Anzeige
Brucknerhaus Linz

Bruckner einmal anders

Martin Haselböck wird mit seinem Orchester neben Bruckners „Zweiter“ in der Fassung von 1872 auch Werke von Franz Liszt aufführen.
Martin Haselböck wird mit seinem Orchester neben Bruckners „Zweiter“ in der Fassung von 1872 auch Werke von Franz Liszt aufführen.Meinrad Hofer
  • Drucken

Aus Bruckners Zeit. Das Internationale Brucknerfest Linz bringt heuer alle Sinfonien von Anton Bruckner in Ursprungsversionen und von Originalklangorchestern gespielt. Durch die Kombination mit Werken anderer Komponisten möchte man bereichernde Bezüge herstellen.

Weichere Klänge, andere Timbres, alternative Färbungen: Wenn beim Internationalen Brucknerfest Linz 2024 alle Sinfonien Anton Bruckners so aufgeführt werden, wie er sie ursprünglich konzipiert hat, werden Besucherinnen und Besucher andere Klangerlebnisse haben als jene, die sie gewohnt sind. Vom 4. September (Bruckners Geburtstag) bis zum 11. Oktober (seinem Todestag) lädt man wie alljährlich zu besonderen Konzerten rund um den großen Sohn des Bundeslandes ein – heuer noch feierlicher als sonst, gilt es doch zu begehen, dass Anton Bruckner vor 200 Jahren in Ansfelden zur Welt kam.

Zu diesem Anlass hat man sich einen Zyklus überlegt, den es so noch nicht gegeben hat: Mit Originalklangorchestern und in Ursprungsfassungen bringt man beim Internationalen Brucknerfest Linz 2024 alle elf Sinfonien des Namensgebers zur Aufführung. Damit sind zusätzlich zu den neun nummerierten auch die „Studiensinfonie“ und die „Annullierte“ gemeint.

Bruckners Originalversion

„Ein Zeichen setzen, das international beachtet wird“, möchte man dadurch, heißt es vonseiten des Brucknerhauses Linz, dem Veranstalter des Festivals. „Wir möchten Bruckners Musik so zum Klingen bringen, wie er sie gehört hat und wie er sie vermutlich auch hören wollte“, erklärt der Leiter der Programmplanung des Brucknerfestes, Andreas Meier, im Gespräch mit der „Presse“. Er erläutert, dass man sich durch die Ursprungsversionen und die Instrumente wie zu Bruckners Zeit auf mehr Transparenz und eine erweiterte Farbpalette freuen darf – und spricht von einem „farbenreicheren, facetten­reicheren, nuancierteren Klang“.

»Wohl keine andere Sinfonie steht der Orgel – dem Instrument Bruckners – näher als seine Zweite.«

Martin Haselböck

Für die elf Konzerte des Zyklus konnte man namhafte Originalklangorchester wie das Orchester Wiener Akademie, Les Musiciens du Louvre und Anima Eterna Brugge engagieren. Martin Haselböck, der das Orchester Wiener Akademie bei der Aufführung von Anton Bruckners Zweiter leiten wird, beschreibt: „Die Originalinstrumente des Orchesters Wiener Akademie können die Klangwelten der Sinfonie gleich einer romantischen Orgel auffächern: Über den Streichern mit Darmsaiten bauen die Holzbläser und das grundtönig, weicher klingende Blech einen Klang auf, der im Vergleich zum ‚modernen‘ Orchester die Timbres verschmilzt, nicht trennt.“ Auch Pablo Heras-Casado, der mit Anima Eterna Brugge Bruckners Dritte in der Fassung von 1873 präsentieren wird, ist überzeugt, dass man mit Originalinstrumenten weniger Schwere erreiche, wie sie landläufig mit dem Komponisten Anton Bruckner assoziiert werde. Er verspricht sich mehr Durchhörbarkeit durch die Aufführung mit Instrumenten, die zu Bruckners Zeit gespielt wurden. Und er sei, so Heras-Casado, „sicher, dass das Publikum von der großen Vielfalt an Farben und Texturen sowohl überrascht als auch fasziniert sein wird“. Christoph Spering, der Bruckners Erste in der „Linzer Fassung“ mit dem Neuen Orchester zur Aufführung bringen wird, lässt sich zitieren: „Als ‚Ausgräber‘, der in den vergangenen 40 Jahren zahlreiche Werke einem Dornröschenschlaf entrissen und oftmals deren erste neuzeitliche Aufführung initiiert hat, kann mich die Urfassung eines Repertoirestücks, wie es die „Linzer Fassung“ von Bruckners Erster ist, nicht kaltlassen.“

Pablo Heras-Casado
Pablo Heras-CasadoJuyang Chen

Bereichernde Kombinationen

Über die zweite Sinfonie Bruckners, die er leitet, sagt Martin Haselböck: „Wohl keine andere Sinfonie steht der Orgel – dem Instrument Bruckners – näher als seine Zweite: Die an Orgelregistrierungen gemahnende blockhafte Instrumentation, die Erhöhung der Spannung durch Atempausen, die Klarheit der strukturellen Organisation, all dies lässt an den Organisten Bruckner denken, der seine Zeitgenossen auch mit seinen kunstvollen Improvisationen beeindrucken konnte.“ Unter dem Motto „Fortfahren“ wird Haselböck mit seinem Orchester neben Bruckners Zweiter in der Fassung von 1872 auch Franz Liszts Ungarische Rhapsodie und dessen Konzert für Klavier und Orchester Nr. 2 aufführen, Kit Armstrong ist dabei als Solist am Klavier zu erleben.

Generell geht es den Programmplaner:innen darum, die Sinfonien Bruckners mit Stücken anderer Komponisten zu kombinieren, die einen starken Bezug zu ersteren haben. Beispielsweise wird Pablo Heras-Casado bei seinem Konzert mit Anima Eterna Brugge Richard Wagners „Faust-Ouvertüre“ und die „Wesendonck-Lieder“ mit der Dritten Bruckners an einem Abend aufführen, Christiane Karg ist die Solistin. Dies hat man so programmiert, weil „in der Erstfassung der dritten Sinfonie zahlreiche Stellen zu finden sind, an denen Bruckner sein großes Vorbild Wagner direkt zitiert“, wie Brucknerfest-Programmplaner Andreas Meier erklärt. Außerdem habe sich Wagner, als ihm Bruckner eine Sinfonie widmen wollte, für die Dritte entschieden. Und besonders, weil in späteren Fassungen derselben viele Anspielungen getilgt wurden, biete der Abend einen „ohrenöffnenden Moment, wenn diese Musik derjenigen von Wagner, explizit der ‚Faust-Ouvertüre‘, die Bruckner gut kannte, und den ‚Wesendonck-Liedern‘, die Wagner ja selbst als Studien zu ‚Tristan und Isolde‘ bezeichnete, gegenübergestellt wird. Bruckner hätte das, behaupte ich einmal, sicher gefreut“, sagt Meier.

In weiteren Konzerten wird beispielsweise Wolfgang Amadeus Mozarts Requiem Bruckners Fünfter gegenübergestellt, wenn Ádám Fischer mit The Orchestra of the Age of Enlightenment kommt oder aber Ludwig van Beethovens Ouvertüre zu „Coriolan“ und Johannes Brahms’ Sinfonie Nr. 1 Bruckners Erster in der „Linzer Fassung“. „Diese Stücke, die den Bruckner-Sinfonien gegenüberstehen, fungieren gewissermaßen als Spiegel, in denen die jeweilige spezifische Eigenart oder anders gesagt, in denen wichtige, zentrale kompositorische Aspekte der jeweiligen Bruckner-Werke ins Licht gerückt werden“, sagt Andreas Meier zur „Presse“. „Dass Mozarts Requiem und Bruckners Fünfte musikalisch miteinander verknüpft sind, ist nämlich bis heute nur wenig bekannt. Bruckner hat das Mozart-Requiem ja ausgiebig studiert und analysiert. In der Fünften finden sich zahlreiche Motive, die man auf Mozart zurückführen kann, bis hin zum direkten Zitat einer Stelle aus dem Lacrimosa im zweiten Satz.“ Unter den ausführenden Orchestern des Sinfonienzyklus im Originalklang sind auch Stefan Gottfried mit dem Concentus Musicus Wien, Jérémie Rhorer und Le Cercle de l’Harmonie, Jordi Savall mit Le Concert des Nations und Kent Nagano mit Concerto Köln. Unter den Solisten sind Shunke Sato an der Violine, Pianist Kristian Bezuidenhout sowie eben Kit Armstrong und Mezzosopranistin Christiane Karg.

Durch diese ungewohnten Klangfarben, Versionen und Kombinationen der Sinfonien Anton Bruckners mit Werken anderer Komponisten möchte man vonseiten des Brucknerfests Linz neue Facetten aufzeigen und die Werke neu kontextualisieren. Man wolle, so die Organisatoren, „Bruckner so direkt und unverstellt und so unmittelbar wie möglich darstellen“.

Information

Internationales Brucknerfest

Linz 2024

4. September bis 11. Oktober

Brucknerhaus Linz,

verschiedene Spielorte in Linz,

St. Florian, Ansfelden

kassa@liva.linz.at;

Telefon: 0732 775230

www.brucknerfest.at

www.brucknerhaus.at


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.