Wahlabend

Wenn die Trendprognose Wahlergebnisse ersetzt

Um 17 Uhr wird am Wahlabend eine Umfrage präsentiert. Vor fünf Jahren war man damit recht nahe am Wahlergebnis.

Wenn am Sonntag um 17 Uhr die Wahllokale schließen, wird das übliche Programm ablaufen: Sondersendungen der TV-Sender, Wahlpartys der Parteien und Politiker-Interviews. Aber: Niemand wird zu diesem Zeitpunkt das Ergebnis wissen. Die Resultate dürfen erst um 23 Uhr veröffentlicht werden, wenn in Italien die letzten Wahllokale schließen.

Bis dahin wird man sich mit einer „Trendprognose“ behelfen, die von ORF, Puls 4 und Austria Presse Agentur in Auftrag gegeben wurde. Das ist im Prinzip eine Umfrage, allerdings etwas aufwendiger gestaltet, als normale Meinungsumfragen. Statt eines Sample von 800 bis 1000 Personen teilen sich diesmal drei Institute (Foresight, Arge Wahlen und Peter Hajek) die Umfrage, jedes einzelne befragt 1200 Personen. Daraus werden Hochschätzungen des Wahlergebnisses erstellt.

Die Umfragen sind zum Großteil schon fertig, sie laufen seit Dienstag und werden heute fast beendet, Arge Wahlen fragt auch noch am Sonntag, um letzte Entwicklungen einfangen zu können. Diese letzten Ergebnisse werden dann in eine zweite Trendprognose einfließen, die die Meinungsforscher gegen 19 Uhr veröffentlichen wollen.

Wie genau ist diese Trendprognose? Bisher wurde dieses Instrument zweimal eingesetzt, einmal bei der EU-Wahl vor fünf Jahren und einmal bei der Gemeinderatswahl in Wien. Bei der EU-Wahl 2019 stimmte die Prognose ziemlich gut mit dem Endergebnis überein: Das Ergebnis der ÖVP wurde mit 34,5 Prozent sogar exakt getroffen, bei keiner der anderen Parteien wich es um mehr als 0,5 Prozentpunkte ab.

FPÖ in Wien überschätzt

Nicht ganz so genau wurde die Wien-Wahl vorhergesagt: Da haben die Meinungsforscher die FPÖ deutlich überbewertet (zehn statt 7,1 Prozent) – auf Kosten der ÖVP, die mit 17,5 statt 20,4 Prozent falsch eingeschätzt wurde.

Tatsache ist aber auch, dass Umfragen rein rechnerisch nie ein exaktes Ergebnis bringen können, sondern eine Bandbreite. Die exakte Zahl ist dann die Schätzung der Meinungsforscher. 25 Prozent für eine Partei heißt in Wirklichkeit 22,5 bis 27,5 Prozent. „In 19 von 20 Fällen stimmt das Ergebnis innerhalb der Schwankungsbreite“, sagt dazu der Meinungsforscher Peter Hajek.

Eine Trendprognose hat übrigens nichts mit Exit Polls zu tun. Die würden so ablaufen, dass Wähler nach Verlassen des Wahllokals aufgefordert würden, noch einmal abzustimmen. Ein Verfahren, das in Österreich aber nicht angedacht wurde. „Das wäre viel teurer“, sagt Hajek. Und noch etwas spricht dagegen: Kein Institut hat Erfahrungen mit Exit Polls. Denn diese waren in Österreich schlicht nie notwendig, weil die ersten Ergebnisse ohnehin immer schon knapp nach Wahlschluss vorliegen.

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