Digital News Report

Interesse an Nachrichten sinkt in Österreich

Nur knapp 35 Prozent bejahen den Satz „Stimmen Sie zu, dass man den Nachrichten im Allgemeinen vertrauen kann“.
Nur knapp 35 Prozent bejahen den Satz „Stimmen Sie zu, dass man den Nachrichten im Allgemeinen vertrauen kann“.APA / Robert Jaeger
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Gleichzeitig steigt wegen Fake News die Skepsis. Das geht aus dem aktuellen „Digital News Report“ von Reuters hervor. Führende Medienleute ordneten die Ergebnisse ein. Sie sehen darin einen Auftrag.

Alljährlich veröffentlicht das Reuters Institute for the Study of Journalism den „Digital News Report“ (DNR) zur weltweiten Nachrichtennutzung. 95.000 Menschen aus 47 Ländern wurden heuer befragt. Kernergebnis für Österreich: Das Interesse an Nachrichten sinkt weiterhin, die Skepsis in Zeiten von Fake News steigt. Dies zeigte sich am Mittwoch anlässlich der Präsentation der heimischen Detailergebnisse. Der globale Report wird am Montag veröffentlicht.

„Das Nachrichteninteresse geht etwas zurück“, konstatierte Stefan Gadringer von der Universität Salzburg, wo man für den Österreichteil der Studie verantwortlich zeichnet. So nimmt etwa die Zahl der intensiven Nutzerinnen und Nutzer nach dem Höchstwert 2020 kontinuierlich ab. Im Steigen begriffen ist hingegen die Skepsis angesichts von Falschnachrichten und Desinformation. So bejahen beispielsweise nur mehr 34,9 Prozent der Befragten den Satz „Stimmen Sie zu, dass man den Nachrichten im Allgemeinen vertrauen kann.“ Im Vorjahr waren dies noch 38,3 Prozent.

„Wir sind noch sehr printgetrieben“

Ein Minus ist nach Jahren des moderaten Anstiegs ebenfalls bei der Bereitschaft zu verzeichnen, für Nachrichten online zu zahlen. Gerade hier verstecke sich ein Auftrag, betonte Sebastian Krause, Mitglied der Chefredaktion der „Kleinen Zeitung“: „Wir sind in Wahrheit noch sehr statisch, printgetrieben.“ Man stelle fest, dass die jetzigen Digitalabonnenten nicht signifikant jünger seien als die Printabonnenten. In Folge sinke auch deren Zahl perspektivisch. „Wenn dieser Pool leer ist, müssen wir uns drastisch verändern“, prognostizierte Krause. Dazu gehörten etwa Elemente wie Werbung im digitalen Produkt oder eine höhere Sevicefokussierung und Regionalisierung.

Anders betrachtet Michael Tillian als Geschäftsführer der Mediaprint für sein Unternehmen die Lage im Bezug auf Bezahlangebote: „Ich glaube nicht, dass wir hier schon im Zenit sind - insbesondere nicht bei der ‚Krone‘, wo ich noch enormes Potenzial sehe.“ Zentral sei hierbei, die starke Marke in der digitalen Transformation zu erhalten. Zugleich erhob Tillian in Richtung Politik die Forderung, die Auslieferung des Printproduktes zu subventionieren, um diesen Prozess zu begleiten: „Wir brauchen in diesem kleinen Land eine Förderung der Digitalisierung, aber wir brauchen auch eine Förderung der Logistik, um diese Durststrecke zu überbrücken.“

User „aus der Verwirrung holen“

Man müsse man gerade die nachwachsende Leserschaft auch in deren digitalem Habitat aufsuchen, stellte indes Katharina Schmidt, Chefredakteurin der „Wiener Zeitung“, klar: „Wir müssen auf die Plattformen, wo die jungen Leute sind - und auch dort Qualitätsjournalismus machen.“ Dabei dürfe man nicht arrogant sein, sondern müsse die Sprache verwenden, die dort jeweils gesprochen würde.

„Wir setzen auf Vertriebsschienen, die für uns ein Mysterium sind“, warnte zugleich Katharina Schell als stellvertretende Chefredakteurin der APA vor unbekannten Algorithmen. Wichtig sei in jedem Falle der ganzheitliche Blick auf eine Berichterstattung, die von Transparenz und dem Willen zur Erklärung geprägt sei: „Es ist unser Job als Qualitätsmedium, die Userinnen und User aus der Verwirrung zu holen.“

Kommuniziren zu viel, wissen zu wenig

In die ähnliche Kerbe schlug Johannes Bruckenberger, Chefredakteur im ORF, der unterstrich, dass man sich auf die Kernkompetenzen fokussieren müsse, wolle man sinkenden Vertrauenswerten entgegenwirken. Dazu gehöre faktenbasierte Berichterstattung, eine umfassenden Erklärungsbereitschaft und das Ziel, den Menschen Perspektiven zu geben: „Wenn wir das schaffen, schaffen wir Glaubwürdigkeit.“

APA-Geschäftsführer Clemens Pig hob angesichts all der offenen Fragestellungen die Bedeutung des „Digital News Reports“ für die Branche hervor. „Wir kommunizieren in dieser digitalen Informationsgesellschaft zu viel, gleichsam wissen wir zu wenig“, konstatierte Pig. Genau aus diesem Grund sei der Austausch mit der Wissenschaft bedeutend: „Der DNR ist ein Fixstern für uns Medienschaffende in einer unübersichtlich gewordenen Medienlandschaft.“ (APA)

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