US-Komiker Bill Cosby liest seinen schwarzen Mitmenschen die Leviten und erntet dafür mehr Lob als Kritik.
Im politisch überkorrekten Amerika müsste jeder Weiße, der so etwas sagt, auswandern. Bill Cosbys Hautfarbe aber ist schwarz. Zudem ist der TV-Star bei den Afro-Amerikanern hoch angesehen, weil er es als TV-Star zu Millionenreichtum gebracht hat und immer wieder beträchtliche Summen für soziale Projekte spendet. Deswegen hört man ihm auch zu - auch wenn das, was der Star der "Cosby-Show" dieser Tage zu sagen hat, alles andere als nett ist.
"Hört auf, eure Frauen zu schlagen, nur weil ihr keinen Job findet; weil ihr nicht studieren wolltet und jetzt für den Mindestlohn arbeiten müsst", rief er farbigen Männern vor einigen Tagen bei einer Konferenz in Chicago zu. Über deren Kinder meinte er: "Sie können nicht einmal ordentlich sprechen. Englisch ist wichtig, man kann nicht Arzt werden, wenn man nur Slang spricht." Deutlich ging er mit jenen ins Gericht, die der Gesellschaft die Verantwortung dafür geben, dass viele schwarze Jugendliche keinen Schulabschluss haben und früh schwanger werden. Er habe es "satt", dass all das mit dem Rassismus der Weißen erklärt werde. Damit versuche man nur, die Schwierigkeiten der schwarzen Gemeinschaft zu verstecken. "Eure Dreckwäsche", meinte Cosby, "kommt jeden Tag um 14.30 Uhr aus der Schule, sie fluchen und nennen einander Nigger."
Der Auftritt in Chicago war bereits der zweite, bei dem der Schauspieler der afro-amerikanischen Gesellschaft die Leviten las und für heftige Diskussionen sorgte. Im Mai, bei der 50-Jahr-Feier des US-Gerichtsurteils, das die Klassentrennung von schwarzen und weißen Kindern beendete, hielt er die erste umstrittene Rede. Damals bemängelte der als Dr. Huxtable weltbekannt gewordene Schauspieler etwa, dass Eltern ihren Kindern Turnschuhe um 500 Dollar kaufen würden, aber keine 200 Dollar für Bücher ausgäben. Sie kümmerten sich auch nicht um ihre Kinder: "Ich spreche über diese Menschen, die weinen, weil ihr Sohn in einem orangen Gefängnisanzug dasteht. Wo wart ihr, als er zwei Jahre alt war? Als er zwölf war? Als er 18 war, und warum habt ihr nicht gewusst, dass er eine Pistole hat?" Etliche Farbige stimmten den Aussagen des 67-Jährigen zu. Bürgerrechtler Jesse Jackson meinte, Ähnliches predige er seit Jahren. Er kritisierte bei dem Treffen in Chicago vor allem die Rapper, die in ihren Liedern Gewalt verherrlichten.
Kweisi Mfume, Vorsitzender der mächtigen NAACP, einer Organisation für die Förderung von farbigen Menschen, stimmte den Bemerkungen Cosbys grundsätzlich zu, kritisierte aber die Art und Ausdrucksweise. Schärfere Kritik kam von Vertretern der "Black-Panther"-Vereinigung: Cosby sei ein ähnlicher Speichellecker wie Colin Powell und Condoleezza Rice.
Als Cosby diese Woche beim NAACP-Treffen in Philadelphia sprach, drängten sich 7000 Menschen in dem riesigen Saal. Doch diesmal vermied er jede Kontroverse - und unterhielt mit Witzen. Die Gebete seines Großvaters, ließ er beispielweise wissen, seien gewesen wie ein klassisches Konzert: "Gerade wenn man dachte, es ist vorbei, ging es erst richtig los."