Umweltressourcen

Das Klima, Wetterkapriolen und Österreichs Sicherheitspolitik

Extremwetterereignisse und Temperaturanstiege gefährden die Stromversorgung ebenso wie eine größere Störanfälligkeit durch den Umstieg auf erneuerbare Energiequellen. 
Extremwetterereignisse und Temperaturanstiege gefährden die Stromversorgung ebenso wie eine größere Störanfälligkeit durch den Umstieg auf erneuerbare Energiequellen. Imago / Christoph Hardt
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Der Staat muss sich auf klimasicherheitsrelevante Herausforderungen einstellen. Bundesheeroffizier Kilian Hitzl legt eine Analyse vor, die von der Migration über Energie- und Wasserknappheit sowie möglichen Lieferengpässen bis zu Infektionskrankheiten reicht.

In der öffentlichen Diskussion wird beim Klimawandel hauptsächlich auf die Witterungsverhältnisse und deren Folgen sowie den CO2-Ausstoß fokussiert. Wo aber bleibt in Österreich die gesamtstaatliche Herangehensweise bezüglich der Klimaveränderung, wie geht man mit klimasicherheitsrelevanten Bedrohungen und Gefahren um?

Kilian Hitzl hat für das Bundesheer eine wissenschaftliche Arbeit zum thematischen Konnex Sicherheitspolitik und Klimawandel aus österreichischer Perspektive vorgelegt. Der Offizier beim Bundesheer und Absolvent der Universität für Bodenkultur (Boku) Wien konzentriert sich dabei auf die Auswirkungen für die Gesellschaft und das Staatsgefüge.

Es betrifft jeden Gesellschaftsbereich

Der Studienautor war selbst überrascht über die Mannigfaltigkeit der durch den Klimawandel bevorstehenden Folgen im Sicherheitssektor. Diese würden nahezu jeden Gesellschaftsbereich betreffen. Gleich als ersten der in der Arbeit angeführten fünf großen Bereiche nennt Hitzl die Gefahr eines enormen klimabedingten Anstiegs von Migrationsbewegungen, wobei die Klimathematik andere Faktoren der Migrationsbewegung verstärkt. In erster Line würde dies den afrikanischen Raum betreffen, sowohl nach Europa als auch innerhalb des Kontinents.

Zweitens befürchtet der Autor die Gefährdung der Stromversorgung in Österreich. Diese könnte einerseits durch die Zunahme von Extremwetterereignissen und Temperaturanstiege, andererseits durch eine größere Störanfälligkeit durch den Umstieg auf erneuerbare Energiequellen hervorgerufen werden. Die aus Windrädern und Fotovoltaikanlagen gewonnene Energie sei aufgrund der Wetterabhängigkeit nicht steuerbar und daher sehr volatil. Klimatische Ereignisse könnten auch einen Blackout verursachen.

Hochwasser und Rohstoffabhängigkeit

Der dritte Bereich betrifft das Thema Wasser und Klimawandel. Hier drohe die Zunahme von Hochwassern, Murenabgängen und Niederschlägen sowie mögliche Wasserknappheit im Osten Österreichs. Viertens die Vulnerabilität von Gütern und Rohstoffen durch Importabhängigkeit, bedingt durch vermehrte Lieferengpässe und eine Schwächung der globalen Nahrungsmittelproduktion.

Österreich ist, so Hitzl, besonders vom Import von Sojabohnen und Palmöl sowie bei den Industrierohstoffen von Erdöl, Erdgas und seltenen Erden abhängig. Zuletzt geht die Studie auf das klimabedingte Auftreten neuer Infektionskrankheiten ein. Derzeit halte sich die Ausbreitung in Grenzen, künftig sei aber damit zu rechnen, dass Ansteckungskrankheiten aufgrund der Erwärmung ansteigen werden. Hitzls wesentliche Erkenntnis im Verlauf seiner Forschungen: die zuvor nicht in dem Ausmaß erwartete Dimension des Phänomens Klimawandel, dessen Auswirkungen nahezu jeden Gesellschaftsbereich betreffen.

»Nur durch die Schaffung eines robusteren Gesellschaftssystems können zu erwartende negative Auswirkungen gemindert werden.«

Kilian Hitzl,

Boku-Absolvent und Hauptmann

„Es reicht nicht, das Thema politisch kosmetisch zu behandeln, so wie es derzeit der Fall ist.“ Auch im privaten Umfeld habe er in vielen Gesprächen zur Kenntnis nehmen müssen, dass die sicherheitspolitischen Auswirkungen der Klimaveränderung bisher nicht bedacht wurden. Die Bevölkerung müsse jetzt sensibilisiert werden, das Kollektiv und jeder einzelne Bürger müssten ihr Verhalten den sich ändernden Gegebenheiten anpassen.

Mehr Eigenständigkeit wäre sinnvoll

„Nur durch die Schaffung eines robusteren Gesellschaftssystems, sowohl in Österreich als auch in Europa, können zu erwartende negative Auswirkungen gemindert werden“, so sein Resümee. Dieses System zeichne sich vor allem durch eine stärkere Autarkie aus. Damit seien u. a. autarke, also eigenständig funktionierende Krankenhäuser, Polizeistationen, Kasernen und systemrelevante Einrichtungen gemeint. Neben staatlichen Institutionen müssten auch normale Haushalte auf eine längere Durchhaltefähigkeit ausgerichtet sein.

1988 wurde bei der Toronto Conference on the Changing Atmosphere der Klimawandel als eine Gefährdung für die Sicherheitspolitik eingestuft. Untersuchungen und Forschungen dazu haben in größerem Maße erst in den vergangenen 15 Jahren eingesetzt. Nachhaltige Maßnahmen seien nun nur in einem großen politischen Rahmen wie der UN oder der EU durchführbar, betont Hitzl.

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