" durften die Starlets Nicole Richie (Tochter von Lionel Richie) und Paris Hilton über die Dreharbeiten zu ihrer Reality-Serie "The Simple Life" berichten: "Kuhscheiße aus der Prada-Handtasche zu entfernen ist fucking schwierig" (das Wort "Shit" wurde übrigens überpiepst). Erneut entrüsteten sich Tausende Zuseher, erneut erklärte ein FCC-Schiedsgericht, dass sich das F-Wort ja nicht auf eine sexuelle Handlung bezogen habe.
Doch diesmal schaltete sich die Politik ein, und FCC-Chef Michael Powell (Sohn von Außenminister Colin Powell) korrigierte die Entscheidung: NBC soll für Bonos "fucking brilliant" mehr als zwei Millionen Dollar Strafe bezahlen. Mittlerweile sind auch konservative Republikaner im Kongress aktiv geworden: Sie arbeiten für ein neues Fernsehgesetz an einer Liste von Wörtern, die immer obszön sind - egal, wie sie verwendet werden. Die USA werden wohl bald um ein paar Kraftausdrücke reicher sein.