Fischer

Notbremsung bei der Fischerei auf den Weltmeeren

Wie viel Hochsee-Fischerei tut den Meeren gut, wie viel bleibt für kleine Fischerei-Betriebe über. Unser Foto zeigt die Entladung von Thunfischen.
Wie viel Hochsee-Fischerei tut den Meeren gut, wie viel bleibt für kleine Fischerei-Betriebe über. Unser Foto zeigt die Entladung von Thunfischen.epa
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Experten versuchen in Costa Rica flott zu kriegen, was auf der politischen Ebene seit Jahrzehnten festgefahren ist: Fischerei weltweit so auszugestalten, dass der Kollaps in den Weltmeeren vermieden werden kann. Dabei wird auch ein Bericht vorgestellt, der die Alarmglocken ertönen lässt.

Dass es den Meeren dieser Welt nicht so gut geht, weiß man nicht erst, seit die Plastikinseln in den Weltmeeren entdeckt worden sind, denn die ersten Spuren von Mikroplastik sind schon 1972 vor der amerikanischen Ostküste entdeckt worden. Es ist knapp mehr als 100 Jahre her, dass sich die Erkenntnis breit gemacht hat, dass die scheinbar unendliche Fülle in den unendlichen Weiten des Ozeans so unendlich nicht sind. Es waren die Erfindungen der Kriegsindustrie in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die es der Fischerei ermöglicht haben, die Fangmengen schlagartig auszuweiten (Sonar, Radar).

So wurde 1923 die erste Management-Organisation aus der Taufe gehoben, um die Heilbutt-Fischerei zu regulieren. Spätestens nach dem Zweiten Weltkrieg ist immer klarer geworden, dass die Fischerei weltweit in eine Schieflage rutscht.

Fischbestände erholen sich immer langsamer

Die Welternährungsorganisatioon (FAO) der Vereinten Nationen hat Jahr für Jahr dokumentiert, dass mit zunehmendem Tempo das Ausmaß des Fischfangs zunimmt und dass sich gleichzeitig die Fischschwärme nicht mehr in vollem Ausmaß regenerierten – eine Schere, die seit den 1980er Jahren immer stärker aufgeht. Aufgrund der vorliegenden FAO-Daten ist mehr als ein Drittel der Fischpopulationen überfischt.

Die Gegenbewegung setzt sich nur schleppend in Gang. Seit Anfang der 1990er Jahre ist klar, dass es weiterer Zonen geben muss, in denen die Fischerei reglementiert wird – aber es sollte ganze zwei Jahrzehnte dauern, bis alle vereinbarten 17 Management-Organisationen etabliert waren. Allerdings: Der bürokratische Akt, deratige Gebiete abzustecken, bringt noch keine Erholung für die Fischbestände.

In einem Bericht der Umweltorganisation Greenpeace („Entwirrt – Wie der „Global Ocean Treaty“ dazu beitragen kann, das Mis-Management auf Hoher See zu beenden“) wird schonunglos aufgezeigt, wie weit der theoretische Anspruch und die Praxis der Fischfang-Flotten auseinanderklaffen. Um einer Agenda des Bestandschutzes gerecht zu werden, müsste Vorgabe sein, dass das Management des Fischfangs den wissenschaftlichen Erkenntnissen zu folgen habe. Außerdem fehle es an einer ganzheitlichen Betrachtungsweise; im Vordergrund stehe meist der Blick auf eine Fischart. Die regionalen Mangement-Organisationen agierten außerdem zu wenig transparent. Gleichzeitig wirft der Bericht der Fischerei-Industrie vor, Informationen zurückzuhalten, in welchen Regionen exakt gefischt wird. was wiederum effiziente Kontrollen schwer bis unmöglich macht.

Schutz für ein Drittel der Weltmeere

Angesichts dieser Schwächen ist im Vorjahr ein „Meeres-Vertrag“ (Global Ocean-Treaty) beschlossen worden, mit dem es unter anderem leichter möglich sein sollte, Schutzgebiete zu beschließen. Diesbezüglich ist Frankreich mit der Forderung vorgeprescht, dass ein Drittel der Weltmeere unter Schutz gestellt werden solle.

Allerdings: Der Meeres-Vertrag trägt zwar viele Unterschriften, ist aber weit weg davon, gültig zu sein. Dazu bedarf es der Ratifizierung von 60 Staaten. Derzeit haben diesen Schritt erst sieben Länder vollzogen. In Frankreich ist das procedere am weitesten fortgeschritten, in den übrigen Mitgliedsstaaten wird dies noch etwas dauern, auch wenn die EU dem Abkommen beigetreten ist. In Großbritannien wird abgewartet, weil hier auf den Ausgang der Wahlen gewartet wird.

China widerum behandelt das Thema beschleunigt. „Das hat einen strategischen Hintergrund“, berichtet Jehki Härkönen. Er ist ein Mitglied der Greenpeace-Delegation, die am meeting teilnimmt. „China will beim ersten Treffen der Vertragsstaaten dabei sein, um die konkreten Durchführungsbestimmungen mit-eintscheiden zu können.“

China hat die größte Fischfangflotte und ist gleichzeitig unter den größten Exporteuren. In Europa haben große Flotten vor allem Frankreich, Spanien und Norwegen. EU und USA sind die größten Importeure von Fischen. In den USA ist eine Ratifizierung überhaupt unwahrscheinlich – nicht wegen der Präsidentschaftswahlen im November, sondern aufgrund der Machtverhältnisses im Senat. Das Zustandekommen einer Zwei-Drittel-Mehrheit ist unwahrscheinlich, wie bereits bei vielen anderen internationalen Abkommen der Vergangenheit. Insgeheim wird damit gerechnet, dass die 60 Ratifikationsurkunden im Sommer nächsten Jahres hinterlegt sind. Im Juni 2025 ist die nächste Meeres-Konferenz angesetzt.

Fischer stehen mit dem Rücken zur Wand

Außer einem funktionierenden Management der Fisch-Populationen und den Schutzzonen gab es ein drittes zentrales Thema in Costa Rica: Es wird nach einer Lösung gesucht, um den Fischern mit kleinen Booten, die vor allem für den Eigenbedarf oder für kleine Fischhandlungen in See stechen. Weltweit gibt es etwa drei Millionen Klein- und Kleinst-Fischerboote mit Motoren und etwa eineinhalb Millionen nicht-motorisierte. Drei Viertel dieser Fischer sind in Asien zu Hause, die übrigen in Afrika. Deren Anteil in Lateinamerika und in der Karibik ist wesentlich geringer.

Die großen Fischfangflotten sind mittlerweile so effizient, dass die Erträge für kleine Fischer immer stärker zurückgehen. Hier soll bis zur Meeres-Konferenz im nächsten Jahr versucht werden, Mittel und Wege zu finden, um die Situation der kleinen Fischer-Betriebe zu verbessern, aber auch finanzielle Hilfe für die Staaten aufzustellen, um ihnen zu ermöglichen, die Dörfer an den Küsten zu unterstützen, sodass die Menschen in diesen Regionen ihr Auslangen finden können. Auf der zweitägigen Konferenz in Costa Rica waren die kleinen Fischer-Betriebe stärker vertreten und haben auf ihre prekäre Situation aufmerksam gemacht; Lobbyisten der Fischerei-Industrie waren eher zurückhaltend.

Die Konferenz, die als informeller Austausch auf Experten-Ebene konzipiert gewesen ist, endete am Wochenende ohne ein verbindliches Abschlussdokument. Vielmehr wurde eine Resolution verabschiedet, in der mit Nachdruck die prekäre Situation der Weltmeere hervorgehoben wird - und die Notwendigkeit gegenzusteuern. Die Konferenz diente eher als Eisbrecher in festgefahrenen Verhandlungen, um die Notbremsung auf den Weltmeeren einzuleiten.

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