Interview

Barbi Marković: „Literatur ist keine Fußballmeisterschaft“

Barbi Marković beschäftigt sich mit den Schrecken des Alltags. Auf „Minihorror“ folgt das Stück „Kitzelmonster“.
Barbi Marković beschäftigt sich mit den Schrecken des Alltags. Auf „Minihorror“ folgt das Stück „Kitzelmonster“.Christine Pichler
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Für ihren Roman „Minihorror“ hat Barbi Marković heuer den Preis der Leipziger Buchmesse gewonnen. Was das für ihr Leben als Autorin bedeutet, hat sich im Stress der letzten Monate noch nicht ganz herauskristallisiert.

Schon zum zweiten Mal in diesem Monat, sagt Barbi Marković, sei sie für einen Fototermin in den Wurstelprater gebeten worden – auch das deutsche Fernsehen fand, in der Geisterbahn ließe sich das schreckensliterarische Szenario ihres Romans „Minihorror“ am besten bildlich einfangen. Dass sie den Preis der Leipziger Buchmesse für dieses Buch zugesprochen bekam, hat dazu geführt, dass Marković die letzten Monate als eine „Notfalssituation“ erlebte, wie sie sagt. Eine Anfrage jagt die nächste, und parallel entstanden zwei weitere große Texte: Mitte Juni kommt „Das Kitzelmonster“ im Theater am Werk auf die Bühne, eigentlich ein „Minihorror“-Spin-Off. In einigen Monaten folgt ein Fußballbuch, eventuell „mein bisher bestes“, wie die Autorin sagt. Im Interview spricht die 1980 geborene Serbin, die seit 2006 in Österreich lebt und seit 2009 auf Deutsch schreibt, auch über ihr Verhältnis zur Weltliteratur, über die literarische Sprachwahl und warum sie zuletzt den Horror des Alltags als Thema ausgewählt hat.

Wie und wann haben Sie zu schreiben begonnen? Als Autodidaktin, oder auch durch das Absolvieren von Sprachkunst-Lehrgängen, die dabei helfen, ein Netzwerk aufzubauen?

Ich habe mit sieben angefangen zu schreiben und seitdem eigentlich nie aufgehört. Anfang der 1990er-Jahre gab es dann von George Soros finanzierte Workshops für Jugendliche in Serbien. Unser damaliger Lieblingsschriftsteller, Vladimir Arsenijević, hat dort vorgetragen, darum bin ich mit einer Freundin hingegangen. Später haben wir ihm angeboten, bei der Buchmesse für seinen Verlag zu arbeiten, haben dadurch Menschen in Literaturkreisen kennengelernt.

Wie alt waren Sie, als Ihr erster Text publiziert wurde?

Die erste Veröffentlichung war ein Text in einer Anthologie aus der Soros-Reihe. „Ausgehen“ ist auf Serbisch 2006 erschienen und auf Deutsch 2009, seitdem schreibe ich auf Deutsch.

Gibt es einen noch nicht übersetzten serbischen Textkorpus?

Nur den einen Anthologiebeitrag, abgesehen davon habe ich nichts in den Schubladen, das ich später publizieren könnte.

Wie erleben Sie die Zeit, seit Ihnen der Preis auf der Leipziger Buchmesse zugestanden wurde? Haben Sie das als Schub auf eine neue Ebene empfunden?

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