Umbruch

Der Abschlag ins Ungewisse

Tiger Woods spielt sich in Pinehurst für die 124. US Open ein – und sitzt mit den Saudis am Verhandlungstisch.
Tiger Woods spielt sich in Pinehurst für die 124. US Open ein – und sitzt mit den Saudis am Verhandlungstisch.Reuters
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Das Abkommen mit Saudiarabien lässt vieles im Dunkeln. Längst gibt es neue Milliardendeals – und hinter den Kulissen hat Tiger Woods das Sagen.

Pinehurst/Wien. Ein Jahr ist seit jener völlig überraschenden Nachricht vergangen, die den Golfsport in seinen Grundfesten erschütterte. Am 6. Juni 2023 wurde das Rahmenabkommen zwischen der nordamerikanischen PGA Tour, der DP World Tour (vormals European Tour) und der LIV-Tour unter Kontrolle des saudiarabischen Staatsfonds PIF publik. Doch während sich die Golfstars dieser Tage auf dem Pinehurst No. 2 in North Carolina für die US Open einspielen, herrscht immer noch Rätselraten über die Zukunft ihres Sports.

Der Deal, im Geheimen verhandelt zwischen PGA-Commissioner Jay Monahan und dem PIF, hätte die Golfwelt wieder einen sollen. Nur ist seither die Deadline zur Ratifizierung mit Ende 2023 verstrichen, einige Architekten des Abkommens traten zurück und vor allem hat die PGA Tour in der Zwischenzeit ein neues bis zu drei Milliarden US-Dollar schweres Investment an Land gezogen. Nordamerikanisches Geld wohlgemerkt, eingebracht etwa von der Fenway Sports Group von John Henry (u. a. Boston Red Sox, FC Liverpool).

Zwar wird offiziell noch über eine Minderheitsbeteiligung der Saudis gesprochen, doch die Verhandlungsposition der PGA ist klar: Nach dem neuen Geldregen braucht man die LIV-Tour nicht mehr. Interesse hat die im Juni 2022 gestartete Serie ohnehin nur bei Anhängern von Donald Trump hervorgerufen, weil sie auf seinen Golfplätzen Station macht. Daran ändert auch die Verpflichtung von weiteren Starspielern wenig, zuletzt hatten die Saudis mit dem Wechsel von Jon Rahm ins LIV-Lager noch einmal ihre finanziellen Muskeln spielen lassen.

Wiesberger spürt die Folgen

Außerdem: Der Deal mit dem Wüsten-Königreich bekam viel Gegenwind aus der Politik zu spüren. Der US-Senat leitete eine Untersuchung ein, die vor allem auf die Investmentstrategie der Saudis abzielt, schließlich würden diese Zugriff auf die PGA Tour und damit auf eine amerikanische Institution erlangen. Auch das US-Justizministerium wurde wegen einer möglichen Kartellbildung auf den Plan gerufen. Und inzwischen gerieten die US-Firmen McKinsey und Boston Consulting Group zwischen die Fronten, weil sie als Finanzberater der Scheichs dem US-Senat angeblich vertrauliche Dokumente aushändigen sollten, das aber mit Verweis auf Haftstrafen in Saudiarabien verweigerten.

Mittendrin mischt Tiger Woods mit. Der 48-jährige Golf-Superstar ließ sich in den PGA-Vorstand entsenden und soll bei den Verhandlungen mit den Saudis schnell die Zügel in die Hand genommen haben. Seine Ablehnung gegenüber der LIV-Tour, die Kritiker als reines Sportwashing-Vehikel bezeichnen, ist bekannt. Die aktuellen Verhandlungen – zumindest noch über eine saudische Minderheitsbeteiligung – sollen entsprechend schleppend verlaufen.

Mit den Folgen seines zweijährigen LIV-Engagements zu kämpfen hat Bernd Wiesberger. Der Burgenländer, 38, darf nicht bei PGA-Turnieren antreten, obwohl er der LIV-Tour (auch wegen ausbleibenden Erfolgs) den Rücken gekehrt hat. Die Startverbote begründete die PGA mit einer bis Herbst geltenden einjährigen Sperre, die er für sein LIV-Antreten erhalten habe. Wiesbeger droht nun eine Zwangspause.

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