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Zum Start der EU-Wahl: „Brüssel sind wir eigentlich alle“

Sylvia Kritzinger im Studio der „Presse“ während der Vodcast-Aufnahme.
Sylvia Kritzinger im Studio der „Presse“ während der Vodcast-Aufnahme.Screenshot Die Presse.
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Sylvia Kritzinger sagt: „Wir reden zu viel über EU-Skeptiker“. Die Professorin für Methoden in den Sozialwissenschaften und Oliver Grimm, Brüssel-Korrespondent der „Presse“ über das Image der EU, und den Mobilisierungseffekt der Debatte über Lena Schilling und emotionale Werbespots des EU-Parlaments.

Am Donnerstag, den 6. Juni beginnen die EU-Wahlen, am Sonntag ist dann Österreich an der Reihe. In Folge 4 unseres Vodcasts sind zu Gast Sylvia Kritzinger, die Professorin für Methoden in den Sozialwissenschaften an der Universität Wien und Oliver Grimm, Brüsselkorrespondent der „Presse“. Kritzinger sagt: „Wir reden zu viel über EU-Skeptiker. Die gibt es. Aber es gibt auch jede Menge, die das als gutes Projekt empfinden, die sagen, man muss die europäische Integration weiter vorantreiben oder die zumindest nicht sagen, man muss sie stoppen.“ Die Zahlen würden zeigen, dass nach dem Brexit der Wunsch nach dem EU-Austritt des eigenen Landes „stark zurückgegangen ist“.

Oliver Grimm sagt „Brüssel und Straßburg sind für viele weit weg“, er seit oft erstaunt, wie exotisch Brüssel-Besucher die Stadt und die EU-Institutionen finden. „Dabei ist es einfach Belgien.“ Zum Katar-Gate und den Korruptionsvorwürfen gegen einzelne Europaparlamentarier sagt er: „Ich habe das Gefühl, das Thema ist durch. Auch in den belgischen Medien.“ Aber er gibt zu, dass dadurch bei vielen das Vorurteil bestätigt wurde, dass das Europaparlament ein Selbstbedienungsladen ist. „Ich finde es aber interessant, dass keine der euroskeptischen Parteien daraus viel Kampagnengold zu schürfen sucht. Auch die FPÖ nicht.“  

Wir reden auch darüber, welche Auswirkungen die österreichische Debatte rund um Lena Schilling auf den Diskurs zur EU-Wahl hatte. Sylvia Kritzinger sagt, dadurch sei jedenfalls bekannter geworden, dass es eine europäische Parlamentswahl gibt. „So gesehen gab es einen Mobilisierungseffekt, ob der den Grünen genutzt hat, ist dahingestellt.“ Oliver Grimm betont, wie wenig die Sache in Brüssel thematisiert werde.

Sylvia Kritzinger, Anna Wallner und Oliver Grimm (v. li. nach rechts)
Sylvia Kritzinger, Anna Wallner und Oliver Grimm (v. li. nach rechts) Screenshot Die Presse.

„Die in Brüssel haben entschieden“

In der Rubrik „Bullshit“ nennt Sylvia Kritzinger den Satz „Die in Brüssel haben entschieden.“ Diesen könne sie nicht mehr hören. „Weil Brüssel sind wir eigentlich alle. Ganz gleich, ob es über den Rat, in der Kommission, das Parlament oder die Wählerinne und Wähler sind. Eigentlich müsste man das Wort ,die‘ durch ein ,wir‘ ersetzt werden.“

Oliver Grimm sagt, ein großes Ärgernis für ihn sei der Allgemeinplatz „Die EU wird durch Krisen stärker.“ Die EU müsse zwar oft reagieren auf Krisen, aber liefere nicht immer die richtigen Lösungen auf die Probleme, die Krisen aufwerfen. „Es hat uns auch die Pandemie nicht gestärkt, sondern substanziell geschwächt und zwar auch politisch.“

Diesen Podcast können Sie auch ansehen und zwar hier.

Gast: Sylvia Kritzinger, Oliver Grimm (“Die Presse“)
Host: Anna Wallner, Debatte/Podcasts
Schnitt: Audiofunnel/Dominik Lanterdinger.
Credit: „Bullshit“ Politico-Podcast EU Confidential

Sie hören hier „Was wichtig ist“, den Nachrichten-Podcast der österreichischen Tageszeitung „Die Presse“ für neugierige Ohren, die mehr wissen wollen als die Schlagzeile. Er erscheint täglich von Montag bis Freitag.

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