Motor

Bei der Vespa Elettrica ersetzt das Piiiiiiep das Brrrrrrm

Wie man einen Roller für das Fahren in der Stadt baut, weiß Piaggio. Wäre da nur nicht das Laden.
Wie man einen Roller für das Fahren in der Stadt baut, weiß Piaggio. Wäre da nur nicht das Laden.Die Presse, Clemens Fabry
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Gerade für das Fahren in der Stadt ist die Vespa Elettrica ein interessante Alternative zum Benzin-Roller. Nur beim Ladevorgang heißt es unter Umständen kreativ werden.

Draußen, direkt vor dem Wohnhaus, betreibt das benachbarte Lokal einen Schanigarten. Und weil gleich daneben auch die Vespa parkt, ist es zur Gewohnheit geworden, dass die Aperol trinkenden Gäste dort die Köpfe recken und ihr Glas ein bisschen fester halten, wenn beim Starten und Wegfahren das einigermaßen beeindruckende „Brrrrrmmm“ ertönt. Passt, denkt man da, Vespa-Lärm zum Aperol – alles sehr italienisch.

Mittlerweile können die Nachbarn aber wieder ganz ungestört trinken. ­Piaggio stemmt sich gegen die Konkurrenz aus China und hat mit der Vespa Elettrica ihre Roller-Ikone in einer emissionsfreien Version auf den Markt gebracht, ganz ohne Abstriche beim Design. Verfügbar ist sie in einer 45-km/h- und einer 70-km/h-Variante, das allerdings zum einigermaßen stolzen Preis von 6999 bzw. 7199 Euro. Na gut, man finanziert damit ja nicht nur ein Lebensgefühl, sondern auch ein reines, grünes Gewissen. Zum Vergleich: Die Vespa GTS 125i, die hier normalerweise parkt, stößt 59 Gramm CO2 pro Kilometer aus.

Die Vespa Elettrica verfügt über drei Fahrmodi: „Eco“, „Power“ und – siehe da, mit der Kraft der Beine nach hinten zu schieben ist vorbei – auch einen Rückwärtsgang. Nachdem der gewünschte Modus ausgewählt und durch längeres Drücken des Knopfes bestätigt ist, taucht neben dem großen digitalen Farbdisplay das Wort „Ready“ auf. Klar, ein Startgeräusch gibt es ja nicht. Beim Wegfahren ertönt dann statt des gewohnten „Brrrrrmm“ ein zartes Summen, dann fährt, oder vielmehr gleitet, der Roller los.

Wer bisher nur Verbrenner gefahren ist, hat wegen der vielen Schilderungen über das beachtliche Drehmoment der E-Roller seine Erwartungen an die Dynamik der Beschleunigung ziemlich hoch geschraubt. Im „Eco“-Modus werden sie zunächst etwas enttäuscht. Für das Fahren in der Stadt ist das an sich einigermaßen egal. Außer allerdings, man legt den Fahrstil auch etwas italienisch an und schlängelt sich gern frech durch den Verkehr. Dann wird man relativ schnell den Drang ­verspüren, per schnellem Knopfdruck in den „Power“-Modus zu wechseln. Da sieht das mit der Beschleunigung dann schon ganz anders aus.

Der E-Motor hat eine Dauerleistung von 3,6 kW/h (4,8 PS), und das bei einem niedrigen ­Eigengewicht der Vespa Elettrica 70 von nur 105 Kilogramm. Für die Autobahn ist das Ganze wenig überraschend nicht gemacht, für die Bundesstraße nur bei Fahrern mit Hang zur Gemütlichkeit.

Laden für Städter

Und – das ist wie sich zeigt die erste Frage jedes Menschen, der über die Anschaffung eines E-Rollers nachdenkt – wie weit kommt sie mit einer Akkuladung? Im „Power“-Modus etwa 70 Kilometer. Im „Eco“-Modus sind es entsprechend mehr, allerdings kommt man damit nicht über eine Geschwindigkeit von 45 km/h hinaus. Zum Laden muss die Vespa Elettrica an die Steckdose, sie lässt sich mit ganz normalem Haushaltsstrom „betanken“. Ein kompletter Ladezyklus dauert etwa vier Stunden.

Hier ergibt sich für Stadtbewohner unter Umständen ein nicht zu kleines Problem: Die Lithiumbatterie ist nicht herausnehmbar. Dafür gibt es unter der Sitzbank, dort, wo sich bei den Verbrennern der Tankdeckel befindet, eine Öffnung, aus der sich ein zweit Meter langes Spiralkabel ziehen lässt. Da kann man schon einmal kurz zu Grübeln beginnen und mit dem Gedanken spielen, wie man Verlängerungskabel an Verlängerungskabel an Verlängerungskabel steckt und dieses Konstrukt dann aus dem Fenster hängen lässt, um den Roller mit der Steckdose in der Wohnung zu verbinden. Alternativ gilt es, eine geeignete öffentliche Ladestation mit 220 Volt zu suchen. In anderen Worten: Wer etwa über eine Garage mit Stromanschluss verfügt, ist klar im Vorteil. Leider ist das gerade in der Stadt, in der das E-Vespa-Fahren sonst so nett wäre, eher selten.

In den Kurven liegt der E-Roller gut, man sitzt bequemer als auf den Modellen der chinesischen Konkurrenz. Bei einer Notbremsung bricht das Hinterrad etwas aus, hier ist Vorsicht geboten. Anders als viele andere E-Roller verfügt die Vespa Elettrica statt einer Scheibenbremse vorn und hinten etwas ungewohnt über eine Kombination aus Trommelbremse hinten und Scheibenbremse vorn.

Übrigens: Wer die Aufmerksamkeit der Nachbarn beim Start der sonst so leisen Vespa Elettrica wirklich vermisst, der kann einfach den Rückwärtsgang einlegen. Der Hersteller empfiehlt das ohnehin, statt sich rückwärts vom Parkplatz zu schieben. Sobald der Modus-Knopf gedrückt, und der Rückwärtsgang bestätigt ist, ertönt ein Piepen in einer Lautstärke, dass man glauben könnte, hier kommt keine Vespa, sondern ein Lkw.

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