USA: Für einen Artikel ins Gefängnis

US-Gerichte gehen mit Haftstrafen gegen Journalisten vor, die ihre Informanten nicht nennen.

Es war ein "Scoop", wie US-Journalisten Exklusiv-Storys nennen. Jim Taricani, NBC-Reporter, hatte von einem Informanten ein Video bekommen, das den engsten Mitarbeiter des Bürgermeisters von Providence zeigt, wie er 1000 Dollar Bestechungsgeld kassiert. Von einem FBI-Undercover-Agenten, der den Mitarbeiter danach festnahm. Über die Ausstrahlung des Videos im Fernsehen war das FBI wenig glücklich und verlangte eine Untersuchung, wie der Journalist zu dem Band kam. Weil Taricani das nicht sagen will, verurteilte ihn ein Richter wegen Missachtung des Gerichts. Ihm drohen sechs Monate Haft.

Dieser Fall ist nicht der erste, der unter Journalisten für Verunsicherung und für Debatten über Medienfreiheit sorgt. Auch in anderen Fällen wollen Gerichte nicht akzeptieren, dass Reporter ihre Quellen schützen. Etwa bei der Enttarnung einer CIA-Agentin: Ein Mitarbeiter des Weißen Hauses hatte Journalisten erzählt, dass die Frau von Botschafter Joseph Wilson, der Kritik am Irak-Krieg geübt hatte, Abteilungsleiterin im Auslandsgeheimdienst ist. Weil die Enttarnung eines Geheimdienstmitarbeiters ein Verbrechen ist, begann eine offizielle Untersuchung. Das Gericht lud die Journalisten vor. Alle verweigerten die Auskunft. Daraufhin sprach der Richter einen Redakteur der "New York Times" und einen vom "Time"-Magazin der Missachtung des Gerichts schuldig. Ihnen drohen bis zu 18 Monate Haft.

Das harte Vorgehen ist möglich, weil es nur in 31 der 50 US-Bundesstaaten Gesetze gibt, die Journalisten Verschwiegenheit über ihre Informanten garantieren. Ohne diesen Schutz würden kritische Geschichten kaum in die Zeitung finden. Nur wenn Informanten sicher sind, dass sie anonym bleiben, sind sie bereit, Hintergründe, Interna auszuplaudern. Die Identität des berühmtesten Informanten der Mediengeschichte - "Deep Throat", der "Washington-Post"-Reportern den Watergate-Skandal berichtete - ist noch immer unbekannt.

Im Kongress bemühen sich nun demokratische Abgeordnete um ein Bundesgesetz, in dem das Journalistengeheimnis festgeschrieben ist. Für Jim Taricani kommt das zu spät: Am 9. 12. legt das Gericht in Rhode Island das Strafausmaß fest, dann muss er hinter Gitter.

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