Gastkommentar

Wie viel kostet uns der Klimaschutz?

Heiles Klima, leeres Börsel. Gratis ist nichts im Leben, schon gar nicht die Klimaneutralität.

Im Schnitt verursachten Österreicher 2022 nach Angaben des Bundesumweltamts einen Ausstoß von etwa acht Tonnen CO2 pro Kopf und Jahr. Bis 2040 soll Österreich „klimaneutral“ werden, die CO2-Emissionen sollen also auf null sinken. Wie viel wird es kosten, diese Vorgaben zu erfüllen?

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Die folgende Überlegung hilft dabei, die Größenordnung der Auswirkungen zumindest grob abzuschätzen: Sollen Emissionen sinken, müssen Unternehmen ihre Herstellungsmethoden ändern. Ist keine Anpassung möglich (technisch unmöglich oder zu teuer), bleibt Herstellern nichts anderes übrig, als jemanden dafür zu bezahlen, die entsprechende Menge an Kohlendioxid aus der Atmosphäre zu entfernen. Über die Preise der CO2-Beseitigung lässt sich so die Größenordnung der Zusatzkosten für die Konsumenten abschätzen. Die Bandbreite ist allerdings enorm: Für die Entfernung einer Tonne CO2 aus der Atmosphäre sind je nach Verfahren zwischen 200 und 1600 Euro zu berappen.

In Österreich beträgt das durchschnittliche Nettoeinkommen 16.500 EUR pro Jahr (Gewichtetes Mittel der Median-Nettoeinkommen 2022 laut Statistik Austria für Unselbständige, Pensionisten und Nicht-Erwerbstätige). Wenn von den acht Tonnen auch nur eine zum vollen Preis von 1600 Euro zu beseitigen ist (z. B. weil alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft sind), ergibt sich für die Endverbraucher bereits eine Kaufkraftverminderung (gegenüber 2022) von fast neun Prozent. Im Extremfall, d. h. falls die gesamte Kohlendioxid-Emission zum Höchstpreis zu beseitigen wäre, sinkt die Kaufkraft gar um 44 Prozent.

Die zukünftigen Kaufkraftverluste dürften also irgendwo in einem Spektrum von „unangenehm spürbar“ bis „gravierend“ liegen, sie werden auf jeden Fall wesentlich sein. Das wäre noch kein Grund zur Panik, schließlich gab es bereits früher komplexe Umweltschutzvorschriften, die Unternehmen umzusetzen hatten – und es ging meistens irgendwie positiv aus. Der rettende „deus ex machina“ war das Produktivitätswachstum: Teure Maßnahmen in einem Bereich ließen sich durch Verfahrensverbesserungen in anderen wieder ausgleichen oder sogar überkompensieren.

Riesiger Bürokratieschub

Zu dumm, dass es in der EU kein nennenswertes Produktivitätswachstum mehr gibt: Schon vor 2008 war es als anämisch zu bezeichnen, seit damals röchelt es im Bereich unterhalb eines Prozents schwächlich vor sich hin. Jetzt ist die Europäische Kommission angetreten, ihm endgültig den Todesstoß zu versetzen: Das Dickicht von Richtlinien, Verordnungen und Delegierten Rechtsakten samt Appendices, Anlagen (und Anlagen zu Anlagen) sowie den darin versteckten Myriaden von Querverweisen auf andere Rechtsakte, das in Summe als Green Deal bekannt ist, bringt einen gigantischen Bürokratieschub. Und wer kann sich noch um Verfahrensverbesserungen kümmern, wenn alle damit beschäftigt sind, Tausend-Punkte-Checklisten auszufüllen?

Was bleibt an Hoffnung für Normalbürger? Setzt man auf Konzepte wie „Degrowth“ – freiwillige Verarmung –, dann muss man bereit sein, ab und zu unter einer Brücke zu übernachten und einen gebrochenen Knochen selbst einzurichten. Wer damit nicht zurechtkommt, sollte sich nach konservativeren Lösungsvorschlägen umsehen. Lässt sich die Produktivität nicht mehr steigern, dann doch die Produktion über eine Erhöhung der Arbeitszeit. Diese Lösung mag nicht sonderlich populär sein, ist aber immer noch besser als der sprichwörtliche „Stein am Schädel“.

Sonst bleibt der Ausweg, sich Weinvorräte zuzulegen und den Untergang des Abendlands in heiterer Stimmung zu beobachten. Es wird eher darauf hinauslaufen, dass Fotovoltaikanlagen den Platz der Weinreben einnehmen werden, sodass sich die apokalyptische Prophezeiung aus der „Tante Jolesch“ erfüllt: „Es wird kein Wein sein, und wir werden noch immer sein.“

Rafael Krendelsberger (* 1968) arbeitet in der Konzernrechnungslegung einer intern. Unternehmensgruppe.

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