Ukraine

Militärexperte Gady: Russland bereitet große Offensive vor

Russlands Präsident Wladimir Putin bei einer Militärparade.
Russlands Präsident Wladimir Putin bei einer Militärparade. Reuters / Maxim Blinov
  • Drucken

Der Kreml werde vor Ende 2025 nicht zu ernsthaften Verhandlungen bereit sein, prognostiziert Verteidigungsexperte Franz-Stefan Gady. Die ukrainische Armee leide unter massiven Personalengpässen.

Russland bereitet eine große Offensive in der Ostukraine vor. Das erklärte der österreichische Militärexperte Franz-Stefan Gady am Montag bei einer sicherheitspolitischen Debatte im Wiener Schottengymnasium. Die russische Armee rücke gegen Tschassiw Jar vor, um die Städte Kramatorsk und Slowjansk im Donbass zu erobern. „2024 und 2025 wird eine schwere Zeit für die Ukraine“, prognostizierte Gady, der mehrmals an der Front war und demnächst wieder in die Ukraine reist.

Die westliche Munition, vor allem amerikanische und andere Artilleriegranaten, komme nun zwar an – und verlangsame die russische Offensive, so Gady. Doch die ukrainische Armee habe ein massives Personalproblem, das die russischen Angreifer durch gezielte Nadelstiche an verschiedenen Frontabschnitte verschärften. Denn so seien die Ukrainer gezwungen, ihre ausgedünnten Einheiten ständig zu verschieben und weiter zu strecken.

Auch Russland wird die Luft ausgehen

Russland sei allein aufgrund seiner Größe derzeit besser in der Lage, seine Verluste auszugleichen, und zehre von Waffenbeständen aus der Sowjetzeit, sagt Gady. Seinen Berechnungen zufolge werde den Russen jedoch Ende 2025, Anfang 2026 die Luft ausgehen. Erst dann werde es zu ernsthaften Verhandlungen kommen.

Franz-Stefan Gady
Franz-Stefan GadyPrivat

An der Debatte im Schottengymnasium nahmen auch der Generalsekretär im Verteidigungsministerium, Arnold Kammel, Neos-Abgeordneter Douglas Hoyos, der Präsident der Offiziersgesellschaft und Hypo-Niederösterreich-Vorstand Udo Birkner teil.

Europa hat zu wenige Soldaten

Mit gravierenden Personalengpässen haben derzeit auch die europäischen Streitkräfte zu tun. Europa fehlen im Endeffekt bei einem Ernstfall Hunderttausende Soldaten. Auf die USA wird derweil nicht mehr so viel Verlass sein wie früher, egal, wer Präsident ist. Darüber waren sich alle Diskutanten einig. Denn Amerika muss seine Ressourcen nach Asien verlagern, um China in Schach zu halten. Europa müsse aufwachen, seine Interessen realpolitisch definieren und verteidigen, forderte der Generalsekretär im Verteidigungsministerium, Arnold Kammel.  Auf die Neutralität ging er nicht weiter hin, wies jedoch darauf hin, dass Österreich gemäß Artikel 23 der Bundesverfassung sich in vollem Umfang an der gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik der EU beteiligen kann.

Hoyos: „Neutralität nur ein leerer Begriff“

Für Neos-Abgeordneten Hoyos ist die Neutralität nur noch „leerer Begriff“. Er und Birkner drängten darauf, den Berufsstand der Soldaten wieder gesellschaftlich aufzuwerten. Sicherheit, da waren alle einer Meinung, kann es für Österreich letztlich nur im europäischen Verbund geben. Die Teilnahme am Europäischen Sky Shield (ein Flug- bzw. Raketenabwehrsystem) mit 20 anderen Ländern ist ein wichtiger Schritt in diese Richtung. Das kostet eine Menge Geld, ist aber unumgänglich. Denn bisher liegt Österreich inmitten des Kontinents schutzlos da. Die Republik verfügt über keine Raketenabwehrsysteme. Sie sollen nun angeschafft werden.

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.