Randerscheinung

Familienkalender als wichtigster, unwichtigster Terminerinnerer

Carolina Frank
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Von außen sieht man dem Kühlschrank sein Alter gar nicht an, weil ganz viele Magnete mit Zeichnungen, Bildern und Zeug darauf hängen. Und der Familienkalender.

Unser Kühlschrank ist in keinem sehr guten Zustand. Und da geht es nicht darum, ob er wieder einmal leer gegessen ist. Der Griff ist abgebrochen, die Dichtung löchrig, das dritte Gefrierfach im Permafrost gefangen, weil die Abtaufunktion kaputt ist. Und er hat schon seit Jahren kein Licht mehr, weil die Glühbirnen irgendwann kaputtgingen und nie ersetzt wurden.

Er hat auch wirklich viel mitgemacht in den letzten 15 Jahren. Von außen sieht man ihm das alles gar nicht an, weil ganz viele Magnete mit Zeichnungen, Bildern und Zeug darauf hängen. Und der Familienkalender. Der hatte immer fünf Spalten (für jeden in der Familie eine), seit der Pandemie nur noch drei. Eine für den Jüngsten (Zahnspange!), eine für den Hund (Zeckenmittel!) und eine für den Rest (Zahlscheine!). Der Familienkalender ist der wichtigste, unwichtigste Terminerinnerer, den wir haben. Er ist nicht mit den elektronischen Kalendern abgestimmt, oft kann man eingetragene Uhrzeiten nicht genau lesen, er hat eher deklarativen Charakter (die gemeinsame Griechenland-Woche im Sommer steht z. B. fett drinnen).

Neulich bin ich am Elektrogeschäft vorbeigegangen und habe mir gedacht, vielleicht haben die ja zufällig Glühbirnen für den Kühlschrank. Der Jüngste war dann ganz überrascht, er wusste gar nicht, dass Kühlschränke normalerweise beleuchtet sind. Er wollte gleich ausprobieren, ob das Licht auch ausgeht, wenn man die Tür zumacht. Er hat das Handy auf ­Filmen gestellt, ins Butterfach gelegt, und wirklich: Es ist drinnen dunkel, wenn die Tür zu ist. Der Nachteil am Licht: Man sieht genauer, wie der Innenraum ausschaut. Magneten als Behübschung scheiden da ja aus. Vielleicht schraube ich die Glühbirnen wieder raus.

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