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Westenthaler lobt die „Fehlerkultur“ im ORF

Mehr als sechs Stunden dauerte die letzte Stiftungsratssitzung vor der Sommerpause
Mehr als sechs Stunden dauerte die letzte Stiftungsratssitzung vor der SommerpauseDie Presse
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Medien. Der ORF-Stiftungsrat behandelte das drohende 50-Mil­li­o­nen-Euro-Minus, „Manöverkritik“ gab es an den EU-Wahlberichten.

Der Schein trog: Neun Punkte standen auf der Tagesordnung des ORF-Stiftungsrats für die letzte Sitzung vor der Sommerpause, aber allein im achten Punkt fanden sich neun Unterpunkte. Diese hatte der von der FPÖ entsendete Rat, Peter Westenthaler, auf die Tagesordnung setzen lassen, sie umfassten vom ORF-Beitrag über den Ethikkodex bis zur EU-Wahlkampfberichterstattung so gut wie alle Fragen, die den ORF derzeit beschäftigen.

Ein Thema stand nicht dezidiert auf der Liste des obersten ORF-Gremiums, im Raum stand es allerdings trotzdem: das Verhalten von Westenthaler, dem FPÖ-Dauerkritiker des ORF („Propagandamaschine“, „völlig durchgeknallt“) – und die Reaktion der Stiftungsräte. 30 der 35 Mitglieder hatten einen Brief unterschrieben, in dem Westenthaler aufgefordert wurde, unternehmensschädigende Aussagen zu unterlassen. Eine Verhaltensänderung erwarten sich die Räte dadurch allerdings nicht, war im Vorfeld zu hören. In der Sitzung selbst wurde über den Brief nicht gesprochen, was Westenthaler selbst erstaunte. Von einer „konstruktiven Sitzung“ sprach Stiftungsratsvorsitzender Lothar Lockl (Grüne) nach deren Ende. Und Westenthaler selbst lobte „die Fehlerkultur“ des ORF: Fehler (gegenüber der FPÖ) wie in der Vergangenheit werde es in Zukunft nicht mehr geben, kündigte er an. Als Beispiel nannte er die Entschädigung, die der ehemalige blaue Bundespräsidentschaftskandidat Gerald Grosz nach einem ORF-Interview vor Gericht vor Kurzem erstritten hat.

Auf Sachthemen wollte sich auch der ÖVP-Rat Thomas Zach fokussieren. Von diesen gibt es genug. 180.000 zahlende Haushalte gingen dem ORF ab, 10.000 Haushalte (die wirklich zahlen) hat die ORF-interne „Soko“ inzwischen gefunden. Aber im Budget des Öffentlich-Rechtlichen klafft eine Lücke, die aus dem Ersparten gestopft werden muss. 50 Millionen Euro dürften in den nächsten drei Jahren fehlen. Heuer beträgt der Gewinn des Konzerns vor Steuern 16,5 Mio. Euro.

Auch „Manöverkritik“ zur EU-Wahlberichterstattung gab es: Diese sei eine „Feuerprobe“ für den multimedialen Newsroom gewesen, die man „gut überstanden“ habe, so Zach, aber es gebe „Learnings“. Eines davon: Es werde nicht mehr vorkommen, dass die Wahlberichterstattung in ORF 1 vom „Tatort“ unterbrochen werde wie am vergangenen Sonntag. Das habe Generaldirektor Roland Weißmann versprochen.

Regionale Diskussionssendung

So ausufernd wie befürchtet wurde die Sitzung trotz der vielen Unterpunkte doch nicht. Man verständigte sich auf einen erstaunlichen Kompromiss: Westenthaler brachte mit Heinz Lederer (SPÖ), Zach (ÖVP) und Hildegard Aichberger (Grüne) einen Antrag ein, wonach Weißmann weiterhin Gespräche führen soll, um herauszufinden, wie es zu der Diskrepanz zwischen den errechneten und tatsächlich zahlenden Haushalten gekommen ist – etwa mit dem Finanzministerium, von wo die Zahlen stammen.

Auch beim Programm tut sich etwas. Für die Wochenmitte wünschen sich die Räte eine Diskussionssendung, die am besten schon vor der Nationalratswahl am 29. September starten soll. Lob gab es für die bundesweite Ausrollung eines wohl nischigeren Talk-Formats, das ORF Niederösterreich entwickelt hat: Die rund einstündige, fürs Radio konzipierte Sendung „Ein Ort am Wort“ tourt durch die Regionen (auf ORF on auch als Video). Diskutiert wurde bisher etwa in Langschlag über Wölfe und in Mank über Vollspaltböden (u. a. mit Sebastian Bohrn Mena). Große Erwartungen an das Format hat auch die grüne Rätin Sigrid Pilz: Es solle „kein Ort sein, wo geschwurbelt wird“, so Pilz, sondern faktenbasiert diskutiert, aber auch „nicht zensuriert“. Klingt nach einem Spagat.

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