TV-Hit: Öffentliche Stupsnasen-Operationen

Fernseh-Schlager aus den USA: Zuschauen, wie sich Menschen operativ in schönere Menschen - oder in Pamela Anderson - verwandeln.

Mit der Frau, die sie war, hat Rachel nicht mehr viel gemein. Die Hasenzähne sind verschwunden, aus der langen Nase ist ein süßes Stupsnäschen geworden, die Lippen sind größer, die Brust hat beträchtlich zugelegt, die "Schwimmreifen" sind weg. Nein, diese Rachel ist nicht mehr die, die vor 90 Tagen zum letzten Mal in den Spiegel geschaut hat. Als sich die 27-Jährige jetzt zum ersten Mal wieder sieht, ist sie sprachlos: "Ich bin schön, mein Gott, ich bin schön." Hinten klatschen jene, die dafür verantwortlich sind: zwei Chirurgen, ein Zahn-, ein Haut-, ein Augenarzt, der Fitness-Trainer, ein Coach, ein Psychologe. Und in den amerikanischen Wohnzimmern sitzen 15 Millionen Menschen und greifen sich neidisch auf ihren Bauch.

"The Swan" ist der neue Quoten-Hit des US-Senders Fox. Seit Anfang April wird wöchentlich zur Schau gestellt, wie sich hässliche Entlein in ansehnliche Schwäne verwandeln. 17 Frauen haben sich der "Generalüberholung" unterzogen, am Ende wird die Schönste gekürt. "The Swan" ist zweifellos der schlimmste Auswuchs des Reality-TV. Tausende Frauen haben sich beworben. Dass sie ihre Familien 90 Tage nicht sehen dürfen, dass die Ärzte entscheiden, was sie wie verändern - das nehmen sie in Kauf. In der Sendung berichten sie von den Nachteilen und Hänseleien, die sie wegen ihres Äußeren hinnehmen mussten.

Manchmal müsse er weinen, sagt Produzent Arthur Smith, weil "wir ihnen so viel Glück bringen". Dass hier mit den Unzulänglichkeiten, Ängsten und Hoffnungen von Menschen gespielt und Geld gemacht wird, sieht man bei Fox nicht so: Niemand werde gezwungen.

Gezwungen hat auch MTV niemanden. Für "I Want a Famous Face" begleitet der Musiksender Menschen, die wie ihre Idole aussehen wollen. MTV legt Wert auf die Feststellung, dass man weder für die Operationen bezahle noch die Betroffenen dazu animiere. So kann man verfolgen, wie beispielsweise die 19-jährige Sha aus Texas all ihr Geld dafür ausgibt, um wie Pamela Anderson auszusehen. Oder wie der 32-jährige Elvis-Imitator Jesse aus Las Vegas sein Gesicht opfert, damit die Chirurgen aus ihm die perfekte Kopie des "King" machen.

Zwar regt sich in den US-Medien Kritik an dem Format. Die Befürworter schießen aber mit dem Hinweis auf Traditionen zurück: Amerika sei ein freies Land, in dem jeder tun könne, was er wolle. Es werde auch niemand gezwungen, sich die Shows anzusehen. Aber wenn Menschen freiwillig bereit sind zu tun, was andere sehen wollen, könne man daran nichts Schlimmes erkennen.

www.fox.com/swan

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