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Datenschützer schlagen Alarm: Microsoft verletzt Privatsphäre von Schulkindern

Max Schrems
Max Schrems(c) Reuters, Heinz-Peter Baderader
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Die von Aktivist Max Schrems mitbegründete Organisation noyb wirft dem Softwareanbieter vor, die Verantwortung für den Datenschutz auf Schulen abzuwälzen und Kinder heimlich zu tracken.

Die Datenschutz-Organisation noyb hat gegen Microsoft im Zusammenhang mit dessen Bildungssoftware 365 Education-Dienst zwei Beschwerden bei der Datenschutzbehörde (DSB) eingereicht. Die von Aktivist Max Schrems mitbegründete Organisation warf dem Softwareanbieter am Dienstag vor, die Verantwortung für den Datenschutz auf Schulen abzuwälzen und Kinder heimlich zu tracken. Wegen der potenziell großen Anzahl Betroffener schlägt noyb eine Geldstrafe gegen Microsoft vor.

„Nur Microsoft verfügt über alle wichtigen Informationen zur Datenverarbeitung. Aber wenn es um die Ausübung von DSGVO-Rechten geht, zeigt das Unternehmen mit dem Finger auf die Schulen“, so Maartje de Graaf, Datenschutzjuristin bei noyb, laut Aussendung. Dabei hätten Behörden und Schulen keine realistische Möglichkeit, Microsofts Vorgehen zu beeinflussen oder zu bestimmen, wie Daten verarbeitet werden, hieß es darin weiter.

„Komplett von der Realität losgelöst“

noyb kritisierte auch eine „realitätsferne Umsetzung“. In Österreich seien etwa lokale Schuldirektorinnen und Schuldirektoren damit beauftragt worden, „Zwecke und Mittel“ gemäß Artikel 4(7) DSGVO zu bestimmen. Zudem sollten sie sicherstellen, dass internationale Softwarekonzerne wie Microsoft die Vorschrift einhalten - „was komplett von der Realität der Datenverarbeitung losgelöst ist“.

Außerdem sei unklar, was tatsächlich mit den Daten von Kindern passiert, die Microsoft 365 Education nutzen. „Die von Microsoft bereitgestellten Informationen sind so vage, dass selbst Jurist:innen nicht vollständig verstehen können, wie 365 Education persönliche Daten verarbeitet“, erklärte de Graaf.

Ohne Einwilligung der Beschwerdeführerin seien zudem mehrere Cookies installiert worden. Diese analysieren nach Angabe von Microsoft das Nutzungsverhalten, sammeln Browserdaten und werden für Werbung verwendet. „Microsoft 365 Education scheint Nutzerinnen und Nutzer unabhängig von ihrem Alter zu verfolgen. Von dieser Praxis sind wahrscheinlich hunderttausende Schülerinnen und Schüler sowie Studierende in der EU und im EWR-Raum betroffen“, sagte Felix Mikolasch, Datenschutzjurist bei noyb, laut Aussendung.

noyb fordert nun die DSB dazu auf, die Datenverarbeitung durch Microsoft 365 Education zu untersuchen. Recherchen der Datenschützer konnten keine Klarheit schaffen, damit verstoße Microsoft gegen die Transparenzbestimmungen der DSGVO. Außerdem habe das Unternehmen das Auskunftsrecht ignoriert. (APA)

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